Hashtags, Depressionen und wie sie wirken

Man kann sagen, was man will über die neuen Medien, doch was ich an ihnen schätze ist, dass sie sozusagen basisdemokratische Auswirkungen haben. Etwa im Fall der Aktion „Nicht einfach nur traurig“, die seit ein paar Tagen durch die Medien streift und das Thema Depression aus der Tabuzone sozusagen in die Wohlfühlzone bringt. Mit der Hoffnung auf Entstigmatisierung und mehr Verständnis.

Es ist ein Schritt der Enttabuisierung: Mit dem Hashtag #NotJustSad hat eine Berlinerin eine Diskussion über Depression angestossen. Dabei zeigt sich: Solange wir an einer Gesellschaft feilen, in der scharf getrennt wird zwischen Versagern und Gewinnern, tragen wir Mitschuld an dem Leid der anderen.

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Seitdem die Berliner Internet-Nutzerin «Jenna Shotgung» auf dem Online-Netzwerk Twitter mit dem Hashtag #NotJustSad ihre Depression thematisiert hat, schildern immer mehr Menschen in 140 Zeichen, was es heisst, eine Depression zu haben. Die Inneneinsichten sind bald poetisch, bald traurig und zumeist tief verstörend. Sie geben einen Eindruck davon, mit welchen Ängsten, aber auch gesellschaftlichen Stigmatisierungen die Betroffenen umgehen müssen. Obwohl Depressionen zu den häufigsten Krankheiten gehören, fühlen sich viele Erkrankte nicht richtig ernst genommen.

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Solange wir an einer Gesellschaft feilen, in der scharf getrennt wird zwischen Versagern und Gewinnern, zwischen Reichen und Armen, zwischen Privilegierten und Schmarotzer, Hübschen und Hässlichen, Inländern und Ausländern und diese Klüfte sich auch noch ausweiten lassen, tragen wir Mitschuld am Leid der anderen. Depressionen sind psychische Krankheiten, die nicht nur auf biologischen Prädispositionen, sondern auch auf Ausgrenzungsmechanismen basieren, die in den westlichen Gesellschaften dramatisch zugenommen haben. Noch nie gab es so viele Menschen in Europa und den USA, die im Niedriglohnsektor arbeiten. Sie alle blicken in eine trübe, ungewisse Zukunft.

Hinzu kommt noch ein sozialer Aspekt: Der Distinktionsdruck ist gewachsen. Es war noch nie so schwer, ein verletzlicher Mensch zu sein. Die Pop-Kultur besteht mehr denn je aus Inszenierungsspielen, die keinen Platz lassen für ehrliche Traurigkeit und tief verwurzelten Ernst. Geschickt inszenierte Selfies, unvermittelte Bewertungen von Aussehen und Rang sind das Gemisch, aus dem Ausgrenzungen entspringen. Diese Mechanismen züchten das Begehren heran, ein einzigartiges Individuum zu sein, anstatt sich als Teil einer grossen Gemeinschaft zu fühlen.

Liebe verkommt zu einem Streben nach dem narzisstischen Selbst statt nach einem Ich, das man nicht trotz, sondern gerade wegen seiner Schwächen liebt. An einen positiven Liebesbegriff erinnert Walter Benjamin: «Wer liebt, der hängt nicht nur an ‹Fehlern› der Geliebten, nicht nur an Ticks und Schwächen, ihn binden Runzeln im Gesicht und Leberflecken, vernutzte Kleider und ein schiefer Gang viel dauernder und unerbittlicher als alle Schönheit.» Kompromissloses Verständnis – das ist es, wonach Depressive suchen. «Wir wünschen uns nur jemanden, der uns an die Hand nimmt, ohne Fragen zu stellen», schreibt der Twitter-Nutzer Caine.

Das Nichtverstehen begreifen

Das Leid kann nur dann gelindert werden, wenn wir uns alle dazu bereit erklären, den individuellen Druck auf die Betroffenen zu verringern. Das fängt bei gesundheitspolitischen Aspekten wie der Bereitstellung von Therapieplätzen an und hört bei der Sensibilität am Arbeitsplatz und in der Familie nicht auf. Bei der Frage auf Twitter, was gegen Depressionen hilft, antworten die meisten Betroffenen mit ähnlichen Vorschlägen: Ruhe, Geduld, Verständnis und Zuneigung. Das Schlimme dabei ist, dass sich Depressionen nicht verstehen lassen. Als Beobachter muss man lernen, ein Verständnis für das Nicht-verstehen-Können zu bekommen. «Wenn du merkst, dass die Tränen in die Augen schiessen, und du weisst einfach nicht, warum.» So schildert die Nutzerin «who?» ihre Depression.

Quelle: nzz.ch

Mehr Infos:
Spiegel online

Timeline auf Twitter

screenie-notjustsad

 

To do or not to do

Da heute ja angeblich Tag der schlechten Wortspiele ist, darf der Titel so. Ich habe nämlich keine Zeit, nach einem besseren zu suchen. Meine Liste ist lang, die Zu-tun-Liste, sie wächst täglich nach, schneller als weiße Haare, Zehennägel und Unkraut zusammen.

Was darauf schmerzlich fehlt, ist eine Nische für Kreatives, Unvorhergesehenes, für Surfen, für Lesen, für Kür. Und wohl darum fühle ich mich oft am Ende eines Arbeitstages ein bisschen unzufrieden mit meiner Leistung. Ich sehe manchmal nur, was ich alles nicht getan habe. Weil ich stattdessen vieles, was nicht auf der Liste steht, getan habe. Gesurft, geschrieben, gebloggt. Ich habe Zeit vertrödelt statt für Buisness, Geschäftsaufbau, Bewerbungen, Kohle scheffeln eingesetzt.

Wäre das auch ein Talent, dieses Andere-Dinge-tun, wäre ich sehr talentiert. Was mich an ein Gespräch denken lässt, das ich neulich mit Freundin R. geführt habe. Man muss wissen, dass R. viel liest und sich für vieles interessiert. Als Mutter und aus persönlichem Interesse hat sie viel über das Menschsein und -werden nachgedacht. Eben auch über Dinge wie Talente und dergleichen. Die Gehirnforschung hätte keinen Hinweis und keinen Beweise für das physische Vorhandensein von Talent gefunden, sagte sie. Man gehe heute eher davon aus, dass das, was wir als Talent wahrnehmen, eine Folge von Trainig oder Konditionierung sei. Ich werfe ein, dass mir in diesem Fall – sollte das stimmen – unklar sei, warum wir uns dann für gewisse Dinge und Themen interessieren, während uns andere überhaupt nicht ansprechen. In meinem Fall Sprache und Kunst. Ob denn gewisse Affinitäten nicht in unseren Genen seien oder sonst wo. Wieder zitiert sie, dass diese Dinge nicht nachweisbar seien. Gut, nachweisbar beweist für mich nicht wirklich ein Nichtvorhandensein. Was vor hundert Jahren nicht nachweisbar war, muss es heute nicht noch immer nicht sein. Oder in hundert Jahren. Darum wird ja geforscht.

Wir überlegen gemeinsam, warum ein Mensch zum Beispiel für Geschichten, für Texte, für Sprachen, für Bücher, für Kunst Affinitäten entwickelt, wie bei uns beiden. Die Kinder, die wir waren und noch immer sind, mochten und mögen Geschichten. Sie ließen und lassen uns aus dem nicht immer so tollen Alltag entfliehen. Ich habe ja schon als Dreivierfünfjährige Bildergeschichten, Comics mit und ohne Worte, gezeichnet. Und immer ist da die perfekte Familie drauf, meine Traumfamilie. Später dann Bilder und Geschichten von Traumfreundinnen. So, wie ich sie mir wünschte, nicht so, wie ich sie im echten Leben hatte. Da ich in diesen Ausdruckprozessen von meinem Umfeld bestärkt wurde – du zeichnest aber schön! du kannst aber schöne Geschichten schreiben! du hast aber viel Phantasie! –, habe ich eben weitergemalt, -gezeichnet, -geschrieben, gerne sogar und immer lieber. Talent? Training, sagt R. Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Nein, ich werde nicht heute weiter über Autodidaktik versus Diplome nachgrübeln. Dazu ist meine Zu tun-Liste zu lang. Dazu fehlt mir die Zeit.

Obwohl. Wenn es Häute regnet, geht alles. Aber nur Häute. Morgan nicht. Und ab sofort gibts auf meiner Liste auch den Punkt Wie es mir gefällt. Wenn ich schon mit Shakes Bier angeben will.

Followerpower

Diesmal habe ich eine technische Frage an euch und hoffe, dass jemand, der oder die hier mitliest, die Antwort kennt.

Klickcounter/Blogstatistik ist das Stichwort. Als WordPresserin kann ich ja auf unzählige Plugins für die Widgetleiste zugreifen, die es manchmal ähnlich auch für selbstgehostete Blogs gibt. Leider nicht immer. Oder doch?

Ich habe neulich testweise auf diesem Blog in meiner Seiten-/Widgetleiste den Klickcounter, der bei WordPress schlicht und einfach Blogstatistik heißt, eingefügt. Geht ja ganz einfach.

Genau das möchte ich nun im selbstgehosteten Blog einer Kundin auch tun. Nach vielen Recherchen und noch mehr Herumfragen haben wir nicht wirklich eine befriedigende Lösung gefunden. Es gibt zwar diverse Counter für einzelne Artikelklicks oder Seitenklicks und das mächtige Statistik-Tool Piwik, das aber für unseren Bedarf übers Ziel hinausschießt.

Kennt jemand von euch ein leicht zu installierendes Plugin, das quasi dem WP-Widget Blogstatistik entspricht? Und ja, es sollte auch die bereits erfolgten Klicks (also von Anfang an) mitzählen, also irgendwie Jetpack-kompatibel sein.

Als Finderlohn werden wir – Irgendlink, die Kundin und ich – uns etwas ausdenken. 🙂

Bitte meldet euch direkt per Mail bei mir: Kontakt.

Danke!!!

Das zweite Stöckchen

liebster-awardLiebe Fürhilde, endlich, besser spät als nie, löse ich mein Versprechen ein, dir deine Stöckchenfragen zu beantworten. Ich danke dir für deine Wertschätzung und dein Interesse am Austausch von Gedanken rum um das Schreibhandwerk.

1.) Wie viel Platz hat das Bloggen in deinem Alltag?
Die Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten. Bloggen ist für mich nicht nur das Schreiben eines Artikels, sondern eben auch die dem Schreiben vorausgehende Auseinandersetzung mit einem Gedanken, mit einem Thema, mit einem Problem. Ich denke ständig und viel, doch nicht aus jedem dieser Gedanken wird ein Blogartikel. Manche Gedankenflüsse verlaufen im Sand, andere werden verdichtet zu einer kleinen Lyrik im Tagebuch, noch andere werden ins Blogartikelformat gebracht. Zu meiner Auseinandersetzung mit der Welt gehört das Blogschreiben längst dazu und auch der Austausch mit anderen Bloggerinnen und Bloggern ist mir in diesem Kontext längst unverzichtbar geworden.

2.) Wie viele deiner Verwandten, Bekannten und Freunde setzen sich mit deinem Schreiben auseinander?
Noch so eine schwer beantwortbare Frage! Das Blog zeigt bei mir ja nur ein Teil meines Schreibens. Da ich auch immer mal wieder Geschichten und Artikel veröffentliche, wird die Beantwortung unübersichtlich. Zumal auch ehemals unbekannte Bloglesende zu Bekannten und FreundInnen geworden sind. Verwandte sind es eher wenig, die mein Blog oder meine Texte lesen. Sie wissen zwar, dass ich schreibe, aber selten was. 🙂 Und das ist auch ganz okay so. Der Austausch mit Bekannten und FreundInnen ist mir in diesem Lebensbereich wichtiger.

3.) Wohin gehst du, wenn du traurig bist?
Das hängt davon ab, wo ich gerade bin, wenn die Traurigkeit zu Besuch kommt. Meistens gehe ich in die Natur, an einen Fluss oder in den Wald. Manchmal allein, manchmal mit Lieblingsmenschen. Oder ich schlafe eine Runde. Das hilft auch oft.

4.) Wann ist die beste Zeit zum Schreiben?
Sehr unterschiedlich. Meistens habe ich am meisten Schreiblust in der ersten Stunde nach dem Erwachen. Ich schnappe mir dann mein iPhone und die externe Tastatur und schreibe drauf los. Oft ist es aber auch am späten Nachmittag oder am Abend, wenn die Ideen purzeln. Am wenigsten kreativ bin ich wohl so um den Mittag herum und am frühen Nachmittag. Die beste Schreibzeit ist dann, wenn ich voller Gedanken und Ideen bin.

5.) Wann hast du angefangen zu schreiben?
Mit drei. Ohne Witz. Ich habe mit drei die Buchstaben gelernt und angefangen comicartige Bildergeschichten zu kritzeln. Inklusive Sprechblasen. Später ging es mit Aufsätzen als Lieblingsschulfach, Tagebuchschreiben und Kurzgeschichten weiter. Erste Veröffentlichungen dann so ab 2005.

6.) Welche ist deine Lieblingsjahreszeit?
Frühling-Sommer-Frühherbst. Hauptsache nicht zu kalt.

7.) Wirst du irgendwann aufhören zu schreiben?
Ziemlich sicher nicht, es sei denn, ich könnte nicht mehr …

8.) In welcher Stadt fühlst du dich am wohlsten?
Wenn Stadt, dann Bern. Aber eigentlich bin ich inzwischen fast lieber in kleinen Orten unterwegs. Oder ganz auf dem Land.

9.) Was liefert dir die Rohstoffe aus denen am Ende ein Text entsteht?
Das Leben selbst: Erfahrungen. Beobachtungen. Gespräche. Menschen. IT-Technik als Metapher für das Leben. Alles, worüber ich nachdenken mag.

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Das Stöckchen mit dem Liebster-Award drumrum fange diesmal bitte auf, wer immer Lust hat. Ich werde ausnahmsweise niemanden nominieren. Wer aber Lust hat, Fürhildes neun Fragen ebenfalls zu beantworten, darf das bei sich auf dem Blog gerne tun. Also los, Stöckchen, fliege weit und lande weise …

3 – 2- 1 – werf … Juhuuuu …