Abenteuerliches HaHa

Nach dem tollen gestrigen Itzehoer Nachmittag und anschließendem Grillabend in Freund S.s Garten war heute ausschlafen angesagt. Doch viele Campingplatznachbarn brachen ihre Vorzelte schon früh ab, weil ihnen eine lange Heimreise nach dem langen Wochenende bevorstand. So krochen auch wir schon um neun-halb zehn aus unsern warmen Schlafsäcken.

Gemütlicher Morgen mit Gesprächen da und dort auf dem Zeltplatz. Dazu eine Sonne, die immer wärmer scheint. Was für ein goldener Herbsttag, Herz, was willst du mehr?

Wie wärs mit Hamburg? Okay, lets go. Wieder fahren wir mit dem Auto nur bis Hamburg-Nettelnburg, um lästiges Stadtgewusel zu vermeiden, parken dort und riden per S-Bahn in die City.

Eine Hafenrundfahrt schwebt uns vor, denn unser netter Campingwart hat gesagt, dass es eine Hafen-Tour gebe, die in der Tageskarte enthalten sei. Landungsbrücke ist unser Ziel, das wir mit S- und U-Bahn problemlos erreichen. Doch soo viele Menschen auf einen Haufen haben wir nicht erwartet. HORROR!

Je weiter wir dem Hafenweg folgen – und uns damit dem alten Elbtunnel nähern -, desto besser gefällt uns der Hafen. Es wird originaler, hat immer weniger Menschen und auf einmal stehen wir vor dem alten Elbtunnel. Irgendlink steckt mich mit seiner Neugier und Begeisterung an. Bald steigen wir die Stufen abwärts und sind tief unter der Erde, tiefer als die Elbe. Faszinierendes, über hundert Jahre altes Bauwerk! Ein mit Fliesen ausgekleideter, gefühlt achthundert Meter langer Schacht mit Gehwegen rechts und links, in der Mitte eine knapp zwei Meter breite Straße für Radlerinnen und Skater. Und Autos – diese allerdings nur wochentags.

Drüben angelangt steigen wir mit dem alten Fahrzeuglift, der locker eine Pferdekutsche fassen könnte, wieder auf in die obere Welt.
Wo bin ich denn hier gelandet?, sagt eine Frau, die mit ihrem Partner im Lift mitfgefahren ist.
Wie wäre es mit München?, schlägt Irgendlink vor, Oktoberfest?
Nach Oktoberfest siehts hier allerdings nicht aus. Eher nach Hafen, Industrie und so. Das Venedig Deutschlands hat seinen Namen verdient. Wir sind, sagen die Karten, von Wasser umgeben, auf Elbeinseln gelandet. Faszinierende Industriewüste, die unsere Fotolust weckt. Und irgendwann kommt ein Stadtbus. Wir steigen ein, fragen, wohin er fährt.

Zum Hafenmuseum. Gut, so soll es sein – das Gutmeinende Schicksal hat entschieden. Statt Hafenrundfahrt haben wir die Elbe unterwandert, statt Kunstsustellung in den Deichtorhallen werden wir alte Schiffe im Hafenmuseum bestaunen.

Was für ein Spaß! Bereits beim Eintritt die erste Überraschung. Weil wir nach vier Uhr kommen, ist der Eintritt gratis. Und auch, weil in der Museumshalle ein Erntedankgottesdienst abgehalten wird. Wir schleichen uns hinein und bestaunen die Exponate aus alten Schifffahrtszeiten – Modelle, Pläne, Anker, Schiffsschrauben, Vorratsdosen – während der Pfarrer von Liebe und Dankbarkeit erzählt. Köstlich!

Wieder draußen begehen wir die drei als Museen in Stand gesetzten Schiffe. So also haben die Matrosen früher gehaust! So sah ein Waschraum aus! Beim größten Schiff hat eine findige Adventure-Gruppe eine Bungee Jumping-Anlage eingerichtet. Ein etwa zwanzig Meter hoher Kran dient als Absprungplattform.

Zwei neue Helden habe ich heute entdeckt: Der eine heißt Beni. Er ist der erste und einzige heute, der den Mut hatte, nicht zu springen. Er zieht das Gummiseil-Sicherungskleid wieder aus und geht, trotz der Anfeuerungsrufe seiner Kumpel, wieder treppab.
Meine zweite Heldin des Tages ist Erna, ein pummeliges Mädchen. Sie springt todesmutig und wild schreiend in die Tiefe.
Ich hasse dich!, jubelt sie ihrer Mutter zu, die neben uns steht und stolz den Sprung verfolgt.
Ich dich auch!, antwortet diese strahlend. Ein Geschenk, verrät sie uns, Erna hat es sich so sehr gewünscht!
Als Ernas Jump sich dem Ende zuneigt, greift sie – wie alle vor und nach ihr – nach der Stange, die ihr das Bodenpersonal entgegenhält. So kann sie auf weiche Matten gezogen und von den Gummiseilen und Sicherungen befreit werden. Glückselig liegt sie da, ein Lächeln auf den Lippen. Mutige Heldin!

An der Bushaltestelle warten wir auf den Busfahrer, der uns hergefahren hat. Kommt er oder doch nicht? Die Fußnoten auf dem Fahrplan sind verwirrend. Er kommt! Und weil es seine letzte heutige Tour ist, bringt er uns – außerhalb der Tour und ohne Bitten unsererseits – zurück ans andere Ufer. HafenCity und so. Was für ein Kundendienst!

Nach einem kleinen Artwalk, wir schießen Bild um Bild, zieht es uns nach Hause auf den Zeltplatz.

Abenteuerliche Heimreise in einer übervollen S-Bahn. Linie 21 wird nämlich temporär bestreikt. Nur noch jeder zweite Zug fährt. Glück für uns, dass sie nicht ganz streiken. Hoffentlich werden ihre Forderungen erfüllt. Es wäre ihnen zu gönnen.

Daheim auf dem Zeltplatz ist es schön ruhig. Ein Großteil der Campenden ist abgereist. Gemütlich kochen wir Abendessen, schlemmen, sein – ich bin wohlig satt. Seele, Geist und Bauch sind heute gut genährt worden.

Hamburg ist ein riesengroßes Dorf, sagte ich, heute, unterwegs. Ein großes Dorf aus vielen kleinen Dörfern. Ein Dorf, das ich sehr mag …

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Irgendlink berichtet hier über gestern

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