Ausgelesen II. #13 – Die Frau ohne Gesicht

Nein, nicht wirklich in einem Zug gelesen, weder noch. Weder im Zug sitzend noch in einem Rutsch. Seit ich nicht mehr regelmäßig Zug fahre, lese ich weniger Bücher und arbeite mehr. Mehr an den eigenen Projekten auf jeden Fall. Aber meine Buchbesprechungsserie soll trotzdem weitergehen. Wenn auch sporadischer, wie ihr wohl gemerkt habt … 🙂 Und eine richtige Buchbesprechung ist das hier auch nicht. Dafür eine herzliche Leseempfehlung.

Als sich die Aufzugtür öffnete, wurde ihr noch etwas anderes bewusst. Sie hatte keine Angst. Nach dem die Gefahr vorbei war, verspürte sie ein merkwürdig angenehmes Gefühl.
So dürfte ich nicht empfinden. Ich war in Lebensgefahr. Aber ich fühle mich stark und in jeder Hinsicht verdammt gut.
[…]
„Ich verstehe jetzt, warum du diese Arbeit machst“, sagte Lia. „Sie gibt einem das Gefühl, stark zu sein.“
Mari nickte.
„Nicht immer. Aber ziemlich oft.“

hiltunen_frauDiese Zeilen aus dem Buch Die Frau ohne Gesicht des Finnen Pekka Hiltunen klingen bei mir nach. Eine tolle Buchbesprechung dazu gibt’s bei Nicole auf My CrimeTime. Dort habe ich mir auch die Inspiration, dieses Buch zu lesen, geholt.

Ich mochte dieses Buch von der ersten bis zur letzten Seite – wegen des Schreibstils (dicht, authentisch, detailreich und äußerst realistisch) ebenso wie wegen der Figuren (nachvollziehbar, mehrdimensional, lebendig). Das tröstete mich über die tragischen Ereignisse hinweg, die der Autor erzählt. Doch was mir an dieser neuen Serie besonders gut gefällt, ist, wie die beiden finnischen Frauen Lia und Mari, die sich in London kennenlernen, gemeinsam Dinge in Bewegung setzen, um die Welt zu einer besseren zu machen – zuweilen auch jenseits des Gesetzes. Und das so ganz ohne Moralin, Pathos und gänzlich ungekünstelt. Einfach, weil sie ein Unrecht nicht länger mitanschauen können. Und weil sie Mitgefühl haben. Weil sie Menschen sind.

Ich verstehe jetzt, warum du diese Arbeit machst, sagt Lia. Ich verstehe jetzt, warum ich schreiben muss, sage ich. Und ich verstehe jetzt, warum so viele schreiben müssen und wollen. Es gibt uns das Gefühl, stark zu sein und die Welt ein klein bisschen besser machen zu können. Mit unseren Gedanken über das Leben, über die Welt, über die Liebe, über Missstände. Und ja, auch mit unseren Gedanken über die Schönheit. Und auch mit Humor machen wir die Welt ein klein bisschen besser.

Wir schreiben uns die Welt lebenswerter. Wenn ich durch den Reader gescrollt bin und meine Lieblingsblogs besucht habe, fühle ich mich gut genährt. Nach diesem Seelenfrühstück sieht die Welt doch gleich lebenswerter aus.

Und nun freue ich mich auf die Fortsetzung von Pekka Hiltunen. Auf Lias und Maris neue Geniestreiche.

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10 Kommentare zu „Ausgelesen II. #13 – Die Frau ohne Gesicht“

  1. 🙂 krimi-leseempfehlung ist genau das richtige für mich!
    der winter wird lang. ich weiß nur noch nicht, ob auf dem reader oder papier.
    und du schreibst auch mir die welt schöner … du gibst viel ab von deiner stärke!
    ich verstehe jetzt, warum du schreibst, denke ich. 🙂

  2. oh, danke, liebe kerstin. ich auch ein bisschen besser (verstehen, warum ich schreibe).

    ich habe das buch als ebook, ist aber wohl geschützt? so von wegen ausleihen. als buch hätte ich es dir gerne ausgeliehen …

  3. Ich bin ja echt froh, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. 🙂 Ich bin mal auf den zweiten Teil gespannt. Der soll nicht mher ganz so gut sein. Was zu beweisen wäre. Oder auch nicht. Jedenfalls liegt die Fortsetzung auch schon bei mir rum … 🙂

  4. ich warte noch ein wenig, obwohl es mir in den fingern zuckt. aber ich habe einen sooo großen stapel ungelesener bücher, dass ich mal warten sollte. vielleicht … 😉

  5. das ist klasse! 🙂 das teilen wollen. ich habe hier einen bücherfresser. mit ihm teile ich alle bücher. da gebe ich ungern schon geborgte hin.
    aber danke trotzdem.

  6. nein 🙂 dazu fehlt mir oft die zeit, im Sommer die lust.
    mein alter herr übersteht die winter nur mit einem großen büchervorrat. weil er dann nicht am wasser sitzend den fischen und anderem getier zusehen kann.
    aber ein großer Teil von ihm ist auch in mir 😉 jaja

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