Nicht wirklich, oder?

Ich hoffe ja immer, wenn ich zurückkehre in den Alltag, dass der in den Ferien aufgefüllte Energieakku möglichst lange anhält. Doch noch immer habe ich keine Tricks, wie ich es am besten anstellen kann, nicht allzu schnell wieder in den grauen Trott zu fallen. Zumal die Sonne durch die – zugegeben putzenswerten – Fensterscheiben knallt und mich beinahe blendet.

Nein, grau ist es hier nicht, auch Schnee liegt keiner. Nur Rauhreif. Der will heute nicht weichen. In der Waschmaschine kurbelt die erste Ladung Schmutzwäsche ihre Runden und auf dem Tisch liegt die Buße aus Frankreich, von Heiligabend, und ich nerve mich. Ist das wirklich wahr?

Wie war das noch? Als Schweizerin wird man in EU-Ländern nicht gebüßt? Ha. Ich hatte wohl bisher immer Glück, dass ich auf meinen Fahrten durchs Elsass, durch Lothringen und durch Deutschland noch nie wegen zu schnellem Fahren erwischt wurde? Und jetzt, wegen 7 km/h zu schnell 45 €? Ja, das tut weh. Aber ich bin ja selbst schuld, kein Thema. Es tut besonders weh, weil mein Konto leer ist. Und weil ich das wenige Geld, das ich einnehme, gerne für andere Dinge ausgebe. Für sinnvolle.

Genug gelästert. Denn eigentlich ist es ja schön hier. Das Leben als solches. [Wenn bloß die existentiellen Sorgen nicht wären. Wie war das noch mit dem Vertrauen?]

So viele tolle Projekte sind aufgegleist und eigentlich wäre mein Leben schon dadurch ausgefüllt, diese Dinge umzusetzen. Doch die meisten bringen kein Geld. Oder zumindest noch nicht in der Projekt- und Umsetzungsphase. Und das ist der ganz allgemeine Haken am Leben, am Leben einer Künstlerin im besonderen. Diese Marktmaschine, dieses Hamsterrad von Kaufen und Verkaufen, von Ausgeben und Einnehmen. Dieser stete Zufluss und Abfluss von Materie. Ich weiß, dass ich mit diesem Thema nicht wirklich reif und nicht wirklich erwachsen umgehe (erwachsen im positiven Sinn, nicht als Schimpfwort gemeint). Ich weiß, dass ich viel zu viel Energie verliere mit Sorgen, die ich besser für Vertrauen ins Leben einsetzen würde. Aber die Miete muss bezahlt werden. Das geht meines Wissens nicht ohne Geld. Und so weiter.

Stopp.

Sie fotografieren sich4
Montage aus zwei Bildern, auf denen wir uns zeitgleich gegenseitig fotografieren

Erinnere dich an deine Geschenke.
Erinnere dich an das, was dich nährt.
Erinnere dich an schöne Erlebnisse.
An das, was wirklich zählt.
An die Liebe.

Denn so, mit Jammern und Sorgen, komme ich nicht weiter. [Und nein, so was kann ich nicht bloggen. Eigentlich.]

Ich wollte eh etwas anderes bloggen. Etwas Tolles, etwas Schönes. Ich wollte weitere Bildergalerien aus Südfrankreich ankündigen. Bilder vom Canigou. Noch mehr Tür- und Schlösserbilder. Noch mehr Bilder von unterwegs, schöne und schräge. So etwas wollte ich heute bloggen. Aber.

So teile ich zumindest die beiden Montagen, die ich gestern und heute gepfriemelt habe.

Spaziergang nach Brugg | www.p-i-c.ch
Gestriger Spaziergang nach Brugg | http://www.p-i-c.ch
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8 Kommentare zu „Nicht wirklich, oder?“

  1. so… ok. aufgeschrieben. haken dran.
    ich erzähl dir in kurzfassung meine Geburtstagsstorry vom letzten Sommer. wir weilten zu der zeit in Spanien. Atlantikküste. traumhaft schön!
    an meinem Geburtstag ein ausflug ans meer mit eingeplantem Abendessen im Restaurant direkt am Strand. klein und abeglegen.
    auf dem weg dahin hält uns die polizei an. wir hätten eine durchgezogene mittellinie überfahren. hundert euro bitte!
    englisch? nein. deutsch? nein. französisch? ( obwohl wir das nicht sprechen ) auch nein.
    spanisch? ja, aber nix verstehen.

    da haben wir das essen den Bullen bezahlt und uns genau 30 Minuten geärgert. uns mit zwei bier an den strand gesetzt und aufs wasser geschaut.
    das beruhigt so schön.

    tief durchatmen und weitergehen.
    vertrauen! das passt schon.

    sei lieb gegrüßt!

    ach und die fotos sind großartig! zauberschön. euch steht beiden das Glück im gesicht sehr gut! ♡

    Gefällt 2 Personen

    1. Oh, Mittellinie? Das ist doch dort normal, also ähm, dass man die überfährt. Aber wer wird gebüsst? Eben.
      Ich habe zum Glück auch ohne Bier schon aufgehört, mich zu nerven. Danke dir.
      Ja, tief durchatmen und weitergehen.

      Danke auch fürs Kompliment zu den Bildern … ❤

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  2. Denk positiv, belaste deine Umwelt nicht negativ….der Standardspruch meines Sohnes. Die Buße ist doch ins Verhältnis zur jährlichen Benzinrechnung eher lächerlich. Bei meiner letzten Begegnung mit der Autobahnpolizei hat die sich bedankt bei mir. Das wird bei sprachlicher Barriere allerdings schwierig…

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    1. Ich habe die Buße per Post bekommen. Und kann zum Glück französisch … jedenfalls genug für so was. Und ja, ich mache es wie du: ich setze es in ein reales Verhältnis zum Ganzen und da ist es ein Fliegenschiß … 🙂
      Danke für deinen Input, das tut gut!

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  3. Ich erhole mich gerade von einer Grippe und bin erst jetzt fit genug zu kommentieren. Wie fies ist das denn? Gut, wenigstens kann man dem französischen Blechmännchen nicht vorwerfen, es hätte ja mal ein Auge zudrücken können, weil es schliesslich Heiligabend war. Es erwischt einem irgendwie immer dort, wo es einem am meisten wehtut. Ich wurde an meinem ersten Ausbildungstag zur Yogalehrerin von der Polizei gestoppt, weil ich während dem Autolenken eine Strassenkarte gelesen hätte, und gleichzeitig ein Sandwich gegessen habe. Lach! Ich kann eben Multitasking. Die Polizei hätte mich dabei gefilmt und meinte, dass würde dann so um die CHF 500.- kosten, mit Schreibgebühren. Mein Yogaausbildner meinte, das sei Instantabbau von schlechtem Karma. Besser als ein gebrochenes Bein, würden unsere Mütter dazu sagen. Eure Reise hat toll ausgesehen, vielen Dank für das Teilen eurer Bilder.

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    1. Instantkarma – hach, das ist ja toll. Also ich bin eben auch so eine. Beim Autofahren. Wobei. Ich übe, nur noch ein Ding aufs Mal zu machen. Und das Blechmännchen hat mich nicht fotografiert. Und zum Glück sind es nur 45 Euro. Und ich bin schon gar nicht mehr sauer. Und überhaupt … schön, dich zu lesen und zu erfahren, dass es dir besser geht. Nicht, dass du krank warst, war schön, nein, aber dass du da bist. Das ganz fest.
      Und danke für deine Zeilen.
      Herzlichst D.

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