Das Geheimnis neuer Wege

Endlich an den Anfang gehen. Will heißen: ans Ende. Dahin, wo die Reuss zu sein aufhört. Wo sie in die Aare mündet, wo sie Aare wird. Denn wir haben geschummelt, damals, vor ein paar Monaten. Ende Juni haben wir bei unserer Reusswanderung nämlich nicht genau dort angefangen, wo sie wirklich aufhört, die Reuss, sondern ein paar Kilometer südlicher. Es passte eben besser damals. Und es wäre ein Umweg gewesen.

Heute nun, endlich, sind wir gemeinsam zum Wasserschloss gewandert. Das Schloss? Der Zusammenschluss, der Zusammenfluss der drei größten Schweizer Flüsse. Den Rhein, der größte von allen, zu dem die drei hier später werden, nicht mitgezählt, denn er besucht ja nach der Schweiz noch andere Länder.

Item. Die Reuss. Wir nehmen einen Weg, den Irgendlink noch nicht kennt. Wir zeichnen unterwegs, machen Fotos. Bleiben da und dort stehen. Staunen. Lassen uns besonnen. Neun Vögel genießen den blauen Himmel, fliegen Kreise. Immer ein anderer führt an. Kreise fliegen sie, Bögen.
Ästheten seid ihr, denke ich. Ihr mögt das Schöne so sehr wie ich. Wie fühlst du dich, Vogel, da oben? Ja, du; dich meine ich.

Wir verlassen die Zivilisation und tauchen in den Wald ein, in eine andere Welt, eine Wildnis, eine Zwischenwelt, einen Dschungel und mir ist zumute wie vor drei Monaten. Nur der schwere Rucksack am Rücken fehlt.

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auf neuen Wegen

Beim Wasserschloss angelangt, stellen wir fest, dass der Wasserstand der drei Flüsse so tief ist wie selten und dass wir direkt am Fluss, diesmal ist es die Aare, zurückwandern können. Weiter stapfen wir durch den Wald und gehen matschige Wege, die unsere Wanderschuhe ganz schön versauen. Weiter durch den Dschungel. Herrlich.

Hier könnte man das Zelt aufbauen, sagt Irgendlink. Stimmt. Oder schau, hier drüben! Tolle Plätze.

Familiengartensiedlung, an der wir das erste Mal auf der Fluss- statt auf der Straßenseite vorbeiwandern.

Schließlich und endlich wollen wir, es wird dunkel und kühl, wieder nach Hause. Aber nicht auf dem bekannten Weg, nicht heute. Heute sind es neue Wege, die locken. Neue Wege haben einen ganz eigenen Charme.

Ich liebe neue Wege, die mir neue, ungeahnte Möglichkeiten auftun. Wenn ich denn den Mut habe, nicht immer auf den bekannten Straßen zu gehen. Wir finden unerwartet einen Waldweg, der mit Stufen in den Berg gelegt ist und gelangen so vom Unter- ins Oberdorf.

Wer hätte das gedacht?

Nein, da war ich noch nie, obwohl es doch so nahe ist.

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12 Kommentare zu „Das Geheimnis neuer Wege“

  1. Die Filmindustrie gibt enorm viel Geld aus, um ein paar Effekte zu erzeugen, die die Zuschauer überraschen. Dabei muss man nur einen unbekannten Weg gehen und hat Dasselbe. Eine schöne Schilderung. 🙂

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    1. hach, liebe anhora, das ist nun wirklich ein genialer gedanke, den ich so noch nie dachte. stimmt haargenau. in der nächsten umgebung neues entdecken macht spaß, öffnet das herz und ist erst noch kostenlos!

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  2. die fotos! irgendlink mit dem ohr am puls der wand?
    eure reise vom anfang bis ende … voll emotion und erkenntnis und zentrierung und liebe und spaß! was soll ich sagen? mir geht das herz auf. und nebenbei lerne ich soviel über eine gegend, die ich nie sah.
    noch einen herzlichen gruß und ein danke!

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    1. stimmt, nun hast du zur reise noch das ende. das wars ja auch, denn seither waren wir noch nie zusammen am wasserschloss.
      der weg führt an einem kleinen reussbad/freizeitanlage mit einem vollgesprayten umkleidehäuschen und einem kinderschwimmbecken (das blaue) vorbei. puls der wand hören macht spass und bringt oft neue erkenntnisse! 🙂
      danke für deine (ebenfalls mein herz öffnenden) zeilen!

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    2. in meinem büro sind die türzargen aus wunderbar kühlem metall. manchmal stehe ich genau so wie er im türrahmen, den kopf am metall. „schön kühl“ … die kollegen lachen über mich. 🙂
      das hatte ich grade vor augen! 🙂

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  3. Ja, neue Wege eröffnen ungeahnte Möglichkeiten.
    Auch alte Wege könnten das, doch kennt man diese. Deshalb sieht man dort meistens nur das was man bereits kennt. Man sucht förmlich das Bekannte und hat keine Augen mehr für das Neue, das auch immer da ist. (Was man kennt, betrahtet man nicht mehr neugierig, weil man es ja bereits kennt, zu kennen scheint.)
    Neue Wege sind da einfacher, nichts Bekanntes verschliesst einem die Augen.
    Beat

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