Alles für die Katz‘

Sonntagmorgen. Wir liegen im Hochbett. Gemütlich ist es unter den warmen Decken. Zeitlos. Unten die über Nacht abgekühlte Restwohnung. Kalt. Ungeheizt. Beide haben wir keine Lust, aufzustehen.

Mietze
Sie kann auch anders.

Die Katze hört, dass wir wach sind und macht sich bemerkbar. Sie kennt ihre Bedürfnisse und meldet sie an. Hunger. Wenn sie nur zum Pinkeln raus müsste, könnte sie. Die Katzenklappe ist ja auf.
Ähm, ist sie auf? Ich habe sie jedenfalls gestern Nacht nicht zugemacht, sage ich. Der Liebste ist sich allerdings nicht sicher, ob er sie womöglich vor dem Zubettgehen doch zugemacht hat. Zumal er sie am Tag zuvor versperrt hat, damit nicht wieder andere Tiere reinkommen. Also: zu oder offen? Muss Mietze also nur aufs Klo oder hat sie richtig schönen Hunger und nervt deshalb so herum?

[Nervt sie herum? Tja, Wahrnehmungen sind mal so, mal so. Für den gleichen Sachverhalt.]

Und ja, Katzen sind eigentlich ganz schön toll und haben uns was wichtiges voraus: sie werten ihre Bedürfnisse nicht. Sie haben sie einfach. Und sie melden sie einfach bei jenen an, die sie ihnen erfüllen können. Sie wissen: Futter bekommt man in der Regel vom Persönlichen Personal, das sich manchmal wichtig Herrchen nennt. Wie also mitteilen, dass man Hunger hat, wenn das PP kein Kätzisch verstehen will? Ein bisschen Hin und Her gehen, das mag er nämlich nicht und tut dann was dagegen. Eine sehr einfache Strategie. So einfach, dass es schon wieder genial ist.

Wir denken darüber nach, warum Menschen, insbesondere sogenannt erwachsene, es nicht ähnlich machen. Warum sie sich mit ihren Bedürfnissen zuweilen so schwer tun. Scham empfinden. Sich schwach und unkuhl fühlen, wenn sie auf einmal bedürftig sind.

Mietze lebt eigentlich nur hier, weil sie weiß, dass wir ihr Futter geben, sagt Irgendlink. Sie ist eigentlich wild, undomestiziert. Und das weiß sie auch.

Und sie weiß genau, dass wir es auch wissen.

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25 Kommentare zu „Alles für die Katz‘“

  1. Also ich kenne einige Menschen, die keinerlei Probleme damit haben, ihre Bedürfnisse zu kommunizieren! Statistisch gesehen ist es in meinem Umfeld eher beim männlichen Geschlecht zu beobachten, was natürlich keine Verallgemeinerung sein soll. 😉
    Schönen Sonntag noch!

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    1. @eckisoap: Ich mag es, wenn wir Menschen unsere Bedürfnisse, unter Anwendung unserer sozialen Kompetenzen natürlich – anmelden und einfordern. Und ich übe es auch. Ein sehr weibliches Beispiel beobachte ich oft. Wir sollten aufs WC, wollen aber den Menschen gegenüber, der uns gerade sein Leben (oder auch was total Langweiliges) erzählt, nicht unterbrechen. Zum Beispiel. Es gibt viele Übungsgelegenheiten, da katzenähnlicher zu werden. Im Positiven gemeint.

      @anhora: Ja, genau, Frauen tun sich echt schwerer damit, so auch meine persönliche Erfahrung. Was ich auf Konditionierung/Erziehung/Prägung zurückführe. Weniger von Natur aus, wage ich mal zu behaupten.

      Danke euch!

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  2. Und „eigentlich“ sind wir ja auch wild, aber leider an manchen Stellen schon „zu“ domestiziert, der Trost: wir können die Schichten wieder abtragen, die sich abgelagert haben und unsere Wildnatur wiederentdecken 😉
    liebe Grüsse Ulli

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    1. Ja, zum Glück können wir die Domestizierung wieder lösen und uns auswildern, sozusagen, aber dazu braucht es erstmal einige wesentliche Erkenntnisse.
      Danke, dass du mich dahingehend auch immer mal wieder (ohne es zu wollen/zu wissen) motivierst. ❤

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    1. Wie Göttin mich schuf, bin ich in den kalten Vorraum getappt, habe eine Packung Futter in den Napf getan und bin wieder zurück ins warme Bett gehuscht. Aufgestanden sind wir irgendwann später auch, ja. 😉 ❤

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  3. Zum Glück können Katzen nicht sprechen, sondern nur miauen. Sonst würden sie den ganzen Tag lamentieren und ihre hauseigenen Diener oder eben ihr PP herumkommandieren. Sowas würde ein Hund NIE tun 😉 Ich schneide mir trotzdem eine Scheibe von den Katzenallüren ab. Kann nicht schaden und ist bestimmt nicht für die Katz. Danke für die Erinnerung daran.

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  4. Morgens um 5 Uhr könnte ich die vor die Wand klatschen….aber um 8 Uhr, wenn sie ihr Futter bekommt, dann wird versucht sie zu streicheln. Es bleibt beim Versuch; sofort sind die scharfen Krallen da.

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    1. Und das tut sie bestimmt auch, obwohl der LIebste manchmal über sie „lästert“.

      (Schade haben wir uns am Freitag in der Stadt verplaudert und waren zu spät fürs Atelier und zu früh für einen Besuch bei euch daheim. Tja, ein ander Mal dann wieder!)

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