Unerwünschte Erweiterungen

Der gestrige Polizeiruf 110 ist ja echt etwas vom heftigsten, was ich je gesehen habe. Wahnsinn auch fand ich diese Verknüpfung des zu lösenden Falls mit Bukows Privatleben.

Zur Geschichte:

Katrin König und Alexander Bukow geraten mitten in ein Familiendrama. Arne Kreuz, ein bisher unbescholtener Familienvater, befindet sich nach Trennung und Jobverlust im freien Fall. Er hat seine Frau sowie seinen jüngsten Sohn getötet. Jetzt ist er flüchtig – und auch von seinen Kindern Nicole und Jonas fehlt jede Spur. Unter Hochdruck versuchen Bukow, König und ihr Team, das tragische Verbrechen zu begreifen, den Amok laufenden Mann zu finden und Nicole und Jonas zu retten. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit – und die Kommissare können nur erahnen, welches Ziel sich Arne gesetzt hat.

(Quelle: ARD mediathek, Link: siehe unten)

Nein, ich werde nun nicht das Drehbuch loben, obwohl es wirklich saugut war. Die schauspielerische Leistung ebenfalls. Und auch die Story werden ich nicht besprechen.

Nein. Ich schreibe, weil ich mich outen will. Ich will nicht euer Mitleid, bitte nicht, und nein, ich habe keine Ahnung, wie sich die Diskussion, die ich womöglich lostrete, entwickeln wird, doch es ist mir ein Bedürfnis, hier und jetzt einmal zu sagen, dass ich …

Hm. Wie schreibt man so was? Dass ich auch das Opfer (die Hinterbliebene, die Betroffene?) eines sogenannten Erweiterten Suizides war bin war. Ich hasse die Wörter Opfer und Erweiterter Suizid. Erstes impliziert eine passive Haltung, die ich – dank intensiver Arbeit an mir – allmählich ablegen durfte. Wie schreibe ich es denn nun, dass es richtig rüberkommt? Und was ist richtig? Gibt es das in solchen Fällen überhaupt? Vielleicht so: Ich hatte einen Partner, der so ähnlich wie Arne tickte. So ähnlich und doch anders. Zwar hatte ich nicht drei Kinder wie Jeanette und Arne, ich hatte „nur“ eins. Ich hatte einen wunderbaren, goldigen, lebensfrohen Sohn, der an seinem dritten Geburtstag mit seinem Vater zusammen gestorben ist.

Erweiterter Suizid – auch das: ein falscher Begriff. Er impliziert, dass die Person/en, die mit dem Menschen, der den Suizid begeht, einverstanden sind. Mag sogar sein, dass in solchen letzten Momenten so etwas wie Einverständnis besteht. Ein Kind versteht längst nicht alles, was ein sterbewilliger Elternteil sagt. Beschlossen hat. Will. Und dieser wohl auch selbst nicht. Dennoch: Einverständnis ist eins, freie Wahl etwas total anderes.

Andreas Schmidt spielt den psychisch kaputten Vater Arne mit einer so überzeugenden Ambivalenz, dass ich nicht anders kann als ein klein bisschen besser zu verstehen. Nicht gutheißen, keine Sekunde, aber verstehen. Wie ich das auch den Vater meines Sohnes konnte. Und kann. Eine kranke Art von Liebe, sage ich mal wenig differenziert und vereinfacht. Krass wird dieses Dilemma im Film vor allem am Schluss, am Strand, wo es um das Leben von Sohn Jonas geht.

Ebenfalls krass finde ich, dass Bukows Privatleben eine ähnliche Krise erfährt, die auch Arne wenige Wochen zuvor erlebt hat. Seine Frau hat sich entschieden, ohne ihn weiterzuleben. Was das mit einem Menschen macht, wie es ihn durcheinanderbringen kann, erfährt Sascha Bukow wortwörtlich am eigenen Leib. Sein Glück ist, dass er Teil eines Teams, eines funktionierenden sozialen Netzes ist und die Gabe hat, zu reflektieren.

Arne hatte das nicht mehr. Oder nie. Was dann, wenn nicht …?

Müsste man sich mehr einmischen in die Beziehungen anderer?, fragte mich nach meinem Drama eine Freundin.
Ich weiß es nicht.

Über Ursachen kann immer nur spekuliert werden. Und sie variieren von Situation zu Situation.

Wie kann man das Leben seiner Mitmenschen, die Welt, so mitgestalten, dass solche Situationen gar nicht erst entstehen müssen?
Ich weiß auch das nicht.

Am Ende sind immer mehr Fragen als Antworten. Und das gilt es zu akzeptieren. Vielleicht.

Ich habe gelernt, dass Verzeihen etwas ist, dass man im Grunde vor allem um seinetwillen tut. Um sich zu versöhnen mit seiner Geschichte. Ohne Verzeihen gibt es nur schwer „ein Leben danach“.

Etwas anderes, was ich im Kontext mit Suizid noch loswerden möchte: Suizid kann man selten oder nie als eine isolierte Handlung anschauen. Sie ist eine Folge gesellschaftlicher Prägungen und unzähliger Erlebnisse, Erfahrungen, Verletzungen. Ich spreche niemandem das Recht ab, seinen Tod selbst zu bestimmen. Aber bitte allein.

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ARD-Mediathek
www.ardmediathek.de/tv/Polizeiruf-110/Familiensache-Video-tgl-ab-20-Uhr/
www.ardmediathek.de/tv/Günther-Jauch/Familiendrama-wenn-Eltern

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40 Kommentare zu „Unerwünschte Erweiterungen“

  1. Hallo,
    wie fängt man jetzt so eine Antwort an? Ich möchte dir danken, weil du so offen und neutral ein Thema angehst, bei dem ich jede andere Reaktion von dir verstehen würde, ja fast schon erwartet hätte. Ich verfechte ja das Recht auf die freie Entscheidung über das eigene Leben und das schließt bei mir den Tod mit ein. Gleichzeitig ist das Leben einer jeden anderen Person für mich heilig. Ich weiß gar nicht, ob du mit deinen Aussagen eine Diskussion anstoßen wirst, denn nach meinem Empfinden hast du alles bereits gesagt, was es dazu zu diskutieren gäbe. Ich kann dir nur meinen höchsten Respekt aussprechen für deine Offenheit und deinen Umgang mit einer Tat, die für mich unvorstellbar ist.
    Ich sende dir liebe und nachdenkliche Grüße.

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    1. Ben, das ist doch gut so.
      Ob es eine Diskussion gibt oder nicht? Keine Ahnung. Es war und ist jetzt einfach gutf ür mich, diese Dinge beim Namen zu nennen.
      Deine Gedanken und lieben Grüße sind jedenfalls sehr gut bei mir angekommen. Danke!
      Herzliche Zurückgrüße
      Soso

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  2. du liebe!
    ich habe den polizeiruf gestern gesehen. ich bin erst spät danach zur ruhe gekommen.
    dass du heute dazu etwas schreibst, hat mein bauch mir wohl schon geflüstert.
    ich bewundere dich. sehr. sehrsehr …
    und ich gebe ben recht, wenn er sagt, dass es schwer ist, hier eine antwort zu finden.
    aber ich denke, das erwartest du so auch nicht.
    ich finde es jedenfalls gut, dass du es öffentlich machst. so können deine leser deine herzgespinnste vielleicht noch ein wenig besser verstehen 🙂 und du kannst noch weiter wachsen.
    einen herzgedanken lasse ich dir hier. ♥
    kerstin

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    1. er ist angekommen, dein herzgedanke. ich danke dir, liebe kerstin, für deine zeilen.
      mehr kann ich grad gar nicht sagen. weil mein danke ganz viel meint.
      ich konnte auch lange nicht schlafen …
      herzgrüße zur dir, liebe kerstin.

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  3. Es ist wohl nicht nachzuvollziehen was du in dir trägst und wie du dich mit dem Leben versöhnt hast!
    Ich finde es unglaublich stark und positiv von dir, darüber zu schreiben! Und deine letzte Zeilen unglaublich wahr: „den Tod selbst zu bestimmen- dies aber alleine!“
    Genauso sehe ich es – „aber bitte ALLEINE“! Suizid – ein Riesenthema. Aber dieses Mitnehmen von anderen Menschen, noch eine Stufe mehr!
    Es regt wieder zum Nachdenken an….Danke für das Mitlesen können, in deiner Welt! Auch wenn wir vieles nicht verhindern können, doch ist zumindest „das Verständnis“
    ein Schritt in eine bessere Richtung!

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    1. liebe sugar
      ich danke dir herzlich für deine stellungsnahme zu meinen gedanken, besonders zum schlusssatz. danke, dass du hier mitliest und teilnimmst an lebens- und todgedanken. ist ja hier nicht immer so bequem, was meine themen betrifft.
      danke für dein mitgefühl!

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  4. Meine liebe Soso, ich bin gerade voller Worte und doch so sprachlos. Aber eigentlich kann man dazu kaum mehr sagen, als: es tut mir so, so unendlich leid für dich. Ich habe den Polizeiruf auch gesehen und war von dieser „fiktiven“ Story schon so berührt, dass mich deine Geschichte gerade wirklich erschauern lässt. Du hast meinen größten Respekt fürs Weiteratmen und Dasein. Und dafür, dass du so wundervolle Sachen schreibst, trotz eines solch heftigen Schicksalsschlag. Fühl dich ganz fest umarmt. Ich denke an dich! ❤

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    1. Und ich sitze hier an deinem Buch und denke: Fuck, das Leben ist manchmal schon …
      Danke, liebe Sarah, dein Mitgefühl kommt an, kommt gut an, und schwabbt zurück zu dir. Und zu andern mit krassen Erfahrungen.
      Herzlichst Soso

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  5. Ich lese… aber mir fehlen die Worte…
    Erfahrungen, die niemand machen sollte, die man nie jemandem wünschen täte, die es einfach nicht geben sollte…
    Fühl Dich umarmt und bleib so stark wie Du bist!
    Herzlichst, Corinna

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  6. ja, aber bitte allein, das kann ich nur unterschreiben und das ganz besonders, wenn es um ein Kind geht, das mit drei Jahren nicht entscheiden kann. In diesem Zusammenhang von Schicksal oder Karma zu faseln wäre eben nur Gefasel, was niemanden hilft, am allerwenigsten dir, die du deinen Sohn verloren hast! Verzeihen ist eine schwierige Angelegenheit, Versöhnung nicht minder, ich ziehe immer wieder meinen Hut vor dir, liebe Soso, wie du diesen Schlag bis hierher gemeistert hast …
    ob man die Beweggründe derjenigen, die den Weg des Suizids gehen, jemals wirklich nachvollziehen kann steht in den Sternen. Das eine ist (finde ich), dass jede und jeder das Recht hat Ja oder Nein zu seinem und ihrem Leben zu sagen, das andere ist deine Frage, ob man sich mehr in das Leben anderer einmischen soll … auch das kann ich nicht einfach für alle beantworten, denn das muss das Gegenüber auch wollen und meine Erfahrung sagt, dass dies lange nicht alle wollen oder können! Danke für deine Offenheit-
    liebe Grüsse
    Ulli

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    1. Und ich danke dir für deine Zeilen. Nein, hier gibt es keine allgemein gültige Antworten, zumal die wohl niemandem wirklich gerecht werden könnten.
      Dennoch musste ich mir ja, wie du weißt, immer mal wieder vorläufige Antworten suchen, um es zu ertragen. Um eines Tages das Wort Verzeihung nicht nur zu sagen, sondern auch zu leben. Es ist ein immer wieder neues Ja-Sagen nötig, im Leben sowieso, zu meiner Geschichte im Speziellen.
      Hilfe lässt sich nicht aufdrängen, genau. Und wer sich nicht helfen lassen will, dem kann nicht geholfen werden. Zumal ja niemand wirklich ahnen kann, was ein anderer wirklich-wirklich braucht.
      Ach, du weisst es ja … ich kann dazu auch nicht mehr sagen, alles sind Momentaufnahmen. Danke für deine lieben Gedanken.
      Herzlichst, Soso

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  7. Dein Text hat es im Grunde schon auf den Punkt getroffen … und für die restlichen Fragen gibt es womöglich auch nicht immer eine Antwort.
    Ich persönlich bin froh, dass ich den Polizeiruf nicht gesehen habe, ich war nämlich schon drauf und dran und habe auch einen kurzen Ausschnitt gesehen. Aber dennoch, wäre ich wohl zu emotional geworden und hätte den Schlaf in der Nacht vergessen können.
    Trotzdem berührt mich dein Text nicht weniger, ich finde es äußerst bewundernswert wie du darüber so schreiben und dich öffnen kannst. Du wirkst besonders stark, denn mit solchen Vorkommnissen kann nicht jeder umgehen.
    Der erweiterte Suizid ist meiner Meinung nach in keinster Weise vertretbar .*thinking, thinking, thinking*.. ich kenne keine Worte dafür! Dennoch ist der eigenen Tod das gute Recht eines jeden, aber allein das schon beeinflusst die Mitmenschen doch ungemein! Auch das ist eine große Verletzung und ein großer Verlust!
    Naja, ich sende dir liebe Grüße voller Mitgefühl und Bewunderung. LG Maxi

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    1. liebe Maxi
      Dein Mitgefühl nehme ich gerne an. Eigentlich kann ich da gar nichts anderes dazu sagen, als Danke. Dass du deine Gedanken hier verdichtet hast. Es war für mich eigentlich das erste Mal, öffentlich dieses Thema zu benennen. Da und dort schrieb ich bis hierher über Friedhof und Sohn, der gestorben ist. Aber nie über die Umstände. Es hat mir gutgetan, es hier zu tun. Nein, diese Art zu sterben werde ich nie wirklich gutheißen können. Aber, wenn ich nicht verbittern will, akzeptieren müssen. Und daran arbeite ich … Danke!
      Und auf wieder- und weiterlesen hier.
      LG auch, Sofasophia

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  8. In einer Talkshow sah ich vor kurzem eine Frau, die ihren Mann und ihre zwei kleinen Kinder bei einem Autounfall verloren hatte. Die Frau – eine Schweizerin – hat alle beeindruckt, weil sie fröhlich wirkte und charismatisch. Sie erzählte, wie sie nach dem Unglück den Mut hatte, wieder Ja zu sagen zum Leben. Ihre verstorbene Familie hat nach wie vor einen Platz in ihrem Herzen, aber die Lebenden auch. Ich habe die ganze Zeit an dich gedacht, denn du hast mir deine Geschichte ja einmal erzählt. Vielleicht ist es etwas Schweizerisches, dachte ich, vielleicht seid ihr spiritueller, kontemplativer und einfach besser darin, Situationen zu meistern. Was mich bei dieser Frau beeindruckt hat ist dasselbe wie bei dir: Sich dem unsäglichen Leid nicht zu ergeben, sondern irgendwann wieder aufzustehen und das Leben anzunehmen, so, wie es eben ist. Von Menschen wie dir kann man lernen. Hut ab.
    Alles Liebe!

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    1. Ich weiß nicht, ob es an der Nation liegt … vielleicht schon? Eine kulturelle Haltung? Ich weiß nur, dass ich eine Zeit hatte, wo ich wirklich überhaupt nicht mehr leben wollte. In einem Trauerseminar mit Jorgos Canacakis haben wir in einer der vielen gemachten Übungen uns Alternativen vorgestellt, neue Formen der Trauer. Irgendwie begriff ich in jenen Tagen, dass Lars nicht wollen würde, dass ich nicht mehr lebe, dass ich nicht mehr glücklich sein kann, dass ich verbittere. Man könnte sagen, dass seine große Lebenszugewandtheit, seine kindlich-weise Lebenssicht mich am Leben gehalten hat.
      Dazu kommt, dass in der Schweiz „Opfer von Gewaltverbrechen“ (wie eben z.B. ich) von Gesetzes wegen gut unterstützt werden (Soziale Unterstützung, materielle Unterstützung, Therapiegutsprache).
      Wie auch immer, alles miteinander – und auch meine wunderwunderbaren Freundinnen und Freunde sind schuld daran, dass ich heute wieder lachen kann. Und wieder lieben und mich am leben freuen. Und dem Leben sogar wieder vertrauen.
      Und das schreiben hilft ebenfalls. Dieser Notruf hat mir das alles bewusst gemacht.
      Ich danke dir, liebe Anhora, für deine Zeilen herzlich.

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  9. Ich habe deinen Text, mit deinem unfassbar traurigen Erlebnis, immer wieder lesen müssen. Ich habe deine Worte im Tram überflogen und das Handy zurück in die Tasche gelegt, in der Hoffnung, dass ich den Inhalt falsch verstanden habe und es am Abend dann „richtig“ lese und verstehe, was dir passiert ist. Dass ein Teil von einem für immer weg ist und nur noch in der Erinnerung weiterlebt, muss sehr schwierig sein. Ich danke dir, dass du den Mut hattest deine persönliche Geschichte mit uns zu teilen und einen Teil von deinem Innersten nach Aussen zu lassen. Es hat mich sehr berührt und bewegt, dass du darüber geschrieben hast. Ich denke an dich und deine Herzenswärme. Herzlichst, Daniela

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    1. Danke, liebe Daniela. Ich hätte wohl eine Triggerwarnung einbauen sollen?!
      Deine Zeilen sind wohltuend. Und du weisst, wie ich heute bin und lebe. Das Leben ist manchmal brutal, und doch habe nie aufgehört zu lieben. Und das ist meine grosse Kraftquelle.
      Ich danke dir!
      Herzlichst auch, Denise

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  10. Ja, also. Jetzt sitze ich etwas sprachlos vorm Computer. Solche Geschichten sieht man ja immer nur im Fernsehen, liest sie in den Zeitungen. Sie jetzt in einem Blog zu lesen. Plötzlich ist alles so nah. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, außer, dass ich es erstaunlich finde, wie Du damit umgehst, umzugehen gelernt hast. Für mich ist dieses ganze Szenario so gar nicht , gar nicht vorstellbar

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  11. Ein sehr heftiges Thema, zu dem ich keine so richtig vernünftige Meinung bilden kann. Deinen letzten Satz finde ich sehr prägend, er hallt in mir nach, und unwillkürlich kommt ein Satz in meine Gedanken und sagt: „Einen Selbstmord begeht man niemals allein.“ Abgesehen von den Gründen, die du nanntest, dass einige interne wie externe Faktoren einen Menschen krank machen können, geht es auch darum, was ein Suizid, selbst, wenn man keinen anderen Menschen mitnimmt, mit Familie und Freunden anstellt. 😦

    Du sagst, dass du kein Mitleid möchtest. Ich finde, das Mitleiden mit dir zeigt, dass dich Menschen gern haben. Aber dieses Mitleid von obenherab, dieses tätschelnde „Ach armes Kind“, das mag ich auch nicht. Soso, ich weiß nicht, was ich zu deiner Gefasstheit sagen soll und wie sehr ich hinter der Stärke die Wallungen zu spüren meine. Vielleicht möchtest du einfach nicht, dass wir diese Menschen hassen, auch das fängst du auf, sogar du! Ich kann nur sagen: Danke für diese schmerzhafte Offenheit. 😦

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    1. Ob ich diese Menschen schützen will? Gute Frage, liebe Sherry. Vielleicht, weil es in meinem Leben einen ganz kleinen Moment gab, wo ich kurz davor war … Aber ich habe es nicht getan und ich habe mich dafür gehasst nachher, dass ich soetwas auch nur gefühlt und gedacht habe. Vielleicht drum verstehe ich. Nein, gutheissen nie. Und nein, auch ein „einzelner“ Suizid ist nie einer allein. Aber ich hoffe, du weißt trotzdem, was ich meinte.
      Ich habe recht viele Menschen sehr nahe in meinem Umfeld erlebt, die Suizid begangen haben. Und ich weiß, was das mit einer Familie macht.
      Ich kenne eine Familie, da sind beide Töchter (schon über 40 oder 50 jährig) ein paar Jahre auseinander so aus dem Leben gegangen.
      Suizid ist nie einfach.
      Ob ich gefasst bin?
      Mag sein. Immer mal wieder. Gefasst vielleicht wie ein Stein in einem Schmuckstück, geborgen in Freundschaften und in Liebe. Das schon, ja.
      Ich danke auch dir für deine offenen Gedanken. ❤

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  12. Liebe Soso,

    deine Offenheit kommt gut rüber, ich schätze sie. Wie das Leben so spielt, bin ich gerade mal wieder „zufällig“ bei dir gelandet.

    Etwas wirklich zu verstehen, weil man fühlt, wie es sein kann wenn…, muss nicht freisprechen, schenkt aber Tiefe und ist ein unschätzbarer Baustein auf dem Weg, Frieden in sich zu finden, wie lange dieser Weg auch sein mag und welche Aufs und Abs er auch beinhaltet. Meist lässt sich dieser Frieden ja nicht dingfest machen. Er ist da, er geht weg, er kommt wieder…

    Herzliche Grüße
    Marion

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    1. ich danke dir herzlich, liebe marion, für deine mitfühlenden gedanken. ich denke, dass ich diesem frieden immer näher komme, in mir, mit meiner geschichte, mit der welt, in der ich lebe und in der solche dinge geschehen.
      frieden machen ohne zu verstehen, das scheint wohl bei mir dran zu sein.
      danke und liebe grüsse
      soso

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    1. danke fürs angebot, gentleman kurt. 🙂
      ich bin die tage jetzt zum glück bei irgendlink auf dem hof und werde hier gehegt und gepflegt. das tut gut nach dieser emotional heftigen woche.

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    1. Ich staune über all diese Rückmeldungen mit diesem Grundtenor. Ich hielt das immer für selbstverständlich: nicht verbittern wollen, verzeihlich (mir zuliebe) weitergehen, wieder mich dem Leben und der Liebe zu öffnen. Ist es wohl nicht? Hm. Danke für deine lieben Zeilen, Candy.

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