artgerecht und echt und so

Über Echtsein denke ich nach. Seit Tagen schon. Nicht zuletzt, weil Frau Mützenfalterin schon eine Weile darüber bloggt. Sie schreibt über „die Angst derjenigen, die Echtheit definieren, vor denen die „echt“ sind.“ (Zitat)  Definieren nicht vor allem jene, die echt sein wollen, die sich nach echtem Sein sehnen, das Wesen von Echtheit?, frage ich mich. Habe ich womöglich gar Angst davor, als unecht entlarvt zu werden, ich, die ich mich so sehr nach Authentizität sehne und mich um sie bemühe?

Sein, nicht sein. Oder
so: Sein, noch nicht sein.
Werden. Unterwegs
sein. Auf dem Weg sein ohne
Widerstand zu leisten. Weder
aggressiven noch aktiven noch passiven. Einfach
akzeptieren.
JA.
Danke.

Habe ich resigniert? Oder bin ich womöglich ein klein bisschen weise(r) geworden? Habe ich gar die Kunst des Nichtreagierens verstanden? Ist Nichtreagieren vielleicht der Schlüssel? Agieren statt reagieren. Echt, aus meiner Mitte heraus. Verbunden mit meiner Mitte zu sein, mit meiner Schaltzentrale – darum geht es. Und um das Wissen darum, dass meine Zentrale mit allem, was ist, verbunden ist. Mit allen Zentralen. Mit allen Zentralen aller Lebenwesen. Das biologisch-spirituelle Internet. Alle unsere Zentralen, alle unsere Herzen sind die Zellkerne eines einzigen grenzenlosen Organismus – so stelle ich es mir zuweilen vor, dieses Lebensgewusel, zu dem wir alle gehören. Und alle wollen wir nur das eine: Leben, in Frieden und liebevoll leben, unserer Art gerecht.

Ob Mensch oder Schwein, ob Baum oder Stein.

Ich lese. Ich denke. Ich fühle. Ich nehme auf. Ich bin ein Schwamm. Ich lasse zu. Ich drücke aus. Ich drücke mich aus.

Input. Output.
Das Hamsterrad der KünstlerInnenseele?

So leben. So ist es artgerecht. So ist es echt. So passt es.
Wie Schuhe, die ich gerne trage.
Wanderschuhe.
Lebenswanderschuhe.

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siehe dazu auch meinen neuen Lese-Stoff: Die Echte werden – die Echte sein

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13 Kommentare zu „artgerecht und echt und so“

  1. Schön, dass du den Faden hier aufnimmst. Es ist ein ganz schwieriges Thema. Für mich jedenfalls. Schwierig es so auszudrücken, dass es verständlich, nachvollziehbar ist. Ich glaube nämlich es geht gerade nicht um „Authentizität“ (ich mag das Wort ohnehin nicht), sondern darum von sich absehen zu können. Indem man ein Teil von etwas Größerem wird, erlangt man (scheinbar paradoxerweise) Freiheit. Für Dich ist dieses Größere vielleicht Dank, Annahme, Dankbarkeit. Ich würde mich sehr für Dich freuen, wenn Du Dein Übergeordnetes gefunden hast. Ich bin immer noch auf der Suche.

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    1. oh, ich mag das wort authentisch sehr. für mich haftet daran noch mehr als am echt-sein. echt ist für mich weniger umfassend, bei echt denke ich an eine art echtheitssiegel, wie es gold oder silber aufgedrückt bekommt. aber das sagt ja noch nichts darüber aus, ob das gold sich auch wirklich authentisch anfühlt. ob es am richtigen finger steckt sozusagen. authentisch beschreibt für mich mehr noch das innewohnende echtheits“gefühl-und-wissen“ des jeweiligen aktes/menschen.

      dieses von-sich-absehen, über das du (auch früher schon) schreibst, beschäftigt mich auch immer wieder. ich ahne darin eine sehnsucht nach freiheit, freiheit vom schwerfälligen ICH.

      da ich damit bei mir nicht weitergekommen bin, versuche ich den weg über das akzeptieren dieses schwerfälligen ICH und versuche, so und eben über die dankbarkeit, dem ICH seine schwerfälligkeit zu nehmen. ihm leichtigkeit zu geben. ihm gewicht zu nehmen. es so von seiner „ernsthaftigkeit“, von diesem drehen um dieses ICH, abzusehen. für mich ist es weniger das ICH und ein absehen von ihm, sondern meine zu „schwere“ beschäftigung mit ihm, die ich verändern will – mich vielleicht auf eine liebevollere art immer weniger wichtig nehmen. das klingt nun furchtbar, aber mir fehlen bessere worte.

      ob du irgendwie nachvollziehen kannst, was ich da meine?

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    2. Weißt du welches Wort ich mag? Aufrichtigkeit. Das empfinde ich als erstrebenswert. Mit Authentizität oder Echtheit kann ich nichts anfangen, bzw. ich will nichts damit anfangen, und genau das beschreibst du eigentlich auch, wenn du von Annahme sprichst, davon das „ich“ von seiner Schwerfälligkeit zu befreien, wenn du es annimmst, wie es eben ist, ist das aufrichtig, in meinen Augen, und darin liegt womöglich die einzige Freiheit, die man hat.

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    3. sich vom ICH befreien ist nicht mehr mein ziel
      ich will, wie du es schreibst: aufrICHtigkeit leben, mich in einer aufrICHtigen weise sein, leben, alles, was da ist integrierend, statt mich kleinmachend, bekämpfend, ablehnend. aber dennoch und konkret narzisstisches zöix ablegen.
      dadrüber denke ich aktuell (auch dank dir) viel nach. den kern, die essenz befreien, und das ist eben nicht das ICH, sondern das, was alle in sich tragen. nenn es göttlichen kern … ich habe kein wort dafür. das wesenlose vielleicht?
      ich glaube, du spürst, was ich meine?

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    4. ich glaube auch, dass hier Authentizität nicht gemeint ist, von sich abzusehen ja, letzteres ist ein Weg, den es zu nehmen gilt, jeden Tag. Schreiben ohne Ich kann dabei helfen, sich selbst dabei als hohlen Knochen, als Kanal zu visualisieren auch … es ist wie tanzen ohne Tänzerin …

      um manches beschreiben zu können, braucht es für mich die Metaphern, die Bilder, die erlebten und die aufkommenden …

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    1. nicht zwingend. für mich eher eine überprüfung. eine form der selbst“kontrolle“.
      was du sagst, kann es aber sicher sein, darüber habe ich schon auch nachgedacht. ich glaube, das kommt darauf an, woher wir kommen. und was für eine absicht wir haben.
      ich denke genau dadrüber nach, wenn ich zum beispiel in einem gespräch mit jemandem das gefühl habe, dass mein gegenüber so tut-als-ob.
      oder wenn ich – wie im artikel geschrieben – ja statt nein sage.

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  2. ich mache hier mal weiter … wieder habe ich zuerst die Kommentare gelesen, eine kleine Unart, die sich gerade zurückschleicht, die mir nicht gefällt, weil ich dann mein eigenes schon mit dem Gelesenen verknüpft habe, aber so what … da zeigt sich im Kleinen und Schnellen, was wir im Grossen und Langsamen genau so sind, tausende von Facetten aus Gehörtem, Gesehenem, Erlebtem, Gefühltem, Gelesenem, Gedachten … das Ich ist für mich keine Konstante, Systeme und Muster können verändert werden, mal von dem abgesehen, dass sich sowieso alles stetig in einem und um einen herum verändert.
    Aufrichtigkeit gefällt mir gut, es impliziert den geraden Gang, den geraden Rücken, dem Gefühl: ich habe nichts zu verlieren, noch nicht einmal ein Gesicht!

    was ist artgerecht leben? eindeutig eine Angelegenheit der Definitionen, vielleicht geht es ja insgesamt mehr ums Sein, als ums analysieren, zerhacken und wieder zusammensetzen- in den Fluss springen, ja sagen, aufmerksam und achtsam sein … so, stelle ich es mir wenigstens vor und das ist nun auch wieder nur ein Konzept, ein Bild …

    herzliche Grüsse
    Ulli

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    1. auf jeden fall geht es hier (und überhaupt) um die öffnung, um die bereitschaft zur immer-wieder-neuen definition von echtheit, aufrichtigkeit, authentitzität. wörter sind hier mal wieder eher hinderlich als gefässe, werden dem inhalt nur knapp gerecht.
      es geht auch um verbundenheit, um verbindlichkeit, selbstreue, die wiederum nicht jenes ICH meint, das nach anerkennung giert, sondern dem allumfassenden ICH, das teil von allem ist. ooops, ich werde metaphysisch und tauche in einem see von wahrnehmungen, für die mir mal wieder echt die wörter fehlen. ich denke, du ahnst, wie ich es meine, gäll, liebe ulli?
      danke!

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    2. guten Morgen liebe Soso, ich weiss nicht ob es per Definition ein allumfassendes Ich gibt, ich spreche da eher von einem Kern, Freud vom Über-Ich, ich meine damit den Anteil, der immer ist, wie er ist und der dazu auch weise ist, hier wohnt kein Falsch-
      gestern Abend schrieb ich noch, dass ich Kontrolle gerne durch Beobachtung ersetze. Kontrolle geht mit Sanktionen, Wertungen, Schuld und Scham Hand in Hand, bei der Beobachtung unseres Handelns, Denkens, Seins bleibe ich weich, reguliere sanft- Stelle es dir wie die Beobachtung des Atems beim Yoga vor … so mit sich verbunden ist man auf dem Weg, tut, was getan werden muss und will und ist …

      anders kann ich es auch nicht ausdrücken …

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    3. ob es per definition etwas gibt? lach. das allumfassende ICH gibt es, weil ICH es wahrnehme. so einfach ist es. vielleicht ist es auch das große ALLES, die EINHEIT VON ALLEM, die ich meine – und mein anteil darin? hm, so irgendwie. weischwinimeine?
      kontrolle haben wir negativ bestetzt, du kannst es gerne beobachtung nenne. auf alle fälle war es wohlwollend und liebevoll gemeint.
      okay?! 😄

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    4. na ja, liebste Soso, das sind schon Bereiche, die es per Definition gibt, da gibt es dicke philosophische und psychologische Nachschlagewerke und ich denke, dass es schon gut ist genau in diesem Fall zu sein, damit man auch wirklich verstanden wird …
      aber ich glaube schon, dass ich dich verstehe, glauben aber ist Nichtwissen 😉

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