In Itzehoe

Seit einer Stunde bin ich die 29. Bürgerin des künstlerischen Kollektivkunststaates Secessionistan. Eine vierköpfige Itzehoer KünstlInnengruppe hat heute die Republik Secessionistan ausgerufen -mit einer Verfassung, die mir sehr gut gefällt!

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Warum wir hier gelandet sind, ist schnell erzählt. In der Planungsphase unserer ungefähr zehntägigen Norddeutschlandtour wollten wir so viele Bekannte und FreundInnen wie möglich treffen. Weil die beiden Itzehoer Freunde R. und S. heute nicht abkömmlich waren (um ebendieser Republiksgründung beizuwohnen), luden sie uns kurzerhand ein, diesem historischen Moment leibhaftig beizuwohnen.

Kultur gestern in Hamburg, Kultur heute in Itzehoe.

Die Lesung in Hamburg? Köstlich war sie! Der Veranstaltungsraum des Kulturhauses Schulterblatt 73 war voll. Hundert Menschen (schätze ich vorsichtig) lauschten begeistert Glumms, Rocknroulettes und Candy Bukowskis Texten. Dazwischen Pausen, um sich mit andern Bloggenden kurzzuschließen und eine tolle Songeinlage. On the Road again. Danach weitere Gespräche …
Spätnachts zurück im Zelt. Herrlich ruhiger Zeltplatz.

Und nun bin ich, wie gesagt, Republikanerin! Und eben singen sie wieder, meine MitbürgerInnen. Eine Hymne mit einem Text, den ich – wie die Verfassung – gerne mitunterschreibe.

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Wir sind ja noch jung

Freitag Vormittag, nach elf Uhr. Wir haben uns endlich zum Frühstück vor unserm Zelt niedergelassen. Auf zwei Hockern sitzend, am Boden die Futterkiste, auf der Alu-Überlebensdecke neben uns liegen Brot, Käse, Butter und zwischen uns steht der Spirituskocher. So fühlt sich Urlaub an. Ich liebe dieses andere Leben und obwohl ich gerne wild campiere, haben Campingplätze gewisse Vorteile. Nette Nachbarn zum Beispiel. Eine der Wohnmobil-Nachbarinnen geht an uns vorbei, grüßt freundlich lachend und meint, als sie noch jung gewesen seien, hätten sie auch immer gezeltet.

Wir sind halt noch jung, sage ich. Wie alt schätzen Sie uns denn?, schiebe ich nassforsch nach.
Hm, gute Frage, sagt sie, Mitte/Ende Dreißig? Schwer zu sagen …
Irgendlink und ich grinsen uns an. Schon wieder, wie so oft, werden wir zehn Jahre jünger geschätzt, und das trotz der immer weißer werdenden Haare. Es stellt sich heraus, dass sie sogar noch ein-zwei Jahre jünger ist als wir.

Wir sind halt noch jung? Gestern Morgen hab ich mich – nach viel zu wenigen Stunden Schlaf – älter denn je gefühlt. Hoffentlich werde ich nicht krank, dachte ich. Doch als wir, kurz vor Mittag, Richtung Norden aufgebrachen, ging es mir bereits besser.

Vor Frankfurt der erste Stau. Den zweiten – vor Kassel – lassen wir aus, rasten in einem Dorf namens Romrod, fahren danach ein Stück über Land und informieren den Campingplatz Land in Drage über unsere späte Ankunft. Der letzte Stau, um Hannover, kostet uns eine weitere halbe Stunde Lebenszeit. Um die zweieinhalb bis drei Stunden später als gedacht teilt uns das geschenkt bekommene Tomtom, dass wir unser Ziel erreicht haben.

Halb elf. Zum Glück ist die Raumpflegerin noch da und beschreibt uns den Weg zur Zeltwiese. Wir leihen uns von noch wachen Campern eine „Schranken-öffnen“-Karte und um halb zwölf gibts, neben dem aufgebauten und schlafbereiten Zelt schließlich Feierabendbier.

Wie ruhig es hier ist! Erst um halb neun heute Morgen fängt leises Gewusel an. Der Platz ist schöner als wir nachts dachten. Direkt an der Elbe. Ständig kommen neue Wohnwagen und -mobile und jenseits des Deichs, bei der Rezeption, ist Flohmarkt.
Einer wunderhübschen Hermes Baby kann ich nicht widerstehen, Irgendlink sucht nach Porsches, die ein Kunstfreund sammelt. Gibts keine, dafür einen alten Chevy und einen Mercedes. Ach, und dieser leinene Seesack ist doch toll! Frisch gedusch und glücklich über die Käufe gehen wir zum Zelt. Spätstücken endlich.
Wir sind ja noch jung … 🙂

IMG_3084-1.JPGIrgendlink sucht Porsches …

Und nun fahren wir gleich per Park & Ride ins nahe Hamburg. Auf die Lesung (siehe gestrigen Artikel) freuen wir uns schon riesig!

(Per iPhone gebloggt)

Mehr zu unserer Reise auch bei Irgendlink drüben.

Wörterstiche

Die Wörter flattern in meinem Bauch herum und furzen sich frei. Man riecht’s. Aber nur, wenn ich die Decke lüpfe. Sie wecken mich um halb acht, obwohl ich bis eins gelesen habe (im schwedischen Thriller Letzter Gruss von Marklund/Patterson***). Es gähnt mich und der Schlaf wacht hinter den Lidern, um mich nochmals rumzukriegen. Er weiß es nicht und ich weiß es nicht, ob ich jetzt aufstehen oder mich noch einmal drehen soll. Ich bin noch so müde. Andererseits gibt es heute viel zu tun, so dass es gut wäre, jetzt aufzustehen. Weil ich sonst nicht um sechs Uhr abends reisefertig sein werde.

Nervös? Ja, das bin ich ein wenig. Wie immer, wenn ich eine Reise ins Unbekannte mache. Und meistens auch vor Reisen ins Bekannte. Heute Abend fahre ich ja erstmal zum Liebsten aufs Einsame Gehöft. Morgen geht’s dann zu zweit weiter nach Hamburg, bevor es dann am Montag weiter nach Berlin geht. Ick freu‘ mir.

Und ja, ich bin nervös, angespannt, ein bisschen aufgekratzt. Man kann ja nie wissen. Bin auf Vorrat nervös sozusagen. Und auch ein wenig fremdnervös – ganz klar – stellvertretend für die Lesenden. Drei Bloggende lesen nämlich am Fraitagabend in Hamburg aus ihren Texten. Andreas Glumm, dessen Blogs ich schon lange lese, Sabine Wirsching, die ich inzwischen auch ab und zu auf ihren Blog besuche und und Candy Bukowski. Candys Texte hauen mich immer mal wieder fast um, so authentisch sind sie. Geschichte aus dem vollen Leben geschöpft – so nahe dran, so schmerzhaft nahe.

Ja, ich bin sehr gespannt auf diese drei. Glumm und Sabine kenn ich von Bildern, Candy nicht. Sie ist auch die einzige, die sich hartnäckig mit einem Synonym* vor allzu aufdringlichen Blicken schützt.

Doch was ist schon das Bild eines Menschen gegen das echte Leben, gegen den echten Menschen? Ach ja … Am Freitagabend werden noch andere Bloggende vor Ort sein, die ich bisher nur – wenn überhaupt – aus der virtuellen Welt kenne. Ich bin echt sooo gespannt. Und ja, eben nervös und angespannt..

Enttarnungen mag ich, ich mag das Echte, das, was unter und hinter Papieren und Tüchern und Vorhängen zum Vorschein kommen kann, wenn wir es zulassen. Enttarnungen sind ein bisschen wie Geburtstagsgeschenke. Wie damals, als Irgendlink und ich uns – richtig: zwecks BloggerInnenenttarnung! – in Bern kennenlernten. Vor über fünf Jahren. Enttarnt war das Pseudonym (* ja, so heißt es natürlich richtig) – dahinter zwei Menschen aus Fleisch und Blut. Doch ist ein Pseudonym, ein Nickname, nicht eher noch ein Synonym, wie ich es gerne nenne? Auch wenn ich als Sofasophia ein klein bisschen mutiger und frecher bin als in echt, ist sie dennoch ich; und ich bin sie. Und die andern Schreiberlinge? Wie ist es bei denen? Sind sie so, wie sie schreiben, ähm, will natürlich heißen, wie ich sie als Schreibende wahrnehme?

Ja, meine Anspannung bezieht sich auch auf die lange Fahrt von der Pfalz in den Norden. Sieben oder acht Stunden im Auto. Nicht dass das neu für uns wäre. Wir waren schon zusammen am Polarkreis und so. Aber eben: Es ist immer wieder herausfordernd. Dann der Zeltplatz im Süden Hamburgs – hoffentlich finden wir ihn auf Anhieb. Ach, Sofasophia, mach dir doch nicht so viele Sorgen und Gedanken. Das kommt schon gut … Das wird gut.

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Privat – oder so …

Wird es? Wird es bestimmt. Sage ich. Glaube ich. Hoffe ich.

So, und jetzt bin ich sogar endlich wach genug, um aufstehen zu können. Schreiben ist fast wie Kaffeetrinken, obwohl … da kann ich ja nicht mitreden, denn den trinke ich ja schon lange nicht mehr, weil er mich hyperig macht. Das kann ich ganz gut allein, auch ohne Kaffee.

Welcher Tag ist heute? Muss ich gleich mal zählen. Ach, schon Tag sechs. Fünf Tage ohne Nikotion sind geschafft, juhu … Ja, ich hatte einen Rückfall. Etwa zwei Wochen lang. Und das nach über fünf Jahren! Doch nun ist schon Tag sechs. Der erste Tag, an dem ich nicht mehr dieses Ziepen in der Brust, diese raue Gefühl in der Kehle habe. Der körperliche Entzug war diesmal echt hart. Aber ich wollte es so. Und ich will es so.

Heute waren es Wörter, die mich wachgeküsst haben. Wörter, die wie Mücken um mich herum geschwirrt sind. Wörterstiche können auch jucken. Und dabei kommt dann sowas raus. Blogartikel sind – sag es laut, Sofasophia!: – BLOGARTIKEL sind manchmal einfach nur Wörterstiche, nicht mehr und nicht weniger. Da hilft kein Kratzen, da hilft nur Schreiben.

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*** Oh weh, was für grottenschlechte Kritiken! Da bin ich mal gespannt. Bin erst am Anfang.