Das echte Leben. Und du so?

Wäre sie die Figur in einem Film, würde ihre Rolle von jeder Filmkritikerin in der Luft zerrissen. Zu klischeehaft. Zu vorhersehbar. Zu … Schreibt jedoch das Leben selbst das Drehbuch, kommen dabei Figuren heraus, die man sich so nicht auszudenken trauen würde. Nicht als Drehbuchautorin, nicht als Plotlieferantin. Nie und nicht. Wie sich Herrchen und Frauchen im Laufe eines Lebens einander angleichen, ähm an ihre Hundchen meinte ich natürlich, so gleichen sich wohl auch Menschen im Laufe der Zeit an ihre Berufe, an ihre Arbeitsstellen an.* Und nun wird also ihre große Stelle entflochten und auf zwei Menschen verteilt. Und sie wird nach dreizehn Jahren eine neue Arbeitsstelle antreten.

Fakt ist, dass meine Stellenvorgängerin – hm, nun ja … nein, ich frage andersrum: Wie stellt ihr euch eine klassische, alle gängige Klischees bedienende Sekretärin an einer Schule vor? Ja, genau so ist sie. Nein, sie ist mir nicht wirklich unsympathisch, aber ich glaube, ich bin einfach froh, dass ich nicht mir ihr zusammenarbeiten muss. Nicht nur aber auch, weil wir ziemlich diametrale Ansichten zu so ziemlich allem haben.

Schicker, vermutlich auf Schlankmachung angelegter Schlabberschichtenlook, angetan mit lauten Klapperschuhen an den Füßen, die den hellhörigen Schulfluren noch genau das fehlende Etwas verleihen, das ich so was von überhaupt nicht ab kann (mit Klapperschuhen könnte man mich foltern: ich würde alles zugeben, sogar meine Unschuld). Außerdem ist sie unschlagbar genial organisiert (aus ihrer Perspektive), respektive ziemlich chaotisch im Vorgehen (aus meiner Perspektive), dazu sprunghaft, sehr leicht ablenkbar … Nun ja (bin ich ja selbst auch …).

Die einen reden über jene, der hat das, und die dies gesagt …

Ja, zugegeben, der neue Scheff hat mich vor ihr gewarnt. Doch halt, müsste mich dann nicht – genau genommen – auch jemand vor ihm warnen?

Wem soll ich vertrauen, zumal es deutlich zu fühlen ist, dass er die andere neue Sekretärin, die mir sehr sympathisch ist, ein bisschen zu tough findet? Und verdammt, wie kann ich mich vor Tratsch fernhalten, vor Tratsch und Klatsch, der nun wirklich niemandem dient? Sag es laut: NIEMANDEM!

Morgen um acht geht’s weiter mit der Stellenübergabe. Gut, dass ich bei so frühem Arbeitsbeginn nur eine knappe Viertelstunde Arbeitsweg habe. Und zum Glück ist so früh die Ausnahme.
Und nein, eingearbeitet bin ich morgen Abend natürlich noch lange nicht, doch vieles wird ja eh neu angedacht. Und wir haben Zeit. Stress ist vorläufig keiner zu erwarten. Dennoch jammern bereits die ersten Lehrpersonen, weil nachher alles anders wird. Alles. Anders.

Nein, ich nehme das nicht persönlich. Ich kenne uns Menschen. Wie wir es lieben, wenn das Frauchen zum Herrchen passt. Und zum Hundchen. Und zum Schreibtisch und zu den Vorhängen; und zu den Vorgängen auch noch. Niemand mag Wechsel. Alles soll einfach immer rund laufen. Funktionieren.

Das war mein Tag, Liebling. Danke gut, und du so? 😉

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(* Notiz an mich: Wie müsste ich dann sein, aussehen, mich verhalten, als pädagogisch ausgebildete Buchhändlerin-Betreuerin-kauffrauisch Angestellte? Oder ist das womöglich zu viel des Guten und ich darum unpassend für gängige Schubladen?)

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15 Kommentare zu „Das echte Leben. Und du so?“

  1. oh und ach 🙂 ich sehe sie vor mir! mit ihren schrecklichen schuhen und ihrem dutt und ihrer lesebrille halb auf der nase! 🙂
    du beschreibst es so liebenswert, als wärst du schon immer dabei.
    mach dir keine gedanken – sei. einfach. du.
    und dem tratsch geht man gut aus dem weg, wenn man allen einfach zuhört und alles für sich behält. das geht super. rate, woher ich das weiß 🙂

    ich freue mich, dass es gut gelaufen ist. 🙂 viel spaß morgen!
    ❤ lich grüße ich dich!

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    1. Hihi. Nein, zwar Dutt nicht, dafür jünger machend, dunkelrot gefärbte modisch schicke Kurzhaarfrisur … und dazu passend modische Gleitsichtbrille … 🙂 Hach, ich liebe Klischeeüberzeichnung ja schon irgendwie. Zumal ich nichts dafür kann …
      Und ja, ich kann dort gar nicht anders als einfach mich sein. Ich habe heute auch schon gesagt, dass ich mich dazu und dazu nicht äussere und dass wir doch über den und den gar nicht wissen, warum er so und so … tja.
      Ich wünsch mir, diese klare Haltung behalten zu können. Auf die Gefahr hin, mich als Außenseiterin zu verhalten. Denn ich bin echt keine, die weitertratscht. Oder nur das, was die Person auch hören dürfte. (Oh, ist das hier auch Tratsch? Nun denn, die Ausnahme muss ja auch mal sein und eine meiner Regeln ad absurdum führen … 🙂 )

      Woher du das weißt mit dem zuhören und nicht weitererzählen, hm, gute Frage? Von mir nicht … oderrrr? *lach* Nein, wohl eher von deinen Kollegen?!

      Ja, es ist eigentlich gut gelaufen, aber es war schon ziemlich anstrengend. Zumal ich bei ihrer Übermittlung schwer den roten Faden erkennen konnte. Aber morgen werde ich sehr konkrete Fragen zu Abläufen stellen.
      Und in die Papier-Ordner und PC-Dateien reingucken.
      (*flüstermodusein* Datenbackup wird nicht gesondert aufbewahrt. Und es gibt für die externe Festplatte keinen Tresor. Da werden wir ein paar Neuerungen einführen müssen. Finde ich. *flüstermodusaus*)
      Danke für die liebe Mail.

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    2. ich habe doll an dich gedacht.
      und ja, ich halte es seit jahren so, dass ich zuhöre, wenig kommentiere und auch nichts konkretes weiter gebe. das macht mich zu einer person, der man alles anvertraut. aber auch zum sonderling. damit kann ich aber gut leben. 😀 ich bin schwer greifbar für die anderen.
      nur sehr wenige kennen mich wirklich. das sind freunde.
      bei allen anderen bleibe ich immer die, der man alles erzählen kann.

      das hat den vorteil, dass ich über vieles und viele bescheid weiß und wenige tratschen über mich. jedenfalls nichts wichtiges. 😀

      konkrete fragen und eine bessere datensicherheit sind schon mal gute veränderungen!

      schlaf gut! 🙂 bis morgen.

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    3. Das ist eine gute Haltung. Ich bin wohl oft viel zu leutselig und mache mich so verletzbar. Aber im Grunde ist das einfach so, wie ich bin.
      Vielleicht wäre es aber mir zuliebe gut, mal so wie du es schreibst, zu probieren. Mich weiter öffnen kann ich ja immer.
      Mir wurden und werden auch immer sehr berührende Dinge anvertraut.
      Ich danke dir herzlich!

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  2. Du hast ja so Recht: „Niemand mag Wechsel. Alles soll einfach immer rund laufen. Funktionieren.“ Wie ich davon träume! Ich möchte keine neue Arbeitsstelle antreten müssen, es ist ja noch nicht so lange her seit meinem letzten Wechsel. Wobei … 2 Jahre sind es doch auch schon. Aber hey, irgendwann läufts, und wenn es die richtige Stelle ist, wirds richtig gut! Ich wünsch dir von Herzen, dass du mit dem Job diesmal so viel Glück hast wie ich. Bei mir hats ja auch lange gedauert, bis es soweit war. Nun bist einach DU an der Reihe. :-)))

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  3. Haha! Herrlich! Es tut mir leid, dein Bild von einer Anwaltssekretärin in Frage zu stellen, aber das habe ich etappenweise auch schon gemacht und ich hatte zum Glück noch nie eine modische Kurzhaarfrisur (womöglich mit noch modischeren Mèches, eeeeek!) und einer peppigen Brille (scheint auch ein Bestseller bei IT-Personal zu sein, vor allem wenn die Bügel geometrische Muster aufweisen, weil so ‚flippig‘ 😉 Du siehst, ich liebe es auch, mich bei Klischees zu bedienen und ich sehe deine Vorgängerin vor meinem inneren Auge. Dass sie auch noch unschlagbar genial organisiert ist – WOW!!! – macht es sicher enorm schwierig in ihre riesigen Fussstapfen zu treten 😉 Gutes Einleben dort bei deiner neuen Stelle und bis morgen. Freue mich.

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    1. Hihi, es lebe das Klischee, ich kann es nicht genug wiederholen.
      Dennoch, Menschen, die das Klischee ihres Berufes so extrem und detailliert verinnerlicht haben, kann ich, sorry, nie so richtig ernst nehmen. Aber nun sind es ja nur noch ein paar Stunden. Und die nächste Woche ist dann alles gaaanz anders. 🙂
      Bis morn, freue mi au. ❤ -lich, Soso

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  4. Tja so ist das mit dem Wechsel und den Veränderungen. Bei uns im Büro geht’s da oftmals auch nicht anders zu und dann ganz plötzlich, siehe da, das Neue kann auch mal ganz gut und nützlich sein. *staun*

    Schon spannend, wie wir Menschen da manchmal ticken. 🙂

    Herzliche Grüsse
    Nicky

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    1. Ich brauche ein gesundes Maß an Abwechslung. Zu viel stresst, bei zu wenig stagniere oder langweile ich mich. Aber nicht Abwechslung um ihrer selbst willen, sondern weil sie notwendig ist.
      Danke für deine Zeilen!
      Ach, und natürlich auch herzlich willkommen hier!

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