Wir sind ja noch jung

Freitag Vormittag, nach elf Uhr. Wir haben uns endlich zum Frühstück vor unserm Zelt niedergelassen. Auf zwei Hockern sitzend, am Boden die Futterkiste, auf der Alu-Überlebensdecke neben uns liegen Brot, Käse, Butter und zwischen uns steht der Spirituskocher. So fühlt sich Urlaub an. Ich liebe dieses andere Leben und obwohl ich gerne wild campiere, haben Campingplätze gewisse Vorteile. Nette Nachbarn zum Beispiel. Eine der Wohnmobil-Nachbarinnen geht an uns vorbei, grüßt freundlich lachend und meint, als sie noch jung gewesen seien, hätten sie auch immer gezeltet.

Wir sind halt noch jung, sage ich. Wie alt schätzen Sie uns denn?, schiebe ich nassforsch nach.
Hm, gute Frage, sagt sie, Mitte/Ende Dreißig? Schwer zu sagen …
Irgendlink und ich grinsen uns an. Schon wieder, wie so oft, werden wir zehn Jahre jünger geschätzt, und das trotz der immer weißer werdenden Haare. Es stellt sich heraus, dass sie sogar noch ein-zwei Jahre jünger ist als wir.

Wir sind halt noch jung? Gestern Morgen hab ich mich – nach viel zu wenigen Stunden Schlaf – älter denn je gefühlt. Hoffentlich werde ich nicht krank, dachte ich. Doch als wir, kurz vor Mittag, Richtung Norden aufgebrachen, ging es mir bereits besser.

Vor Frankfurt der erste Stau. Den zweiten – vor Kassel – lassen wir aus, rasten in einem Dorf namens Romrod, fahren danach ein Stück über Land und informieren den Campingplatz Land in Drage über unsere späte Ankunft. Der letzte Stau, um Hannover, kostet uns eine weitere halbe Stunde Lebenszeit. Um die zweieinhalb bis drei Stunden später als gedacht teilt uns das geschenkt bekommene Tomtom, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Halb elf. Zum Glück ist die Raumpflegerin noch da und beschreibt uns den Weg zur Zeltwiese. Wir leihen uns von noch wachen Campern eine „Schranken-öffnen“-Karte und um halb zwölf gibts, neben dem aufgebauten und schlafbereiten Zelt schließlich Feierabendbier.

Wie ruhig es hier ist! Erst um halb neun heute Morgen fängt leises Gewusel an. Der Platz ist schöner als wir nachts dachten. Direkt an der Elbe. Ständig kommen neue Wohnwagen und -mobile und jenseits des Deichs, bei der Rezeption, ist Flohmarkt.
Einer wunderhübschen Hermes Baby kann ich nicht widerstehen, Irgendlink sucht nach Porsches, die ein Kunstfreund sammelt. Gibts keine, dafür einen alten Chevy und einen Mercedes. Ach, und dieser leinene Seesack ist doch toll! Frisch gedusch und glücklich über die Käufe gehen wir zum Zelt. Spätstücken endlich.
Wir sind ja noch jung … 🙂

IMG_3084-1.JPGIrgendlink sucht Porsches …

Und nun fahren wir gleich per Park & Ride ins nahe Hamburg. Auf die Lesung (siehe gestrigen Artikel) freuen wir uns schon riesig!

(Per iPhone gebloggt)

Mehr zu unserer Reise auch bei Irgendlink drüben.

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