Kein Gummibaum

Rausch? Nein, Klarheit. Fließen, schnell, langsam, ganz bei mir. Was will ich sagen, was kann ich, was führt zu weit? Selten denke ich, was wohl die Betrachtenden sagen. Höchstens: Ob das jemand versteht? Nicht: ist das schön? Sieht das gut aus? Irgendwie habe ich solche Gedanken aus meinem Kopf verbannt. Wie sagt Büne Huber so schön im Zusammenhang mit dem tollen Song vom Gummibaum?

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… dann sei ein Gummibaum.

Wenn ich keine Kunstmalerin bin, bin ich halt eine Objektekreatorin. Eine Ideenfühlerin, eine Ideendenkerin auch und eine Ideenumsetzerin, eine Ideenmutter sozusagen, eine Ideenmaterialisiererin. Ich habe einige meiner lyrischen Texte als Basis für meine Objekte genommen.

Eigentlich, denke ich, ist mein Vorratsschrank, den ich am kommenden Wochenende am Offenen Atelier auf dem Rinckenhof das erste Mal der Öffentlichkeit zeige, eine Art Buch im 3D-Berührformat. Ich habe, anders gesagt, ein paar meiner Texte – ohne Buchrücken vorne und hinten – aus ihrer nur digitalen Form entlassen und sie für die Hände fassbar gemacht. Denn letztlich ist es am allermeisten das, was mich nährt: Ausdruck. Das Thema meiner Rauminstallation – „was nährt“– habe ich beim Schaffen erlebt und verinnerlicht. Meine Gedanken während der Arbeit wanderten zu Gesprächen, zu Freundinnen, zu Erlebnissen hin. Dankbarkeit in den Zellen. Froh hat es mich gemacht, dieses Schaffen, ja, es hat mich genährt.

Keine Ahnung, wie das Ganze rüberkommen wird. Sicher ist es aus künstlerischer Sicht laiinnenhaft, da mach ich mir nichts vor. Dennoch hoffe ich, dass meine Idee rüberkommt. Dass die Inhalte (ein bisschen) Nährwert für die Betrachtenden haben. Dass diese ein bisschen glücklicher gehen als sie kommen. Dass sie ein klein bisschen von diesem Reichtum, den ich in der letzten Zeit sehr bewusst erlebt und genossen habe, verstehen.

Oh, ich denke ja doch an die Betrachtenden? Hm, schon, ja, aber nicht im Sinne von „werden sie es mögen?“ (heißt, „würden sie mich liken, wäre das Werk im Internet zu sehen?“), sondern so: Nährt es? Erreiche ich mein Ziel, so ich denn eins habe? Kann ich die erlebte Leidenschaft teilen? Kommt die Vielschichtigkeit der einzelnen Objekte rüber? (… und nein, nichts muss mit JA! beantwortet werden, schön dennoch, wenn es da und dort ein JA! gibt …)

Bei den Bilderausstellungen in vergangenen Jahren hatte ich solche Gedanken viel weniger. Eine Fotografie ist eine Fotografie. Sie gibt meine Perspektive wieder, sie drückt aus, was ich gesehen und inwiefern ich das Bild gegebenenfalls verändert habe um ihm eine andere Aussage zu geben. Klar, auch sehr persönlich, keine Frage. Und auch Geschmackssache – ebenfalls keine Frage.

Bei der Rauminstallation jedoch eröffne ich mir einen Raum, den ich so noch nicht betreten habe. Ich tue Dinge, die ich so noch nie geschaffen habe. Ich folge inneren Ideen, die ich so noch nie gedacht und gefühlt habe.

Ich habe Neuland betreten und der Boden unter meinen Füssen ist wie Schnee, über den noch niemand gelaufen ist. Gewiss, wenn ich forschen würde, fände ich ähnliches – bestimmt bin ich nicht die erste, die auf eine solche Weise gearbeitet hat, dennoch ist es für mich, als Quasi-Laiin, eben neu. Ich habe keine Vergleiche und das ist gut. Ein bisschen ist es wohl Art brut, dachte ich vorhin, als ich die Kiste mit den neuen Objekten, die in den letzten Tagen auf meinem großen Tisch entstanden sind, packte. Art brut, die rohe Kunst einer Unausgebildeten. Ich folge einzig und allein mir und meinen Gedanken. Meiner Spur. Und dabei prüfe ich laufend, ob das, was ich schaffe, effekthascherisch oder authentisch ist. Beides zusammen geht nicht. Nicht für mich. Nur authentisch zählt. Für mich.

Gut muss nicht schön sein, schön muss nicht gut sein. Und ja, mir geht es weniger um schön und nett als um echt und von innen kommend. Nein, das sage ich nicht als Voraus-Rechtfertigung, falls das Ganze ein Flop wird. Ich versuche dir nur zu erzählen, wie ich gearbeitet habe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und ein Flop kann es höchstens für die andern sein, für mich nicht. Ich habe alles erlebt, jedes einzelne Objekt. Und das zählt. Das nährt. Womöglich ist das Ganze eine Biografie in und aus Dingen …

Punkt. Fertig. Aus. Schluss. Publizieren. Und back jetzt endlich die beiden Kuchen, Soso. Und dann pack das Auto. Und dann fahr los. Na los …

Morgen richten wir die Galerie fertig ein. Galerist QQlka ist noch auf dem Rinckenhof. Er wird uns coachen. Klasse! [Jungs, ich freu mich auf euch.]

Und ich freu mich auf Samstag und Sonntag, auf dich und dich und dich.

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4 Kommentare zu „Kein Gummibaum“

  1. einer sache kannst du dir sicher sein, wenn du das möchtest.
    deine texte nähren….mein inneres kunstundgut ding. das auf jeden fall 🙂
    und für das wochenende wünsche ich spaß und energie und magie und nährwert!
    ♥-liche grüße kerstin

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    1. das ist das mit der ausstellung, morgen öffnen wir die türen … 🙂 eben habe wird fertig eingerichtet. nun mach ich noch so was wie eine werkliste für die besuchenden.
      ich freue mich sehr. danke für deine lieben wünsche!

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