Ewige Pilgerschaft

Ein Pilger ist einer, der eine Haltung sucht zu Ranken
und anderen Fesseln, doch welche? Soll ich sie
mit meinem scharfen Pilgermesser abhacken, so
schnell sie wachsen? Oder sie hegen und pflegen und
jeden Tropfen, egal welchen Wassers, auffange, um sie
in ihrem Ringen zu stärken? Liebe ist das
Geheimnis im Innern dieses Gehens. Wie
ein Hund läuft sie uns voraus aus dem Bild.*

Was willst du festhalten, Frau?
Worum sorgst du dich?
Was pflegst du?
Und was lässt du los?

Wofür gehst du?
Wofür brennst du?
Was ist das Holz,
was das Öl deines Lebensfeuers?

Und womit löschst du den Brand?
Womit deinen Durst?

Was schneidest du ab und wozu?
Was lässt du wachsen und wohin?

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* Den ersten Abschnitt zitiere ich aus Anne Carsons Die Anthropologie des Wassers; Aus Burgos, 3. Juli.

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13 Kommentare zu „Ewige Pilgerschaft“

    1. Oh, danke … es war noch spannend. Eigentlich wollte ich nur ein paar verschiedene Notizzettel ins Tagebuch abschreiben, und eben das Zitat von Anne Carson. Es war, als ich es dann im Zusammenhang las, wie ein einziger Guss, obwohl alles aus andern Richtungen gekommen ist und zu anderen Zeiten notiert worden. Mein roter Faden irgendwie.

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