To do or not to do

Da heute ja angeblich Tag der schlechten Wortspiele ist, darf der Titel so. Ich habe nämlich keine Zeit, nach einem besseren zu suchen. Meine Liste ist lang, die Zu-tun-Liste, sie wächst täglich nach, schneller als weiße Haare, Zehennägel und Unkraut zusammen.

Was darauf schmerzlich fehlt, ist eine Nische für Kreatives, Unvorhergesehenes, für Surfen, für Lesen, für Kür. Und wohl darum fühle ich mich oft am Ende eines Arbeitstages ein bisschen unzufrieden mit meiner Leistung. Ich sehe manchmal nur, was ich alles nicht getan habe. Weil ich stattdessen vieles, was nicht auf der Liste steht, getan habe. Gesurft, geschrieben, gebloggt. Ich habe Zeit vertrödelt statt für Buisness, Geschäftsaufbau, Bewerbungen, Kohle scheffeln eingesetzt.

Wäre das auch ein Talent, dieses Andere-Dinge-tun, wäre ich sehr talentiert. Was mich an ein Gespräch denken lässt, das ich neulich mit Freundin R. geführt habe. Man muss wissen, dass R. viel liest und sich für vieles interessiert. Als Mutter und aus persönlichem Interesse hat sie viel über das Menschsein und -werden nachgedacht. Eben auch über Dinge wie Talente und dergleichen. Die Gehirnforschung hätte keinen Hinweis und keinen Beweise für das physische Vorhandensein von Talent gefunden, sagte sie. Man gehe heute eher davon aus, dass das, was wir als Talent wahrnehmen, eine Folge von Trainig oder Konditionierung sei. Ich werfe ein, dass mir in diesem Fall – sollte das stimmen – unklar sei, warum wir uns dann für gewisse Dinge und Themen interessieren, während uns andere überhaupt nicht ansprechen. In meinem Fall Sprache und Kunst. Ob denn gewisse Affinitäten nicht in unseren Genen seien oder sonst wo. Wieder zitiert sie, dass diese Dinge nicht nachweisbar seien. Gut, nachweisbar beweist für mich nicht wirklich ein Nichtvorhandensein. Was vor hundert Jahren nicht nachweisbar war, muss es heute nicht noch immer nicht sein. Oder in hundert Jahren. Darum wird ja geforscht.

Wir überlegen gemeinsam, warum ein Mensch zum Beispiel für Geschichten, für Texte, für Sprachen, für Bücher, für Kunst Affinitäten entwickelt, wie bei uns beiden. Die Kinder, die wir waren und noch immer sind, mochten und mögen Geschichten. Sie ließen und lassen uns aus dem nicht immer so tollen Alltag entfliehen. Ich habe ja schon als Dreivierfünfjährige Bildergeschichten, Comics mit und ohne Worte, gezeichnet. Und immer ist da die perfekte Familie drauf, meine Traumfamilie. Später dann Bilder und Geschichten von Traumfreundinnen. So, wie ich sie mir wünschte, nicht so, wie ich sie im echten Leben hatte. Da ich in diesen Ausdruckprozessen von meinem Umfeld bestärkt wurde – du zeichnest aber schön! du kannst aber schöne Geschichten schreiben! du hast aber viel Phantasie! –, habe ich eben weitergemalt, -gezeichnet, -geschrieben, gerne sogar und immer lieber. Talent? Training, sagt R. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Nein, ich werde nicht heute weiter über Autodidaktik versus Diplome nachgrübeln. Dazu ist meine Zu tun-Liste zu lang. Dazu fehlt mir die Zeit.

Obwohl. Wenn es Häute regnet, geht alles. Aber nur Häute. Morgan nicht. Und ab sofort gibts auf meiner Liste auch den Punkt Wie es mir gefällt. Wenn ich schon mit Shakes Bier angeben will.

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18 Kommentare zu „To do or not to do“

  1. dass der punkt ‚wie es dir gefällt‘ bisher auf deiner liste nur ein sommernachtstraum war, ist verwerflich! gut, wenn er jetzt mindestens eine stunde am tag bekommt! 🙂
    sagt, die, die von einem termin zum nächsten trabt. *grins*
    danke fürs dran erinnern <3lichst ich an dich.

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    1. eigentlich war es ein Novembermorgentraum, aber den kenn ja The Big Willi nicht. So nehme ich halt, was ich bekomme. Eine Std. muss sein, des inneren Gleichgewichts wegen.
      (Ich hoffe, es hat alles geklappt mit deinen Terminen – und wird es noch?!)
      Gerne erinnert, immer wieder gerne! ❤ lich auch 🙂

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    2. 🙂 sommernachtstraum hört sich auch viel besser an. draußen ist genug novemberschmuddelkaltwetter.
      und es ist auch alles bisher gut gelaufen. grade eben kam die erhoffte nachricht, ja. jetzt strahle ich. alles ist gut. danke fürs mit dran denken.
      und weiter gehts. bis später 🙂

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  2. ich kenne das auch, tausend sachen gemacht und nicht immer das, was auf der liste stand. früher wurde dadurch der unzufriedenheitspegel hoch gejagt. inzwischen entlockt es mir glücklicherweise immer öfter ein schulterzucken. wie vieles hat sich doch schon erledigt, während eine ganz wichtige to do – liste zeitweise – und wenn auch nur aus dem gedächtnis – verschwunden war 😉

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  3. Ja, was man alles tun muss
    ja, was man alles tun soll
    ja, was man alles tun sollte
    ja, was man alles tun könnte
    ja, was man alles tut
    ja, was man alles nicht tut

    ja, was man alles tut, wenn man nichts tut
    ja, was man alles nicht tut, wenn man tut
    ja, was sich alles tut, wenn man tut
    ja, was sich alles tut, wenn an nicht tut
    ja, was sich alles nicht tut, wenn man tut
    ja, was sich alles nicht tut, wenn man nicht tut

    darum tue ich
    … manchmal das richtige
    … manchmal das wichtige
    … manchmal nichts

    Beat

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  4. ein teil ist sicher die wiederholte erfahrung, dass im wahrsten sinne nichts so heiss gegessen wird, wie es gekocht wurde. andererseits sehe ich immer wieder mal szenen aus luisas ritualtagen vor mir: schultern küssen und schultern heben und fallen lassen mit dem italienischen „boh“ 🙂 nach 20 jahren immer wiederkehrenden übens zeitigt es so langsam wirkung.

    ich kann keine sternchen anklicken. weil ich nicht bei wordpress bin? dann schüttle ich halt mein sternentuch und hoffe, sophia, beat und annette öffnen ihre schürze um die sternchen aufzufangen.

    … ursprünglich wollt‘ ich ja nur schnell sagen: danke für deine mail. antwort folgt noch 🙂

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  5. Ich finde es ungemein beruhigend, zu wissen, dass ich nicht die Einzige bin, deren To Do List ein Kampf gegen die Windmühle ist. Kaum sind 5 Punkte abgehakt, kommen 18 neue dazu. Einer meiner wenigen Vorsätze für das neue Jahr ist (ja, schon wieder ein Post-it mit Dingen, die man tun sollte): Mehr Zeit für Unfug, Wolkenzählen und Spontanaktionen und wenn ich frei habe, nicht zu arbeiten, auch keine Mails zu beantworten. Is it to bear or not to bear? Or to beer or not to beer? 😉

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