Anfang und Ende

Letzte und erste Tage haben diesen ganz besonderen Geruch. Benennen kann ich ihn schwer. Auch ganz eigene Töne haben sie, diese Tage. Türen werden geschlossen, Fenster werden aufgerissen und Taschen oder Kisten gepackt. Und alles wird anders. Oder es bleibt, wie es ist.

Ich erwache nach der vorläufig letzten Nacht im weichen Bett in der gemütlichen Wohnung. Es ist spät geworden gestern Nacht. Letzte Dinge mussten getan werden, bevor …

Neinein, ich ziehe nicht um. Nicht schon wieder. Oder doch – ein bisschen … Ziehen auf jeden Fall. Und zwar täglich. Täglich ziehe ich, täglich ziehen wir beide ab heute woanders hin. Heute noch hier, morgen schon dort. Wo auch immer.

Wenn wir fertig gepackt und alles noch zu Erledigende erledigt haben – Pflanzen das letzte Mal gießen zum Beispiel –, verlassen wir zu Fuß mit unsern Rucksäcken das Haus, den Ort.

Omni mecum porto, flüstert meine interne Lateinschülerin, ich trage alles mit mir. Alles, was ich die nächsten zwei bis vier Wochen brauche. Alles was ich brauche. Verdichtung aufs Wesentliche. Matte, Schlafsack, Kocher, Zelt. Ein paar Kleider, Faserpelz, Regenjacke, Pelerine. Engelkarten. Und gut ist.

Reiseengel
Reiseengel

Kann ich das? Ja, weil ich es will. Das Leben als Pilgerreise zu meinem eigenen Tempel – ungefähr so sehe ich das. Außen und innen miteinander in Gleichklang bringen, ein Synchronisieren meiner verschiedenen Welten. Ganzer werden. Meinen Plan finden, die Schatzkarte, die Lebensvision (vielleicht). Vor allem aber die Gegenwärtigkeit. Entscheidungen treffen, wenn sie getroffen werden müssen – nicht vorher, nicht auf Vorrat.

Schritt für Schritt.

Ich schöne. Immer so schön, wie ich es mir wünsche, wird es wohl kaum sein. Der Wetterbericht kündigt Regentage an. Was immer kommt, es wird mich an meine Grenzen bringen. Wie es das Leben immer mal wieder zu tun beliebt. Wie werde ich reagieren? Wie gehe ich um mit Müdigkeit, mit Hunger, mit Nässe?

Nein, Sorgen mache ich mir jetzt keine, wozu auch? Sie können ja doch nichts ändern, meine Sorgen. Zumal ich weiß, dass ich auch scheitern darf. Ich werde vielleicht weinen vor Erschöpfung (das tue ich zuweilen und das hilft recht gut), ich werde vielleicht die Nase voll haben. So what?

Ein vorläufig letztes Mal Yoga im Zimmer. Eine vorläufig letzte Dusche in meinem gemütlichen Bad. Vorläufig – wie alles.

Wandern als Metapher für das Leben – die Pilger und Pilgerinnen aller Zeiten haben es uns vorgelebt. Ich wage es. Wir wagen es.

Livebloggen werde ich wohl eher nicht. Vielleicht ab und zu ein Bild einstellen? Mal schauen.

Mehr zu lesen über unsere Reise gibts bei mir allenfalls hinterher oder dann vermutlich live bei Irgendlink drüben.

Vorhang fällt.

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24 Kommentare zu „Anfang und Ende“

  1. Das hört sich ja fast ein bisschen dramatisch an – vor allem das „Vorhang fällt“ am Schluss. Aber wahrscheinlich fühlt es sich auch so an. Aus den zwei bis vier Wochen schließe ich, dass das Ende noch offen ist?! Die Idee einer „Pilgerreise zum eigenen Tempel“ gefällt mir jedenfalls ausgesprochen gut. Das wünscht man doch jedem Menschen, dass er sich dahin auf den Weg macht, denn, der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. Wir sind auch unterwegs am Wochenende, in den Bergen, dieses Bild nehme ich mit, danke dafür und eine schöne Zeit im besten Wortsinn!

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  2. und nochmals wünsche ich euch eine frohe Wanderschaft mit und ohne Grenzen, abermit viel Freude …
    bis bald wieder in diesem Theater
    bye for now und winkewinke
    Ulli

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  3. Alles Liebe und Gute für euch und alles immer so wie ihr es brauchen könnten und am besten immer optimales Wanderwetter. 🙂
    Liebe Grüße und beste Wünsche in die spannende Zeit des freiwilligen Genzentestens.
    Szintilla

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  4. Eine gute Reise mit Eindrücken, die man(n)/frau niemals vergisst. Alleine das, ist diese Reise schon wert! Alles Liebe und überseht die Glückssteinchen nicht, die am Wegesrand liegen! 😉

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  5. Oh, ich beneide euch … bin schon länger nicht mehr verreist. Ein solches Abenteuer werdet ihr wahrscheinlich für immer in Erinnerung behalten und niemand kann es euch nehmen. 🙂 Ich wünsche euch eine tolle Reise, kommt gesund wieder!

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  6. Ich wünsche euch Beiden eine tolle Wanderung mit ganz vielen tollen Eindrücken und Erlebnissen! Und ja, am Wetter hängt da sicherlich sehr viel, vor allem, wenn man mit Zelt unterwegs ist. Aber wie heißt es so schön: nach dem schlimmsten Regen folgt immer der schönste Sonnenschein! 😉
    Viel Spaß und eine schöne Zeit,
    Andrea

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  7. „Der Vorhang fällt“ hat bei mir Gänsehaut verursacht. Es gibt ja so viele vorläufige letzte male, aber auch so viele zukünftige erste male. Reisen ist etwas tolles und durch die Gegend pilgern finde ich unglaublich faszinierend. Viel Erfolg beim suchen und finden.

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    1. herzlichen dank!
      gänsehaut wollte ich nicht verursachen!
      ja, suchen und finden ist pilgern und reisen in kurzform! so erleben wir es – besonders bei der lagerplatzsuche!

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Kommentare sind geschlossen.