anders

Ich kann auch anders. Und ich sollte wohl auch mal. Ja wirklich, manchmal würde ich echt gerne anders. Obwohl, man hat ja ein Image. Und das riecht freundlich und schmeckt ehrlich. Und es hat zu Recht eine Note von Sehnsucht und Aufrichtigkeit drin, denn dieses Paar geht schon lebenslang an meiner Seite. Ohne es wäre ich nackter als nackt, nackter als ich schon immer war. Mit weniger Haut dran als die meisten andern. Weniger Schutzhaut.

Vielleicht darum kann ich die Sache mit der Ironie nicht so gut. Vielleicht darum kann ich über Witze nicht lachen, die andere lustig finden und vielleicht darum kann ich über Witze lachen, die andere nicht verstehen. Geschweige denn lustig finden. Vielleicht darum bin ich nicht kuhl. Und vielleicht darum kann ich vieles, was du kannst, nicht, und kann darum Dinge, die du nicht kannst, verstehen.

Verstehen kann ich theoretisch verdammt viel, auch wenn ich über vieles kotzen könnte, was ich zu verstehen ahne. Menschliche Abgründe ohne Weichzeichner … Lassen wir das. Wegschauen. Ja, leider, auch das kann ich. Du auch. Manchmal eben darum. Siehe oben. Weil die Schutzhaut, und so.

Was ich sagen wollte: anders könnte ich auch. Ob ich will, weiß ich nicht. Weil ich nicht weiß, wozu es gut sein sollte, wenn auch ich noch anders. Tun es ja schon genug andere. Und dennoch will auch ich immer wieder mal anders. So anders wie die andern, wie die andern zynischen, wie die andern bittergeworden-ironischen. Gründe haben wir alle genug. Genug zum Anderskönnen, zum Lästern, zum Trauern, zum Sarkasmus. Nur … wozu?

Fragezeichen gibt es schon genug. Zu viele, wenn du mich fragst. Als Gott das Fragezeichen geschißen hatte, wusste sie-er-es weiß Gott noch nicht, was er-es-sie da losgetreten hatte. Und weil sie-es-er nicht wusste, was damit anzustellen sei, fing das Gott an, Fragen zu stellen. Und weil da niemand war, der sie beantworten konnte, erfand es Bäume, Steine, Tiere, Elemente und Menschen. Die Antworten die ihm die Menschen gaben, fand es am lustigsten. Jedes dieser komischen Zweibein-Wesen hatte eine andere, ganz besonders, wenn es sie fragte, wohin sie überhaupt so eifrig unterwegs waren. Und weil alle andere Ziele als alle andern hatten und es überall immer mehr Menschen von überall auf der Welt gab, fingen sie schon bald damit an, besser sein zu wollen als alle andern. Neid und Zank nahmen zu. So haben sie kurzum den Krieg erfunden, diese Wesen, Waffenexporte und so Dinge, um dem ganzen Machthunger einen halbwegs legalen Rahmen zu geben. Bis zum Wort Kriegsrecht mit seiner ganzen Vielschichtigkeit war es nicht mehr weit.

Da bereute das Gott, dass es keinen Punkt geschißen hatte.

Und jetzt gehe ich auch mal aufs Klo. Ich kann auch anders.

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19 Kommentare zu „anders“

  1. ich find den Text jedenfalls irgendwie kuhl – „irgendwie“ wahrscheinlich, weil ich mich frage, wer das „du“ ist und wer „die anderen“ – das wäre dann schon wieder ein Fragezeichen mehr – drauf geschißen ebenso wie auf die automatische Rechtschreibkorrektur

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    1. danke schön! ich bin ich, du alle die das lesen und die andern sind alle. alle inkl. ich oder exkl. ich. je nachdem. 🙂
      danke! das ß ist ja nicht meine muttersprache, darum gibts hin und wieder fehler. aber hier fand ich es einfach schöner als mit ss.
      scheißdrauf, du sagst es. 😉

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  2. Das ist ein so typischer Text für dich: das ewige Suchen, wundervoll in Worte gefasst. Ein schöner Beitrag, auch das falsch eingesetzte ß passt perfekt! ;-D Ich hoffe, du hast wenigstens auf der Toilette einen Punkt setzen können, und nicht zuviel Papier reingeworfen. (Bin Griechenland-geschädigt.) 😉

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    1. danke für deine ehrliche rückmeldung.
      ich mag es halt, zwischendurch mal etwas rumzuspinnen. dass das nicht jederfraus geschmack sein muss, darf ja.

      so geht es mir überall auf allen blogs von zeit zu zeit. kein problem.

      den gerechten zorn habe ich wohl schon. oder den ungerechten. wie auch immer …? manchmal mehr als mir lieb ist.

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