Weißleim und das Ding mit der Disziplin

Schreib zuerst einen Zettel, eine Liste, sonst kriegst du das nicht auf die Reihe!, mahne ich mich. Ich gehorche mir. Abstimmen steht drauf, Mail an Schreibgruppe und anderes. Schließlich habe ich ja nun zwei Tage mehr Zeit, weil ich erst am Freitag nach Deutschland fahren werde statt heute. Zeit – darum geht es. Nein, falsch. Nicht Zeit, nicht wirklich, sondern dieses Ding im Kopf, das so ähnlich wie eine Sanduhr funktioniert und mir weismachen will, Zeit sei knapp. Kann sie das sein? Sind es nicht vielmehr meine Wahrnehmung, meine Ansprüche, meine Vorsätze, meine Innen- und Außenpflichten, die im Verhältnis zu der mir zur Verfügung stehenden Zeit zu groß sind?

Wie auch immer. Was ich sagen wollte: Weißleim ist eine tolle Sache. Damit kann man nicht nur kleben, man kann auch eine Art Lackschicht über Papier ziehen. Denn Weißleim wird, wenn er trocken ist, durchsichtig. Und schützt so das Papier ein bisschen. Wie Kleister, den ich schon lange kaufen wollte. Was ich damit sagen will? Nichts. Außer vielleicht, dass Weißleim einer meiner im Moment – neben Farben und Papier – am meisten verwendeten Werkstoffe ist.

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Lebensrad

Während ich an den einzelnen Elementen meiner Installation arbeite, überfluten mich laufend neue Ideen. Ich werde nicht alle umsetzen können. Oder vielleicht einfach noch nicht. Am 20./21. Sept. werde ich einfach das ausstellen, was da ist. Womöglich, ziemlich sicher sogar, wird die Installation auch danach weiter wachsen, werden laufend neue Elemente dazukommen, denn „Was uns wirklich nährt“, ist eine Thema, das sich auf so vielerlei Weise verstehen lässt. Meine Installation ist ein Antwortversuch, so persönlich und so allgemeingültig es eben geht. Wie hat es Irgendlink gestern so schön geschrieben?

„Sie zeigt eine dreidimensionale Installation, welche die Betrachtenden dazu verführt, sie mit allen Sinnen zu erleben. Die Inhalte der einzelne Objekte – als Vorratsgefäße gestaltet – werfen die Frage auf, was uns wirklich nährt. Die Künstlerin hat für ihren „Vorratsschrank“ vor allem Holz, Glas, Farben und Papier verwendet.“

Vorgegenwart. Als wäre ich schon fertig. Bin ich längst nicht. Warum auch immer. Weil ich zu undiszipliniert bin. Weil ich noch andere Baustellen am Bein habe. Weil ich mein Geschäft voranbringen sollte und will. Weil …

Wie hat CQ gestern so schön gesagt? KünstlerInnen sollten von der Gesellschaft, in der sie leben, unterstützt werden, entlöhnt. Kunst ist lebenswichtig für jede Gesellschaft, für jede Kultur.

Hm, gut und schön. Wie wichtig meine Kunst für andere, für die Welt ist, kann ich nicht beurteilen. Sie ist zumindest für mich überlebenswichtig. Könnte ich mich nicht ausdrücken, hätte ich keine Medien, um das, was mich beschäftigt, auszuk***n, würde ich eingehen wie eine Topfpflanze ohne Wasser. Und ohne Erde. Was mich auch die Idee bringt, dass ich doch … Wo ist mein Zettel. Aufschreiben. Schreibs auf, sonst vergisst du es wieder!

Ja, so ist es mit Ideen. Sie sind flüchtig. Sie wählen jemanden aus, dem sie sich vorstellen wollen. Wenn ich sie nicht will (weil ich keine Zeit habe?), gehen sie einfach weiter. Schmetterlingen gleich.

Bloggen steht auch auf meinem Zettel. Zuoberst. Weshalb ich es zuerst tue. Jetzt. Hier. Damit der Kopf wieder frei ist.
Mehr Weißleim kaufen. Unbedingt. Schreib’s auf.

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8 Kommentare zu „Weißleim und das Ding mit der Disziplin“

    1. na ja, du kennst sicher dieses zappeln in den fingern, weil sie unbedingt ein paar sätze in die tasten hacken wollen, weil im kopf ein paar sätze fangen spielen und du darum nichts anderes denken kannst. in diesem fall war es das wort “weißleim”, das mich zum schreiben nötigte. *augenzwinkernd* … hier auch so was wie hochnebel. oder jedenfalls grauer himmel, weißleimartig überzogener himmel … 🙂
      danke!

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  1. „KünstlerInnen sollten von der Gesellschaft, in der sie leben, unterstützt werden, entlöhnt. Kunst ist lebenswichtig für jede Gesellschaft, für jede Kultur.“ das finde ich schon auch, denn die Künstlerschaft kann nicht anders, als immer wieder nur zu schreiben, zu malen, Installationen anfertigen, Steine und Holz zu bearbeiten und … aber weil dem eben nicht so ist, gitb es eben diesen verdammten Spagat zwischen Broterwerb und der Zeit für das, wonach die KünstlerInnenseelen streben- es ist ein Kreuz und das war damals so und hat sich bis heute nicht verändert- seufz …
    sag mal, was ist Weissleim, das ist wieder so ein Schweizwort, das ich nicht übersetzen kann- bin wirklich auf deine Installation gespannt und bedauer sehr, dass ich nicht dabei sein kann.
    liebe Grüsse
    Ulli

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    1. ähm, weissleim? wie der wohl bei euch heisst? papierleim vielleicht? der leim halt, den man immer und überall stehen hat. flüssig. in einer flasche mit streichdeckel. siehe hier: http://www.schoch-direct.ch/shop/java/artikelliste/Konstruvit_Weissleim_Original?katgliederung=539417

      und ja, das mit den künstlern und künstlerinnen: die ideale gesellschaft gibt es noch nicht. aber wir kreieren weiter. und vielleicht, wäre sie ideal, hätten wir nichts mehr zu schreiben und zu kreieren? wer weiß(leim) das schon so genau? 😉

      ps: beim bärenbuch müsste der startnext-link kommen, der hier: https://www.startnext.de/dasbaerenbuch – bei mir gehts, komisch.

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    2. ich sag es doch, das ist ein Schweizer Produkt, eins, das es SO bei uns nicht gibt … will ich haben 😉
      danke für die Links-
      ich glaube nicht an die ideale Gesellschaft, aber an idealere Lebensumstände …

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