Das Leben wie gedruckt

Ist sie womöglich ein Teilaspekt von Fragmentexaktkunst, wie Emil gewisse Kunstbereiche im Kommentarstrang seines gestrigen Artikels neu benamste? Irgendlink nennt es Liveprint. Aber eigentlich hat das Kind bis jetzt noch keinen richtigen Namen. Weil ihm die Anerkennung der Kunstgurus fehlt. Weil es diese Art Kunst noch gar nicht wirklich gibt. Nicht offiziell jedenfalls. Was immer offiziell bei Kunst heißen mag.

Ist Kunst, ist ein Kunstwerk, ist eine Kunstform erst dann anerkannt und offiziell, wenn es an Kunsthochschulen darüber Vorlesungen gibt?

Ob es darüber je Vorlesung geben wird, wissen wir nicht. Und im Grunde interessiert mich das auch nicht.

Fakt ist, dass es diese Kunstform gibt. Weil wir sie praktizieren. Weil wir mit unseren Smartphones durch die Gegend laufen und von unterwegs Bilder und Texte an den Drucker senden, der – und nun kommt’s – in einer Galerie vor leeren Wänden steht. Dort befindet sich ein zweiter Kunstspinner und entnimmt dem Drucker die Bilder, die eben noch auf dem Smartphone des zweiten Kunstspinners nur rein virtuell existiert haben.

Im Moment des Druckens werden sie wirklich, wirklich (an)fassbar, diese heute noch inexistenten Werke. Texte. Kurze Sätze. Aphorismen vielleicht. Bilder. Collagen. Was beweist, dass sich Technik und Kunst ergänzen können.

Kultursonntag in DahnMorgen sind wir in Dahn und agieren im Rahmen einer interaktiven Gruppenausstellung, als Bild- und Text-Schaffende. Vor weißen Wänden.

Nochmals zum Mitschreiben: Die Kunst, die wir morgen ausstellen, gibt es heute noch nicht. Kann das Kunst sein? Womöglich sogar Fragmentexaktkunst (siehe oben), denn sie zeigt ja einen Ausschnitt gelebten Lebens, einen Ausschnitt des Ganzen, assoziativ, exakt, gegenwärtig, lebendig – eben noch Idee, schon gedruckt. Unmittelbarer Audruck im doppelten Wortsinn.

Kunst sind nicht nur die einzelnen Werke, die unterwegs entstehen werden, Kunst ist vor allem das ganze Konzept. Die Verbindung von Idee und Materie. Von Zeit und Raum. Von Assoziation und RezipientInnen/Betrachtenden.

Kunst wird erst durch die Betrachtung zu Kunst? Daran glaube ich nicht.

Kunst ist Akt, ist Bewegung, Handlung, Leidenschaft, Ausdruck.

Die Rose blüht auch, wenn niemand ihr zuschaut.

Die Rose blüht, auch wenn niemand ihr zuschaut.

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Ja, richtig: Liveprint-Aktionismus gab es hier im Blog bereits: hier →  klicken!

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1 Kommentar zu „Das Leben wie gedruckt“

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