Die Sache mit der Inszenierung

Heute vor einer Woche war es. Die Vorratskiste, die ich mit den von mir angefertigten künstlerischen Objekten rund um das Thema was nährt bestücken wollte, stand leer und schön auf dem Teppich, den ich eigens vom Dachboden geholt hatte. Die Objekte und die Schubladen, die ich ebenfalls als Teil der Installation vorgesehen hatte, standen und lagen auf der Bühne und wussten nicht so recht, was sie mit sich anfangen sollten. Ich auch nicht.

Etwas zu inszenieren, in Szene zu setzen, war mir zum einen fremd und zum andern hatten diese Wörter etwas verwerfliches an sich, sie rochen falsch, schmeckten nach Vorspiegelung falscher Tatsachen und wollten überhaupt nicht zu meiner Idee, eines authentischen Kunstwerkes passen, zu einer Darstellung meiner Ideen. Darstellung? Uff, gleich noch so ein heikles Wort. Worauf habe ich mich da bloß eingelassen, seufze ich.

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ausgelegt

Ein Moment der Verzweiflung, gefolgt irgendwann vom Gedanken: Ich fange einfach mal an.

Tue ich, in dem ich die Objekte nach Verwandtschaften ordnete. Hier die Objekte zum Thema Lebensfreude, Phantasie, Farben, Sinnlichkeit, Musik … Dort die Objekte, die meine Idee von Stille, Leere, Loslassen, Sterben und noch mehr Stille wiedergeben. Daneben die Objekte, die sich mit Liebe, Freundschaft, Erotik und so weiter beschäftigen. Ach, und die Bilder – wohin mit ihnen? Aufhängen – und wenn ja wo? Anlehnen? Wie unbedarft ich doch bin. Muss ich bedarft sein und wenn ja, wie sehr? Ist es nicht genau das, was ich will: nichts in Szene setzen? So grüble ich vor mich hin – teils zufrieden, teil unzufrieden mit dem Ergebnis. Ich will ja nicht einfach dekorieren, ich will etwas erzählen.

QQlka schlägt mir – auf meine Frage hin – vor, die drei Schubladen in immer gleichem Abstand an die Wand zu hängen um den Schubladenstock-Effekt hinzubekommen. Gute Idee! Irgendlink nagelt mir die Schrauben in die Wand. Schrauben nageln? Jepp. Geht. Mit Dübeln sogar.

Langsam wird das Ganze konkret. Aber so richtig richtig fühlt es sich nicht an. Noch nicht. Es ist, wie auf einem schmalen Absatz balancieren und nicht runterfallen. Bloß, dass ich runterfalle. Ständig. Das Gleichgewicht will sich einfach nicht einstellen.

Ich rufe schließlich die beiden Kunstbübchen herbei und will ihre Meinung hören.
Zu unruhig, sagt Ex-Galerist QQkla. Irgendlink nickt nachdenklich.
Genau, ich weiß. Nur, was kann ich tun?, sage ich.
Die Bilder da müssen woanders hängen. An einer Stellwand zum Beispiel.
Oh, Ich habe noch eine, eine schmale!, sagt Irgendlink und holt das Teil.
Gut!, sagt QQlka, und der große Hocker da ist zu groß, da muss ein kleinerer hin. Wie wäre es mit dem roten?
Wir probieren es aus.
Wow, das wird ja immer besser!,
lache ich.
Inszenierung, sagt der Galerist, Inszenierung ist das Zauberwort.
Ich schlucke leer.

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Übersicht, ohne Stellwand

Später verstehe ich: wir alle sind Inszenierende. Auch dieser Text ist eine Inszenierung. Eine In-Szene-Setzung meiner Gedanken. Auch die Kleiderwahl ist eine Inszenierung, selbst wenn es ganz banal Shirt und Jeans sind, die ich trage.

Wo immer ein spiegelndes Gegenüber in unserm Leben vorkommt, werden wir Inszenierende. Und womöglich selbst ohne den Spiegel …?

Reizwörter verlieren ihren Schrecken, wenn ich sie öffne. Wenn ich mich ihnen öffne.

+++

… und mich öffnen werde ich auch am nächsten Freitagabend! Einer etwas andern Inszenierung. An einem etwas andern Ort. Am 3. 10. 2014, um 19 Uhr im Schulterblatt 73 in Hamburg lesen die BloggerInnen Andreas Glumm, Candy Bukowski und Sabine Wirsching aus ihren Texten.

Vintage inscription made by old typewriter
Draufklick macht groß!

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7 Kommentare zu „Die Sache mit der Inszenierung“

  1. sophia ohne spiegel auf der anderen seite geht es nicht. der mensch braucht wohl immer auch die reflexion des spiegels….und dann ist es immer *ein in szene setzen* da hast du völlig recht. das klingt bei dir so einfach. mir erschließt sich dieser gedanke erst jetzt.
    lieben gruß

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  2. dann hast du mir also arbeit abgenommen. mir hat es sich durch deinen text sofort erschlossen. (glühbirne an (auch wenn man glühbirne nicht mehr sagt oder schreibt)) ich gehe dann mal bohnen einfrieren. habe ja nun zeit gewonnen 🙂
    schönen abend wünsche ich dir.

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  3. Sich selbst zu inszenieren ist das Natürlichste der Welt, man kann ja gar nicht anders. Das Wort klingt nur in unserem Sprachgebrauch komisch, weil es auch das Darstellen von etwas Künstlichem, manchmal sogar Verlogenen meinen kann. Dabei ist es immer nur ein Zeigen. Aber eine Idee so umzusetzen, dass man sie Anschauen kann, stell ich mir wiederum nicht so einfach vor!

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    1. ich stelle fest, dass ich schon so eine reihe von im grunde neutraler oder ungefährlicher wörter für mich auf eine art feindwortliste geschrieben habe. warum auch immer. und nun werden sie allmählich befreit … das ist doch eine gute sache eigentlich! 🙂

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