Ein neuer Atem

Heute stelle ich euch ein neues Buch vor. Ausnahmsweise mal keinen Roman und ausnahmsweise eins, das ich noch nicht gelesen habe. Ich kenne allerdings den Verlag und ich habe schon einiges über Frau Spirig gelesen. Auch ihre Antworten aus dem Interview, aus dem ich nachfolgend zitiere, sprechen mich an. Am liebsten würde ich mich mal mit ihr zusammensetzen und über Trauererfahrungen sprechen. Und ja, ich bin fast sicher, dass ich das Buch demnächst lesen werde.

Trauma-CoverErfahrung mit dem Thema hat Janine Spirig. Sie ist Mutter von drei Kindern und seit 1999 verwitwet. Ihr Mann ist erschossen worden. Der Lehrermord erschütterte St. Gallen. «Wie sehr, habe ich erst viel später realisiert», sagt sie. […]

Das Perfekte im Unperfekten

«Wir haben hohe Erwartungen an das Leben, dass es stets rundläuft und ohne Leid. Wir lernen in unserer Gesellschaft nicht, mit Leid umzugehen», sagt Janine Spirig. «Wir verdrängen es. Es ist unangenehm.» Ein Trauma zwinge einen umzudenken, sich mit den eigenen Abgründen auseinanderzusetzen – und dabei das Tragende im Untragbaren, das Verbindende im Trennenden zu finden. Sie habe gelernt, das Leid – neben der Freude – «leben zu lassen» und zu akzeptieren, dass «das unperfekte Leben das perfekte sein kann; das gibt eine neue Leichtigkeit».

«Unverdaubare Ereignisse»

Ist ein Trauma nie vollständig therapierbar? Sie muss nicht lange überlegen, schüttelt den Kopf. «Es gibt unverdaubare Ereignisse.» Nach einer Pause: «Das Trauma hat etwas Zerstörerisches. Wenn es gelingt, mit dem Erlebten im Alltag umzugehen, verliert es mit der Zeit seine zerstörerische Macht.»

Weg sei es auch dann nie. «Es ist im Körper gespeichert.» Und es werde immer mal wieder «wachgerüttelt». Durch eine Begegnung, ein Wort, eine Erinnerung. Planlos, unberechenbar. Für einen selber wie für die Umgebung.

Regula Weik im Tagblatt über das neue Buch von Janine Spirig, «Trauma, und ein neuer Atem», Edition Spuren, Winterthur, 2014

Quelle: www.tagblatt.ch/ostschweiz

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