Eigentlich mal wieder

Eigentlich sollte ich eine Buchbesprechung schreiben, eine die ich der Autorin versprochen habe. Im Blog oder auf einer meiner Webseiten. Eine moralische Pflicht. Weil ich gesagt habe: Ich mach das. Und weil ich ein kostenloses Rezensionsexemplar bekommen habe.

Ihr kennt das Dilemma: Der Lesegeschmack hat sich geändert. Das wäre vielleicht die neutralste und netteste Umschreibung für: Ich mag das Buch nicht wirklich.

Andererseits, ich gestehe es, ist es ja so, dass ich es verschlungen habe. (Was das wohl jetzt über mich aussagt?)

Und genau das ist auch ein Dilemma: Ich habe das Buch ja nur deshalb verschlungen, weil es so leicht verschlingbar ist, leicht verdaulich, leicht lesbar und nirgends blieb etwas wirklich hängen. Das Buch hat keine Kanten. Die Handlung ist vorhersehbar. Ein bisschen wie RTL, das ich – zu meiner Schande sei’s gesagt – zum Glück nur vom Hörensagen kenne.

Die Geschichte folgt einem gewohnten Spannungsbogen – ähnlich den Vorgängerbüchern dieser Krimi-Serie. Die Figuren kenne ich inzwischen. Die weibliche Hauptfigur ist trotz ihrer schlimmen Vergangenheit eine reine, liebe, nette, moralisch einwandfreie Frau, die ihrem Partner, der Fahnder bei der Kriminalpolizei ist, sogar verzeiht, als er mit ihr umspringt, wie man mit mir nicht umspringen dürfte. Statt ihn in die Wüste zu schicken, hofft sie nur, dass er sich nicht von ihr trennt. Nun ja …

Ihre mit Abstand größte Schwäche ist die, dass sie immer wieder auf eigene Faust ermittelt, weil sie jemandem helfen will oder muss, und sich so, auch in diesem Band wieder, immer mal in Lebensgefahr begibt. Auch diesmal wird sie schlussendlich gerettet und nimmt schließlich den Heiratsantrag ihres Polizisten an. Ooops. Hätte ich nicht verraten sollen. Wobei. Man weiß das ja ab dem Moment, wo er ihr in der Mitte des Buches den Ring gibt.

Die beiden Bösen haben zwar schon einen Grund, dass sie so böse geworden sind, natürlich, und es gibt sogar ein nachvollziehbares Motiv, ein ökologisches sogar, aber dennoch sind die beiden so schwarzweiß in ihrem optischen, sprachlichen und sozialen Auftreten dargestellt, so zweidimensional, so klischeehaft, dass ich zunehmend frustrierter bin, je mehr ich lese, und immer auf etwas mehr Grautöne hoffe. Mir reicht das nicht.

Beim ersten Buch der Autorin war ich gnädig, es war ja ihr Erstling. Und außerdem geschieht die Geschichte ja in meiner Heimatstadt. Und ich mag es, wenn Bücher in meiner Heimat spielen. Und überhaupt. Ich meine, es sei spannender gewesen als das hier. Gut, ich mag die Figuren, sie sind mir sympathisch. Dennoch stört mich jetzt, was mich schon beim ersten Buch gestört hat, je länger je mehr: Allem voran ist es wohl die unoriginelle, floskelhafte Sprache.

Und fast ebenso sehr nerven oder behindern mich die ständigen Erklärungen und Adjektive. Nichts bleibt meiner Phantasie überlassen. Nichts dem Zufall. Alles wird erklärt. Jede Gefühlsregung – obwohl sie schon in den Dialogen sichtbar ist – wird nochmals nachgeliefert. Hätte ich das Buch lektoriert, hätte ich der Autorin besonders solche für mich nicht unerheblichen stilistischen Feinheiten auszuarbeiten ans Herz gelegt.

Zitate gefällig?
Sein Gesicht nahm einen verschlossenen Ausdruck an. […] Jetzt huschte ein Lächeln über sein Gesicht. […] Wir tappen überall im Dunkeln.

Nun denn, der Plot ist soweit okay. Serienmorde aus Gründen, die ich nicht verraten will.

Doch fehlt mir auch hier die Tiefenschärfe, das Dreidimensionale: ein bisschen mehr Leben und Dreck bei den Guten, ein bisschen mehr Verständnisvermittlung bei den Bösen. Grautönen eben, denn Figuren, die nur gut oder böse sind, überzeugen mich nicht. Wir sind alle alles. Ich jedenfalls.

Und nun weiß ich nicht, was ich machen soll.

Das Buch sehr kritisch besprechen vermutlich.

Und weiterhin darüber nachdenken, was eigentlich einen guten Text wirklich ausmacht. Dabei muss ich mal wieder an einen wunderbaren Blogartikel von Irgendlink denken. Über gutes Schreiben. Über Füllwörter. Über das Kürzen.

Und darüber, dass im Grunde jeder und jede so schreiben soll, wie sie will. Ich muss es ja nicht lesen, ich Text-Snobine

Und ja, ich werde auch darüber nachdenke, was eine gute Buchbesprechung eigentlich ausmacht.