Christoph ist verschwunden

Wo isch de Christoph?

I weiss eigetli ned, eb er würkli vrschwunde-n-isch. Die andere wüsste vellech chli meh als i, abr die kann i jo ned froge. Sie sind jo gar ned do. I cha nur säge, was i weiss. Und dass i ne scho mega lang nüme gseh ha. Wer meh chönnti wüsse, wüssti ned. Ha jo scho chli umegfrogt. Und jo, ich gibe’s zue, i vermisse-ne ned würkli. Und vellech wott er jo gar ned, dass öpper weiss, wohere-n-er ggange-n-isch? Vellecht isch’s ehm ganz rächt, dass es niemer weiss?

Abr vellech au ned. Vellecht würd er gärn gfunde werde. Aber äuä de ned umbidingt vo mir.

De Chrischtoph isch jo immr chli e bsundrige gsi, hätt scho immr grad gmacht, was er hätt welle, scho vo chli uf. Ämel nie das, wo me vo eim wie ihm erwartet hetti. Die einte finde das vellech witzig, ich has meischtens ender nervig gfunde (was au de Grund isch drfür, dass i ne ned vrmisse). Sueche tue-n-i ned so gärn wie finde. Finde loht er sich abr ebe ned ganz so liecht wie anderi – und äuä ebe au ned umbidingt am liebschte vo mir. S’isch immr chli es Züüg mit ihm. Niemer weiss eigetli so gnau, wie-n-er würkli tiggt, de Schtöffel. Und i weiss jetzt immr noni so gnau, was ich söll mache. Zwöi Tag isch-r jetzt scho weg.

Ich glaube, ich lüüte am beschte mol im Tierheim aa. Oder ich luege uf Feissbuuk; dett hätts jo sonen Siite für verschwundeni Chatze. Vellech hätt ihm jo s’Fuetter nüm passt? Au d’Kater ässe hüt nüme eifach alles.

Zu meiner Lesung auf Soundcloud bitte hier klicken.

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Diese Geschichte ist Teil eines Blogprojekts, dass die Bloggerin Jutta angestoßen hat. Weitere sachdienliche Hinweise zum Verbleib Christophs dürfen gerne verbloggt werden.

Inspiriert zum diesem Text hat mich das Lied Dr Ferdinand isch gschtorbe von Mani Matter. Ferdinand, der arme Kater, ist eben auch verschwunden. Damals. Erschlagen von Herrn Brändli. Mit einem Nachttopf. Das arme Tier! Hoffentlich taucht Christoph wieder auf.

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Lesetipp: Wenn du den Text nicht verstehst, da ich ihn in meiner Aargauer (Mix-)Mundart – Schwiizerdüütsch hat ja so viele Dialekte! – geschrieben habe, kannst du ihn, so du ihn auf dem Rechner liest, indem du die Maus auf den jeweiligen Abschnitt legst, in deutscher Übersetzung lesen.

(Danke, Emil, für die Anleitung, wie so was geht!)

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41 Kommentare zu „Christoph ist verschwunden“

  1. ich habe keine ahnung wer oder was oder wann christoph ist. aber dein fahndungsschreiben ist wunderbar. ich hätte NIX verstanden! also danke für die übersetzung. und der oberhammer ist ja wohl deine sprechcloud! wie schöööö. ❤ gehe gleich nochmal hören …

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  2. Ich hatte Deine Sprache ganz, ganz anders in Erinnerung — vielleicht, weil Du hochdeutsch sprichst, meistens. Aber was mir immer wieder auffällt: In der ureigenen Sprache (im Heimat-/Mutter-/Vater-Dialekt) sind Timbre und Sprachmelodie und Betonung ganz, ganz anders als in allen Sprachen sonst; sie erscheinen/erklingen mir eigener, näher an der sprechenden Person …

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    1. Ja, das geht mir auch so. Ich fühle mich echter und lebendiger, wenn ich meinen Mutter-Vatersprachenmix spreche. Hochdeutsch ist und bleibt eine Fremdsprache, auch wenn ich es täglich spreche. Ob du mich je schwiizerdütsch sprechen hörtest? Viele halten ja das schweizerisch eingefärbte, mit Helvetismen angereicherte „Hochdeutsch“ für unsere Dialekte … 😉

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  3. Liebe Sofasophia, das ist ja großartig! Ein so schöner Text und dann auch noch im Dialekt (plus „Übersetzung“) – und als Sound! Ich habe es gerade „gerebloggt“ und dachte, ich könne noch etwas dazu schreiben – aber da war es schon online 😉 Also nochmals: Das ist ganz wunderbar!

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    1. Oh, ich hätte nicht gedacht, dass mein kleines Dada-Textchen so weite Kreise schlagen darf. Ich danke dir herzlich für die tolle Idee und auch fürs Rebloggen. Auch das: Ganz wunderbar! Merci!

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  4. Hammer, so so toll. Ich hab beim lesen nicht alles verstanden also hab ich es mir angehört (saugut) und maches hab ich immer noch nciht verstanden, aber das was, das hat soviel Lebensweisheit gehabt, und die Stimme hat so gut gepasst zur Geschichte und dann isses ne Katze, cool. Ich bin total begeistert.
    Und wünsch mir jetzt ne deutsche Übersetzung.

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    1. Hallo Madame Flamusse und willkommen hier. Wenn du den Text auf dem Browser anguckst, müsstest du mit der Maus an die Übersetzung ran kommen, wie ich es im Artikel (unter der Linie) beschrieben habe. Im Reader geht das leider nicht, nur im Original. Viel Spaß und herzlichen Dank für die Komplimente. 😉

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    1. Ich finde den Text gar nicht DadaGaga, eher voller Weisheit: vielleicht will er nicht gefunden werden, oder zumindest nicht von mir… und das alles in einer Seelenruhe gelesen, nicht panisch, so wie ich als meine Katze mal verschwand.

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  5. Mein Kumpel Kumpel hat erzählt, er habe neulich einen bei Biokalle getroffen. Der habe sich über die Milch von Biokalles Hund hergemacht. Auf die Frage: „Schmeckt’s?“ habe der geantwortet: „Goht so. Dähai schmöckt’s besser“. Dann habe er ein Bäuerchen gemacht und gefragt: „Waisch Du wieni widder zrugg über dä Rhii chumm“? Kumpel hat ihn darauf hin zu Karthäuser geschickt. Seine Wegbeschreibungen sind zwar ein wenig umständlich, dafür aber sehr präzise. Vielleicht handelt es sich beim Gesehenen ja um Christoph und er ist bald wieder zu Hause? Wünsche Dir und Christoph alles Gute. Herzlichst, Monni

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    1. Wer weiß das scho so gnau? Also do isch er nüme uftaucht. Ich hoffe, er hätt es nöis bessers Dihei gfunde.
      Merci vielmol, Monni, für din Kommentar und dis Abo.
      Härzlich Willkomme do und uf Wieder- und Wiiterläse!

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