Von klitzekleinen Unterschieden

Der Frauenversteher hat gemeinhin hüben wie drüben einen eher zweifelhaften Ruf. Ist er bei den „richtigen“ Männern – whatever this means – eher das Weichei schlechthin, wissen selbst die von ihm so verstandenen Frauen nicht so recht, ob sie ihm trauen dürfen oder ob das alles nur eine Masche ist. Anmache – nein, liebe Mit-KunstzwergInnen, nicht Pappmaché und auch nicht Papiergeschleimtes, schlicht und einfach Schleim pur. Wenn frau der Sache im Weltweiten Netz nachgehen will, findet sich wenig Hilfreiches. Dass der Frauenversteher Bescheid über ihre Lieblingsblumen, Modemarken, Spinnen- und Mäusephobien wissen sollte, macht ihn aber für mich noch lange nicht zum echten Mäuse- ähm Frauenversteher (oh, Freud!). Hingegen der Echte Frauenversteher | EFV® ist in Wahrheit einer, der die Straßenseite wechselt, wenn er merkt, das die Frau, die spätnachts vor ihm durch die ansonsten leere und stille Straße geht, nur deshalb immer schneller geht, weil sie in ihm einen potentiellen Verfolger vermutet. Das weiß auch Blogger Glumm und macht’s.

Ein Echter Frauenversteher | EFV® ist in Wahrheit einer, der sich der latenten Angst der Frau vor der physichen Übermacht der Mannheit bewusst ist, einer, der weiß, dass Frauen eher intuitiver und irrationaler als der Durchschnittsmann, so es den überhaupt gibt, wahrnehmen und handeln. Damit höre ich aber mit der Verallgemeinerung der Frau und ihrer Reduzierung auf einzelne Eigenschaften auch schon auf. Der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau besteht nämlich – mann höre und staune – einzig im unterschiedlichen Geschlecht. Genauer gesagt, am etwas andern Mix der Hormone. Ansonsten sind sich Mann und Frau nämlich gar nicht mal so unähnlich. Beide haben Angst. Beide haben Mut. Beide mögen das eine und verabscheuen das andere. So haben wir zum Beispiel am letzten Wochenende, am besagten Kunstzwergfestival, herausgefunden, dass Menschen, die Lakritze, Salmiak und ähnliche Süßigkeiten NICHT mögen, gewisse eher schräge Musik dafür mögen, während Menschen die Süßigkeiten wie Lakritze & Co. mögen, dafür gewissen Musik NICHT mögen.Eine Inkompatibilität von Geschmäckern sozusagen.Und dies sogar unabhängig vom Geschlecht! Zugegeben, die Umfrage war womöglich nicht repräsentativ genug um wissenschaftlich anerkannt zu werden, doch die Tendenz war so deutlich, dass wir durchaus gewisse marktrelevante Schlüsse ziehen könnten. Womit wir bei der Männerversteherin, der Echten Männerversteherin | EMV® wären.

Will ich nämlich Männer wirklich verstehen, muss ich zuallererst aufhören damit, voreilige Schlüsse zu ziehen. Auf die Gefahr hin, meinen Ruf als die emanzipierte Frau, die ich bin (und das sowohl gerne als auch aus Notwendigkeit), einzubüssen (was mir allerdings ziemlich am A*** vorbei geht), oute ich mich hiermit als Echte Männerversteherin | EMV®. Richtig, liebe Frauen und liebe Männer, echt und Männer und verstehen stecken da drin. Geht das überhaupt zusammen? Und wenn ja, warum behaupte ich sowas von mir? Na ja, ich habe immerhin ein Kunstzwergfestival mit nur einer andern Frau und Herrscharen – ja, das muss so, ist kein Tippfehler! – von Männern heil überlebt. Und es ging mir sogar ziemlich gut dabei. Nein, man muss sich dabei nicht verbiegen, man muss sich auch nicht so sehr integrieren oder gar wie ein Gummibärchen in Wasser auflösen, dass man selbst zum Quasi-Mann wird (obwohl ich ja dank Whiz Freedom® nun auch im Stehen … aber das ist ein anderes Thema).

Item. Es reicht schon, den Mann als Menschen der selben Spezies mit leicht veränderter (zugegeben ein wenig vereinfachter) Mixtur wahrzunehmen, ihn nicht zu fürchten, seine Ängste zu wahrzunehmen, genau hinzuschauen und hinzuhören, sich auf ihn einzulassen. (Wie es allerdings zugeht, wenn Männer ganz unter sich sind, werde ich nie wissen. Will und muss ich zum Glück auch nicht. Obwohl …Vielleicht werden sie ja endlich ganz weich und offen und authentisch? Oder werden sie eher derber als ich ahnen kann, weil sie – ähnlich wie zickenkriegerische Frauen – stets den Platzhirschstatus anstreben oder verteidigen müssen? Das hängt vermutlich von Alter, Reife, Bildung und anderen Faktoren ab …). Die Echte Männerversteherin | EMV® muss das jedoch nicht kümmern. Sie interessiert sich dafür dafür (ja, das Wort muss doppelt) zu verstehen, wie der Graben zwischen Mann und Frau entstand, wozu er schlecht ist und warum noch immer so viel polarisiert und Halbwissen mit Vorurteilen aufgebauscht wird, statt dass wir von beiden Seiten die herumliegenden Steine statt zu Mauern zu Brücken verbauen.

Die Echte Männerversteherin | EMV® ist eine Forscherin, sie ist eine, die nicht glauben will, dass die beiden Geschlechter sich ihres Geschlechtes und des kleinen Unterschieds wegen bewerten und bekämpfen müssen, sie ist eine Idealistin, eine Träumerin, eine, die die Hoffnung nicht aufgibt, dass Frieden zwischen den Geschlechtern irgendwie machbar und sogar langfristig möglich ist. Denn ganz ehrlich: Obwohl ich mehr Rechte für die Frau will (ebenso viele wie sie der Mann ganz selbstverständlich hat), will ich wiederum nicht, dass der Gemeine Mann (der sich vom Kaputten, vom Bösen, vom Gewalttätigen, vom Etcetera-Mann deutlich durch seine Harmlosigkeit unterscheidet) nur aufgrund seines Geschlechts eine Kollektivschuld tragen muss wie wir Frauen sie – hierzulande weniger, aber anderorts noch immer sehr – kennen und kannten. Es darf nicht sein, dass physische Vorteile (hier sind Muskeln gemeint) so gewichtig sind, dass sie höher gewertet und gewichtet werden als die Summe aller Einzelteile, die einen Menschen ausmachen – unabhängig seines Geschlechts. Auch fehlende Phantasie, fehlende Empathie, fehlende Einfühlsamkeit in das andersgeschlechtliche Gegenüber dürfen nicht verallgemeinert und auf den Rest der Mannheit übertragen werden.

Give Men A Chance!, also. Mein kleines Plädoyer für Integration statt Segregation schreibe ich in der womöglich trügerischen Hoffnung, ein klein bisschen zum Weltfrieden beitragen zu dürfen. Selbst wenn es, wie die geneigte Leserin und der geneigte Leser gemerkt haben dürften, ein klitzekleinebisschen satirisch daherkommt.

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15 Kommentare zu „Von klitzekleinen Unterschieden“

    1. du kannst sie auf jeden fall auch für die haare nutzen. falls du noch nie mit seife die haare gewaschen hast, wirst du vermutlich testen müssen. jedes haar mag andere öle in der seife. meins steht zum beispiel nicht so sehr auf kokos. dafür auf kakaobutter…schick mir ne mail, dann stell ich dir gerne was zum testen zusammen 😉

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    1. Ach ja, nochwas: zum EFV® gehort die EHV® (…-Herren-…), während zur EMV® der EWV® gehört. Frau und Herr (Müller), Weib und Mann (wie im Tierreich: Weibchen ud Männchen).

      Rein sprachtheoretisch betrachtet.

      Denk‘ ich.

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    2. hat was … Eigenlich …

      Klar ist: die Kursausschreibung für Echte Frauen/Weiberversteherinnen und Echte Männer/Herrenversteher muss ich schon bald angehen.

      Wobei … Herren verstehe ich sicher weniger gut als Männer. Herren tragen nämlich Krawatten, wie du sicher weisst, und damit kenn ich mich nun echt ganz und gar nicht aus. Da sind mir dreitagebärtige Männer schon lieber. Ach, lass uns die Damen, Frauen und Weiber einfach alle in den gleichen Topf werfen. Ob mit oder ohne Highheels. Wobei … die mit Stöckelzöix verstehe ich eben auch nicht, so wenig wie die Herren mit Krawatten … Ich sehe es schon: Probleme über Probleme … da ist das sprachtheoretisch-inkorrekte noch das kleinste. 😉 … *grummel*

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  1. Ich habe mal die Erfahrung gemacht, dass eine Frau sich in einen Mann verwandeln ließ und hinterher noch genau so blöd war wie vorher.:), was Deinem Artikel ja nicht widerspricht.

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  2. Liebe Sofasophia und EMV
    Das ist herrlich zu lesen! Man erkennt den Möchtegern-FV unter anderem auch daran, dass er viel labert und rumtextet (fies, wenn er sich auch noch gekonnt schönschreibt) und wenig an Taten liefert. Ich dachte bis anhin immer, dass man nicht anders schreiben kann als man in Tat und Wahrheit ist, aber Schriftsteller können auch alle gut schreiben und sind deswegen nicht zwingend EFV, auch wenn sie Liebesromane schreiben. Aber eine über die Jahre hinweg erprobte EMV geht so einem nicht so schnell auf den Leim. Nöd?

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    1. genau! so sehe ich es auch. verstehen allein reicht vielleicht nicht, erkenne ich soeben. verstehen ist nur echtes verstehen, wenn es mit der nötigen portion empathie ummantelt ist. und mit lebenserfahrung und toleranz. ach, verstehen … kann frau, kann mann je jemanden wirklich verstehen? bleibt es nicht letztlich beim versuch? und ist es nicht immer nur der versuch einer annäherung?

      wie auch immer, danke herzlichst für dein erbauliches feedback! 🙂

      (… und welcome back home!)

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  3. Äh! Tschuldigung. Ist eine EMV jetzt die echte also wirkliche sozusagen wahre Männerversteherin?
    Oder die, die nur „Echte Männer“ versteht?
    Wenn hier erstere dabei sind, so versteht ja vielleicht auch mich mal eine? Und wenn das, dann könnte mir ja vielleicht endlich eine Frau die Frage beantworten, wie man ein EFV wird. Und zwar einer im egoistischen Sinne. Strasse wechseln ist leicht. Kann ich schon. Aber wie man aus dem Verhalten einer Frau in den ersten Minuten herausfindet, ob da was laufen könnte, hat mir noch niemand erklärt. Denn als EFV sollte man das doch wissen, oder?

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    1. *lach* von einem EFV erwartet die frau eben grad nicht, dass er ein übermensch ist, sondern authentisch. herausfinden, ob da mal was wird, kann man nur, wenn Mann sich einlässt. das unterscheidet den gemeinen FV vom echten: dass ER SIE WIRKLICH verstehen WILL. und umgekehrt will auch die EMV das: den mann echt verstehen. auch wenn es beim versuchen/ahnen/annähern bleibt, das verstehen, denn selbst ich als frau verstehe ja viele frauen nicht. und du als mann wohl andere männer auch nicht immer. will heißen: alle sind mehr und facettenreicher als nur mann oder frau etc.
      verstehen heißt eben nicht wissen nur versuchen, „da zu stehen“, wo der/die andere steht. den platz im kopf wechseln, woanders hin-stehen im kopf.
      das wort impliziert das sogar irgendwie …
      danke fürs feedback und auf wiederlesen!

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