Fortsetzung?

Will ich wirklich einen Mäzen, eine Mäzenin? Nein, ähm, jein, meine ich, will heißen, nicht auf die klassische Weise … Nachdem ich meinen letzten Blogartikel auf die Öffentlichkeit losgelassen hatte, überfielen mich – wie so oft – Zweifel, missverstanden zu werden. Ich war sogar nahe dran, den Artikel zu löschen. Doch ist fortsetzen nicht besser als löschen? So wie ich meine Lektüre in besagtem Buch fortgesetzt habe. Dabei fand ich heraus, dass Richard, der Ich-Erzähler, sich mitnichten Henry als Mäzen angelacht hat, wie ich zuerst gedacht hatte. Richard ist ein Stipendiat und erarbeitet sich, was er zusätzlich zum Leben braucht, selbst. Im Gegensatz allerdings zu seinem Kommilitonen Bunny, der … (nein, halt, Die geheime Geschichte von Donna Tartt muss wirklich selbst gelesen werden. Das Drama bahnt sich an, zeichnet sich ab … lässt mich mit vielen Fragen kaum schlafen …).

Das Stichwort heißt sich den Lebensunterhalt erarbeiten. Lasst mich das Thema für einmal von einer ganz andern Seite aufrollen.Fakt ist: Künstlerinnen und Künstler aller Genres spiegeln ihre jeweilige Gesellschaft mittels ihrer Ausdrucksmittel wider. Zu allen Zeiten haben sie Spuren beobachtet, mithilfe ihrer Medien ausgedrückt und den Mitmenschen und der Nachwelt hinterlassen. Eine Definiton des historischen Wertes von Kunst – super vereinfacht gesagt. Der gegenwärtige Wert von Kunst – für einmal nicht in Franken oder Euro, sondern im umfassenden Sinn – erschließt sich oft erst auf den zweiten Blick. Das war bei Van Gogh so, das ist noch heute so.

Künstlerischer Ausdruck findet in der Gegenwart nicht immer RezipientInnen, die ihn verstehen. Dennoch wurde diese so gesehen „wertlose“, sprich wirtschaftlich nicht relevante Kunst geschaffen. Will heißen, wirtschaftlich gesprochen konnte der oder die Kunstschaffende in dieser Zeit keiner „richtigen Arbeit“ nachgehen, der oder die Kunstschaffende hat in dieser Zeit kein Geld verdient, sondern Zeit verplempert mit …

Schnitt.

KünstlerInnen entsprechen und entsprachen, sage ich mal, den Hofnarren des Mittelalters. Ein bisschen jedenfalls. Sie waren wichtig damals, die Hofnarren, weil sie als einzige – theoretisch – ungestraft alles sagen konnten. Und sie gehörten zum Hofstaat. Weise Herrscher und Herrscherinnen konnten vom unverstellten Blick ihrer Narren lernen und hörten ihnen genau zu. Möglicherweise vertrauten sie ihnen so sehr, dass sie sogar Kriege absagten, wie ich meine, es vor langem in einem historischen Roman gelesen zu haben. (Wir brauchen sie auch heute, diese mutigen Hofnarren und Hofnärrinen.)

Zurück in die Gegenwart. Ich verbessere mich, wie gesagt. Ich brauche keinen persönlichen Mäzen. Nicht MäzenInnen braucht die Welt, sondern ein neues Förderkonzept für die akutellen Kunstschaffenden, die heutigen Weltnarren und Weltnärrinnen! Ich behaupt, dass es schon bald weniger Drogenprobleme, weniger Tablettenmissbräuche, weniger Burn-Outs, weniger Suizide, weniger Depressionen, weniger Krankheiten, weniger Stress geben würde, wenn Kunstschaffende, die noch nicht von ihrer Kunst leben können, ganz selbstverständlich finanzielle Unterstützung und damit auch gesellschaftliche Anerkennung erhalten würden. Ein bisschen ist es bei ihnen – also bei uns, bei mir! – nämlich wie bei Hausfrauen/-männern mit Kindern: Sie tun wertvolle Dinge, die allerdings niemand so richtig sieht. Sie kreieren Dinge, deren Wert nicht in Geld messbar ist. Wie Mütter und Väter gestalten Kunstschaffende die Welt von morgen mit.

Und nein, ich bin nicht zu faul für „richtige Arbeit“ (was immer das ist!), ich wehre mich nur einfach innerlich gegen diese Trennung von „richtiger Arbeit“ und dem latenten Vorwurf an Kunstschaffende, „nichts“ zu tun. Ich wehre mich gegen den allein-selig-machenden Maßstab Geld, an dem heute jede „Leistung“ gemessen wird. Und ja, ich wünsche mir, dass das Bedingungslose Grundeinkommen Wirklichkeit wird.

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Mehr Infos:

bedingungslos.ch
www.grundeinkommen.ch
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