Ich habe auf der Autobahn den Stein der Weisheit gefunden

Wie ich heute Nachmittag so über die Autobahn nach Norden, zu Irgendlink, fahre, einen neuen Song von Patent Ochsner mitsinge und – fast ohne wirklich zu denken – über ein paar Gespräche, die ich in der letzten Zeit geführt habe, nachdenke, begreife ich auf einmal: Es war die ganze Zeit da. Vor meinen Augen. Das Ding. Das Wissen. Die Weisheit. Ich hatte den Stein der Weisen die ganze Zeit in der Hand.

Beim Liebsten, auf dem Sommersofa auf der Terrasse sitzend, kann ich kaum warten, bis ich ihm die gute Nachricht erzählen kann. Du hast ihn auch, sage ich, deinen Stein der Weisheit. Eigentlich habe ich ihn dank dir entdeckt.

Was erlebst du, wenn du Rad fährst, wenn du eine deiner Konzeptreisen machst, wenn du unterwegs bist auf deinem Weg?

Was erlebe ich, wenn ich eine Idee habe und daraus einen Text, einen Artikel, eine Geschichte oder ein Gedicht schreiben kann?

Was erlebt B., wenn er einen Song austüftelt und dazu die passenden Instrumente, Melodien und Worte findet?

Was erleben S. oder M., wenn sie eine Rolle einüben, mit der sie auf der Bühne das Publikum begeistern?

Was erlebt K., wenn er eine Idee hat, sich hinsetzt und ein Bild zeichnet?

Was erlebt E., wenn er aus Extrakten seines Alltags seine tollen Blogartikel schreibt oder G., wenn er ein neues Kapitel seiner Lebensgeschichte in einen Blogtext verwandelt?

Was erleben wir beim 6, wenn wir uns einander mit Haut und Haar ausliefern und uns einander und dem Augenblick hingeben?

Was erlebten wir als Kinder, wenn wir … ach, du weißt es längst. Du weißt längst, was ich meine. Es ist die Hingabe, es ist der Fluss, es ist die Gabe des Augenblicks, die Essenz des wahren, wirklichen Lebens, die wir erleben, wenn wir das tun, was nur wir nur so tun können, wie wir es tun, wenn wir es tun.

Das ist die Essenz, das ist der Stein der Weisen, sage ich. Er nickt. Er versteht. Er weiß, was ich meine.

Aber warum, frage ich, warum nur ist es so schwer? Warum legen wir uns selbst immer diese Fesseln an, warum ist da so viel Missgunst andern gegenüber, so viel Selbstsabotage uns selbst gegenüber, so viel Kleinglaube, der unseren Mut ersticken will? Wer, wenn nicht wir selbst, können uns diese Fesseln ausziehen?

Mein Stein der Weisheit ist wohl eine Art Same. Ich darf ihn in Liebe baden. Er wächst, den mein Stein ist ein organischer Stein, er wächst, wenn er genug Licht hat, wenn er genug Luft und Wasser hat. Und wenn er es schön warm hat, kann er Wärme abstrahlen. Und wenn man von ihm ein Stück abbricht – ja, das geht bei meinem Stein der Weiseheit – kann das Stück auch bei anderen Menschen weiterwachsen. Denn mit dem Stein der Weisheit ist es wie mit der Liebe: Je mehr wir von ihm weitegeben, desto besser kann er wachsen.

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14 Kommentare zu „Ich habe auf der Autobahn den Stein der Weisheit gefunden“

  1. Ja! Ja! Ja!

    (Ansonsten sprachlos auf diesen Text blickend, der … Schulstoff sollte er sein, jedem Kind in Fleisch und Blut übergehen auf daß er nie wieder auch nur einem einzigen Menschen Verlorengeht!)

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  2. Dieser Fluss, den du beschreibst, schaffst du nur, wenn verschiedene Kriterien zusammen kommen. Die Aufgabe/Tätigkeit, die dich in den Fluss bringt, muss deinen Fähigkeiten entsprechen, sie muss ein Ziel haben, darf dich weder über- noch unterfordern, du musst unmittelbar Erfolge sehen können und du musst das Gefühl haben alles unter Kontrolle zu haben. Erst wenn alle diese Faktoren zusammen kommen (und wann passiert das schon bei der täglichen Broterwerbsarbeit?), kommst du in den Flow, der die Zeit und das ablenkende Denken/Grübeln über alle möglichen und unmöglichen Dinge auflöst.
    Das selbstvergessene zeitlose Versinken in einer Tätigkeit im Hier und Jetzt, ist das Glück, das in dir liegt, wenn du mit dem was du tust völlig eins bist. Aber nur wenige haben das Glück, mit diesen ihnen ureigenen Tätigkeiten/Fähigkeiten ein Auskommen mit dem Einkommen zu erzielen und deshalb ist der Flow im täglichen Erleben (z.B. in der Arbeitswelt) ein Glücksfall., denn in den seltensten Fällen passen alle Kriterien nahtlos zusammen.

    Liebe Grüße,
    Szintilla

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    1. Ja, liebe Szintilla, das sind natürlich nicht nur wir selbst, die wir uns Bremsklötze in den Weg legen, es sind oft genug auch unsere Lebensumstände, die dafür sorgen, dass …
      Und doch: Wir unterschätzen womöglich, oder anders: ich habe unterschätzt, bisher, dass ich gewisse Dinge beeinflussen kann. Die Kündigung vor einem Jahr zum Beispiel war das einzig Richtige. Und das Glück meiner neuen Arbeitsstelle. Ja, vielleicht ist es Glück. Vielleicht ist es aber die Haltung in mir drin, die sich endlich verändert hat: Ich bin endlich offen dafür, diesen Flow, dieses Glück im Alltag – ja, sogar bei der Arbeitsstelle manchmal – zulassen zu können. Nun aber nicht den falschen Umkehrschluss ziehen, dass wir am Unglück selbst schuld wären …
      Dennoch denke ich, dass sich – in meinem Fall – mit der inneren Haltung vieles verändern lässt. Nur, die innere Haltung zu verändern, ist dann wieder ein anderes Thema. Wie das geschehen konnte zum Beispiel … hm.
      Manches entzieht sich meinen Erklärversuchen. Danke für deine kostbaren Gedanken und deinen Diskussionsbeitrag.
      Herzlichst, Soso

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  3. Srtimmt, die innere Haltung ist ein wichtiges Kriterium und eine Voraussetzung dafür auch bewusst nach den Dingen zu suchen, die wir selbst beeinflussen können, um den Flow zu erfahren. Glück fällt einem nicht nur in den Schoß, ein bisschen kann man auch selbst dafür sorgen. 🙂

    Liebe Wochenendgrüße,
    Szintilla

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    1. Ich glaube, gut und gesund leben, beinhaltet auch, im Gleichgewicht zwischen jenen Dingen, die wir ändern und jenen, die wir nicht ändern können, zu leben.
      Daran arbeite ich intensiv.

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    1. Perfekt muss es eh nicht, sonst wäre es künstlich. Und immer auch nicht, das wäre ungesund.
      Aber immer mal wieder – weil es uns gut tut und weiterbringt.
      Das Maß macht die Wirkung der Medizin – oder so!
      Danke für deine Gedanken.

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