Kunst – am Strand, am Wegrand, überall?

Quelle: Arm am Strand | http://hagen.cocoate.com/2015/01/05/arm-am-strand/

Gestern habe ich auf Hagen Grafs Blog diesen Artikel gefunden. Ich werde später wohl auch mal noch ein paar Antworten schreiben. Nicht jetzt, nicht heute.

Heute nur einen Ausschnitt aus besagtem Artikel und die ersten Antworten:

Werte Künstlerin, werter Künstler

  • Was verstehst du unter Kunst?
  • Worum geht es bei deiner Kunst?
  • Wie entstehen deine Kunstwerke?
  • Hast du ein Atelier?
  • Wie bist du eigentlich Künstler geworden?
  • Wie verbringst du einen “normalen” Tag?
  • Wie finanzierst du dein “Künstlerleben”?
  • Wo kann ich deine Kunst sehen und vielleicht sogar kaufen?

Wenn du dich angesprochen fühlst, antworte bitte auf die Fragen in dem Medium, das dir am besten gefällt. Hier im Blog mit einem Kommentar oder in deinem Blog oder per Tweet an @hagengraf oder per Post (Hagen Graf, 36 Rue du Pla, 11510 Fitou, France) oder per Kunstwerk :).

Ich verlinke und veröffentliche alles was kommt und bedanke mich schon im Voraus dafür, dass Du dir Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Wenn dir die Sache gefällt, gebe den Link bitte weiter.
Vielleicht entwickelt sich daraus eine Debatte, ein wie auch immer geartetes Netz, ein Kunstprojekt, ein Erkenntnisgewinn oder ein fetter “KunstDeal” für dich, mich und die Leser :).

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Die Antworten

Denise:
Ich glaube, dass es Menschen gibt, die eine Künstlerseele beherbergen und welche, die nicht. Das ist ähnlich, wie wenn jemand eine Affinität für Holz hat, der andere für Zahlen, die dritte für Zusammenhänge. Irgendwann im Leben wurden bestimmte Areale im Hirn wohl diesbezüglich vermehrt stimuliert, meinte neulich mal eine Freundin. Maybe.
Menschen mit KünstlerInnenseelen nehmen, meiner These zufolge, die Umwelt aus einer Perspektive wahr, die irgendwie umfassend wahrnimmt, wie das Erlebnis, das Gedachte, des Geschehene verwurstet und ausgedrückt werden kann. Input-Output. Essen-Verdauen.
Wer dieses Bedürfnis hat und ihm nachgibt, ist – ungeachtet davon, wie angesehen er ist und wie genial oder bescheiden seine Werke sind – in meinen Augen ein Mensch mit einer Künstlerseele.
Guck dazu auch meinen Text hier. 
Ich hoffe, du bekommst viele Impulse.
Jürgen und ich haben das Thema noch oft weitergesponnen, das wir mit euch angedacht und gekaut haben. Ich bin im Grunde fast sicher, dass du eine Künstlerseele in dir hast.
Übrigens: schönes Relaunch deines Blogs!

Hagen:
Danke Denise für Link und Kommentar.
Siehst du dich als Künstlerin?
(Und danke für das Lob)

Denise:
Ja. Unabhängig von Erfolg oder nicht.
Wegen der Art und Weise, wie ich denke. Und wie ich die Welt sehe.
Und nun lese ich mir mal, was Jürgen geschrieben hat …

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Irgendlink:
Lieber Hagen, wie Denise schon sagte, hat uns das Gespräch letzte Woche sehr inspiriert und zum Nachdenken gebracht. Wir haben sogar eine Mindmap dazu angelegt.

Was verstehst du unter Kunst?
Ich habe drei Kunstverständnisse: Erstens ist es eine Lebensart und man geht voll darin auf, egal wie bekannt man ist und ob man auf dem Kunstmarkt wahrgenommen wird. Für mich ist das so. Ich habe etwa zehn Jahre gebraucht, um mich ruhigen Gewissens als Künstler zu bezeichnen und ich bezeichne mich jetzt so, weil mir keine andere Bezeichnung einfällt.
Womit wir zu Zweitens kommen: Die wirtschaftliche Seite der Kunst, das Ansehen der Künstler, Ihr Lebenslauf, der sie so wertvoll macht und auch den Marktwert ihrer Kunst mitbestimmt (bei welchem Prof. auf welcher Uni hat der Künstler studiert, wo wurde er ausgestellt, welche Stipendien und Kunstpreise und Publikationen hat er erhalten, in welchen Sammlungen sind seine Werke vertreten). Vincent van Gogh wäre nach diesen Kriterien kein Künstler gewesen und die Bilder, die er gemalt hat, wären auch keinen Kunst gewesen.
Drittens: Kunst ist, was als Kunst rezipiert wird. Hier kommen wir zum des Kaisers neue Kleider Prinzip und zu den Fallstricken des Menschseins: dass wir uns gerne gegenseitig etwas vormachen und wenn genügend viele sich im einander etwas Vormachen einig sind, wird das, was man sich vormacht wahr und hat einen messbaren Wert. Wir hatten ja Duchamp angesprochen. Seine Fontaine,

Worum geht es bei deiner Kunst?
In meiner Kunst mischt sich Geschriebenes mit Fotografie. Mein Blog ist das Kunstwerk oder die Literatur oder eben einfach nur ein Blog, in dem sich das alles mischt. Ich bin Konzeptkünstler, setze komplexe Gedankenkonstrukte um und visualisiere sie in Fotocollagen und Texten. Der Stoff oder das Leitmotiv meiner Kunst ist die Straße. Seit 1995 mache ich auf langen Fahrradreisen alle zehn Kilometer ein Straßenfoto – immer mit Normalbrennweite in Richtung Reiseziel. Das ist die sture Struktur für Ausstellungen, in denen die Straßenfotos dann mit den schönen Motiven, die einem unterwegs so ins Netz gehen angereichter werden. Seit 2010 verlagert sich meine Kunstaktivität zunehmend ins Netz. Ich blogge live, z.B. auf dem Jakobsweg oder 2012 auf der North Sea Cycle Route. Am liebsten würde ich mich selbst als Appspressionist sehen, weil das so lustig nach Expressionismus klingt.

Wie entstehen deine Kunstwerke?
Unterwegs, spontan, aus der Hüfte geschossen seit 2010 fast ausschließlich mit dem Smartphone. Manchmal setze ich ähnliche Bilder zu Bildcollagen zusammen. So lassen sich per Smartphone riesige Abzüge in hoher Qualität erzeugen.

Hast du ein Atelier?
Ja, in einem umgebauten Rinderstall – aber ich arbeite vorwiegend am PC oder auf dem Smartphone und das Atelier ist unterwegs. Mein Ziel ist es, das Blog als Kunstwerk zu etablieren und die live gebloggten Reiseinhalte sind die Kunst. Jeder darf mitkommen und beim Entstehen neuer Kunststraßen und Livereisen über die Schulter schauen.

Wie bist du eigentlich Künstler geworden?
1988 musste ich wegen Zivildiensts ein Bauingenieursstudium nach dem zweiten Semester unterbrechen – zwanzig Monate später konnte ich da nicht wieder Fuß fassen. Nach zwölfjährigem Training hatte ich mir ein normales Leben abgewöhnt mitsamt den Existenzängsten, dem sinnlosen Wollen und der Illusion, Geld böte auch nur irgendeine Sicherheit oder bringe gar Glück.

Wie verbringst du einen “normalen” Tag?
Unterwegs: radelnd oder zu Fuß dem Reiseziel entgegenstreben – Blogartikel wachsen prächtig im Hirn, wenn man so vor sich hin läuft oder radelt. Mit der Kamera all die tollen Motive vom Wegesrand mitnehmen. Abends Zelt aufbauen, kochen, Blogartikel schreiben und Bilder bearbeiten. Der Rest ist Zufall.
Daheim: wenn Webseitenaufträge da sind am PC sitzen und die erledigen. Bilder bearbeiten, Kunstprojekte formulieren, im Web Kooperationen recherchieren, auch eine kreative Arbeit. Das ganze gut durchmischt mit Gartenarbeit und ein bisschen Holzfällerei. Seit 2014 bin ich auf dem Weg zur Selbstversorgung.

Wie finanzierst du dein “Künstlerleben”?
Ein Scherz: Jeder, der mir diese Frage stellt, muss mir fünf Euro geben. Davon kann ich prima leben
Im Ernst: Massiver Konsumverzicht, ab und zu eine Webseite oder ein bisschen Grafikdesign. Kunstverkauf, T-Shirts, E-Books. Selbstversorgung im eigenen Garten.

Wo kann ich deine Kunst sehen und vielleicht sogar kaufen?
Das Blog als Schaltzentrale: http://irgendlink.de – meist Text aber wenn man genau hinschaut, sieht man die Projektestruktur mit den journalistisch-literarisch-künstlerischen Rohstoffen.
Bilder: http://appspressionismus.de und http://idogma.com und http://iphoneart.com/irgendlink
T-Shirts: http://spreadshirt.de/idogma
E-Books: http://www.neobooks.com/werk/23795-schon-wieder-ein-jakobsweg.html
Print: http://www.epubli.de/shop/buch/33380

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12 Kommentare zu „Kunst – am Strand, am Wegrand, überall?“

  1. ja, da lässt es sich weiterdenken und/oder zustimmen, ich nehme das jetzt mal mit, es wird schon seinen Raum finden …
    danke fürs teilen und mitteilen
    herzlichst Ulli

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  2. Ach die Künstlerseele, liebe Soso, manchmal denke ich, dass sie in jedem Menschen schlummert. Nur ist sie bei manchen so vergraben unter Strukturen und Gewohnheiten und Gelernten, dass diese Menschen gar nicht wissen dass in ihnen ein Künstler steckt. So ging es mir – und erst jetzt beginne ich mich zu trauen diesen Teil meiner Seele anzuerkennen… Ich fand das Buch von Julia Cameron „Der Weg des Künstlers“ dazu auch sehr inspirierend…schön dass Du hier Anstöße und Gedanken zum Künstlersein teilst, werde dazu bestimmt die Tage auch nochmal in mich gehen. Freue mich auch über Jürgen a.k.a irgendlink mehr zu erfahren, spannend seine Antworten! Liebe Grüße, Lara

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    1. Ich danke dir herzlich für deine Zeilen. Ja, das Buch von Cameron war bei mir auch ein nicht unwesentlicher Anstoss.
      Ob in allen Menschen diese Künstlerseele schlummert? Da bin ich nicht sicher. Also, versteh mich richtig: Ich glaube, dass jeder Mensch kreatives Potential hat. Und Malen, Singen, Tanzen, Schreiben, Fotografieren kann. Könnte.
      Weil … was für mich die Künstlerseele ausmacht, ist diese Sehnsucht nach seiner ganz spezifischen Form des Ausdrucks. Diese Notwendigkeit des Schreibenmüssens, Erschaffenmüssens. Und die, das kann ich sagen, da ich viele Menschen kenne, die haben nicht alle.
      Das ist alles aber nicht wertend gemeint. Es haben einfach nicht alle die gleichen Affinitäten. Es sind nicht alle Mathegenies oder so. Ich denke, mit der Künstlerseele ist es irgendwie ähnlich.
      Spannend, über diese Dinge nachzudenken und bei sich hinzuschauen.
      Hier, im Netz, in den Blogs, tummeln sich viele KünstlerInnenseelen. Drum ist es mir ja so wohl hier … 😉

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    2. Jaaaa, hmm…irgendwie finde ich es nicht so einfach zu sagen dieser Mensch hat eine Künstlerseele und jener nicht, nur weil bei dem jenen dieser Seelenteil nicht so sehr nach Ausdruck drängt. Und ist Mathematik z.B. nicht auch eine Kunst bzw. bedingt diese, ist Grundlage usw. Ich glaube zumindest, dass jeder Mensch irgendwo in sich künstlerische Seelenanteile trägt und die Chance hat, diese zu aktivieren und zu leben – ob in Mathematik, Handwerk, Juristerei, Back-Kunst…Aber ich gebe dir recht, vor allem hier im bunten Blog-Universum tummeln sich die Künstlerseelen, die sehr nach Ausdruck und Austausch drängen. 😉

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    3. Ich entscheide das nicht für andere, mutmaße nur zuweilen beim einen und der andern. Und Kunst hat viele Facetten. Für mich steht der unbedingte Wunsch und Wille nach Ausdruck im Zentrum.
      Es lebe die Vielfalt! 🙂

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  3. ob mir auch so wohl hier ist, weil mir das bloggen soviel kunst offenbart? viel mehr als in vorbloggzeiten? aber ich sehe mich nicht als künstler in dem sinne. obwohl mich etwas treibt – sowohl beim fotografieren als auch beim seife machen.
    hm … eigentlich ist es mir aber egal 🙂 ich bin froh, hier soviel verschiedene facetten des lebens kennenzulernen! so viele verschiedene menschen! es ist einfach bereichernd, nährend.
    schön ❤
    das ist die hauptsache! für mich jedenfalls. 🙂

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    1. Du Künstlerinseele du. Da habe ich keine Zweifel. Und das meine ich eben ungeachtet von Kommerzdenken, einfach in der Seele drin: Was treibt dich an. Was nährt dich. Was siehst du und wie. Was motiviert dich. Das sind für mich die entscheidenden Fragen. Nicht die hübsche Etikette mit Farbkleks und Klischee drauf.
      Danke dir! ❤ -liche Grüessli

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