Die Technik und ich – ein paar Parabeln

Ein bisschen ist es wie nach einem Bad in der Onsernone. Oder in der Reuss meinetwegen. Ich fühle mich wie neugeboren. Vielleicht sogar besser, denn an meine erste Geburt habe ich leider keine wirklichen Erinnerungen mehr. Egal. Hauptsache ich fühle mich so. Wie neugeboren, wie frisch getankt, wie frisch gefüttert. Und so ähnlich fühlt sich jetzt bestimmt auch mein Laptop. 🙂

Ich mag Metaphern, Gleichnisse – Bilder, die mir die Welt erklären. Schon sehr jung habe ich mir solche Bilder notiert oder aufgemalt. An eins erinnere ich mich noch genau. Es war in meiner pädagogischen Ausbildung, als ich Kindern beim Sandburgenbau zuschaute. Das Loch wurde immer tiefer, der Berg daneben wuchs im gleichen Verhältnis zum Loch. Wenn das kein Gleichnis ist! Eben.

Ein weiteres habe ich vor kurzem auf unserer Pilgerwanderung erlebt. Eines Morgens war Irgendlinks Rucksack wie vom Erdboden verschwunden. Später haben wir ihn in der zehn Meter tiefen Reussschlucht unten gefunden, ziemlich lädiert, von einem großen Tier angeknabbert. (Darüber hat Irgendlink hier (klick) gebloggt). Auch meine Überlebensdecke, die ich als Regen- und Schutzhülle nachts um meinen Rucksack gewickelt hatte, war zerrissen und als Regenschutz nicht mehr brauchbar. Am nächsten Tag, in Andermatt, konnte ich mir eine neue kaufen. Eine größere und bessere – was für eine Metapher und Verheißung für mein „neues Leben“ als Selbständige! Ich verstehe dieses Bild als Bestätigung dafür, dass ich dem Leben vertrauen kann.

Und nun dies. Seit ein paar Wochen, Monaten gar, zickte mein sechsjähriger Laptop herum. Er lud den Akku nicht mehr richtig – vor allem nicht, während ich arbeitete. Dummerweise lief er zuweilen nur noch über diesen kaum mehr richtig befüllbaren Akku und stürzte in der Folge immer mal wieder ab. Ohne Akku lief er irgendwann gar nicht mehr. Irgendlink und ich tippten auf ein Hardwareproblem und ich suchte im Netz nach ähnlichen Fällen, las dies und das und probierte aus. Die Rede war von BIOS neu installieren und von doppelten Einträgen, von denen man einen löschen müsse. Was ich nicht alles versuchte und nichts half! Schließlich bestellte ich mir einen neuen Akku und war glücklich, dass sich dieser immerhin wieder besser laden ließ und ich so länger am Laptop arbeiten konnte, bevor ich mein Uralt-Teil, einen bereits zehnjährigen Laptop, aufstarten musste. Das Uralt-Teil ist so weit okay, aber unendlich langsam und kann immer nur etwas aufs Mal laden. Dennoch war ich froh darüber und saß vor den Ferien immer öfter an diesem Kistchen.

Mein Laptop ist wie ich, sagte ich zu Irgendlink vor den Ferien, er ist überlastet, müde, der Akku ist leer. Er braucht viel Zeit um laden.

Nach der Wanderung beobachtete ich, dass sich mein Laptop auf dem einsamen Gehöft schneller und besser laden ließ als am Schweizer Stromnetz. Erstmals kam mir der Gedanke, dass womöglich etwas mit der Spannung, mit dem Netzteil nicht in Ordnung sein könnte. So suchte ich im Internet nach Hinweisen, die diese Theorie bestätigten oder verwarfen. Mein Verdacht verdichtete sich jedoch, als ich las, dass man meinen Laptop zwingend mit 90 Watt füttern sollte, damit er den Akku laden kann. Dass nämlich sonst zu wenig Spannung dafür sei um den Akku befüllen zu können. Ich bestellte also einen Original-Adapter, einen, der sogar mit Wechselstrom klarkommt und Spannung ausgleichen kann. Und siehe da: Seit gestern lädt sich mein Akku wieder auf, während ich arbeite.

Es fühlt sich wirklich an, als wären mein Laptop und ich neugeboren. Wir können nun wieder zusammenarbeiten ohne ständig Angst vor Abstürzen haben zu müssen. Mein Lappi läuft jetzt wieder sowohl mit Akku als ohne und ist – ich spüre es genau! – sehr glücklich, diesen ständigen Mangel und dieses ständig falsche Futter hinter sich zu haben!

Was habe ich ihm da bloß angetan, vor drei Jahren, als ich das neue Netzteil gekauft hatte, in der Meinung, dass es das richtige sei! Gut, so was funktioniert womöglich eine Weile ganz gut, aber irgendwann eben nicht mehr. So wie ich ja auch eine ganze Weile an meiner nicht zu mir passenden Arbeitsstelle arbeiten konnte und funktioniert hatte, bevor der berühmte Krug brach, ich krank wurde und schließlich kündigte.

Es braucht eben immer das zu uns passende Netzteil und die zu uns passende Spannung, damit unser Akku gefüllt wird und wir froh und zufrieden arbeiten können. Und leben. Und wenn sie nicht gestorben ist, schreibt sie heute noch … 😉

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6 Kommentare zu „Die Technik und ich – ein paar Parabeln“

    1. du meinst, ich hätte statt im internet zu suchen besser von anfang an dich gefragt? hätt ich auch, hätt ichs gewusst.
      aber ob ich dann die parabel so hätte erzählen können?
      umwege sind manchmal lehrreich … 😉

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  1. Ehrlich gesagt, wäre ich nicht darauf gekommen, dass das Netzteil zu klein ist. Habe noch nie von so einem Problem gehört, das sich so auswirkte und ein grösseres Netzteil die Lösung ist. Aber es ist möglich. . . 😉

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    1. da hast du was dazu gelernt 🙂
      ich glaube, es ist nicht wirklich zu klein, aber die spannung war nicht die richtige. aber frag bitte nicht nach details, ich bin ja keine fachfrau. aber stolz, auf die lösung gekommen zu sein. denn jetzt läuft alles wieder. sogar der alte akku lädt wieder – fast zu 95% … 🙂

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