Die Sache mit Dahn

Da fuhren wir gestern also nach Dahn, um weiße Wände zu befüllen. Und dann das! Keine weißen Wände! Sie waren bräunlich statt weiß. Ging aber trotzdem.

Und nichtsdestotrotz wurden wir herzlich Willkommen geheißen. Und ja, es hat total Spaß gemacht. Die Technik war schnell eingerichtet. Irgendlinks Handy fungierte als Router/Hotspot für Drucker und Laptop und ich würde die erste Runde machen. Losspazieren. Bilder sammeln. Texte mir ausdenken und in die Galerie mailen, an den Drucker, und im Hintergrund würde der Track mitlaufen, damit auf dem Laptop meine Strecke sichtbar würde.

Bereits standen erste interessierte AusstellungsbesucherInnen da, als ich mich auf den Weg machte. Ohne groß zu überlegen, wendete ich mich nach links. Schon sprangen mich erste Motive an, die ich mitnahm. Im Kopf entstanden Kombinationen. Collagen. Mit jedem Bild kam ein neuer Aspekt hinzu. Meine Sicht der Welt, meine Sicht auf Dahn, dieses nette deutsche Kleinstädtchen an einem Sonntagnachmittag im Mai. Bald wurde es mir zu warm und ich musste mein langes Shirt ausziehen. Auf der schönsten Bank der Welt.

Bank und so

Dort montierte ich auch die erste Collage und schickte einen daheim rudimentär zusammengeschusterten Text in die Galerie.

Liebe GaleriebesucherInnen der Galerie N in Dahn

Nun wird also diese verrückte Idee schon zum dritten Mal schon Wirklichkeit. Fängt nicht alles mit einem Gedankenblitz an, mit einem Samen, der winzigklein irgendwo in unseren Hirnwindungen herumzappelt. So lange, bis wir ihn zu Tode ignoriert oder ins Leben geholt haben.

Die Idee, die gelebte und erlebte Wirklichkeit eines Menschen, der hier sitzt oder geht, einem andern Menschen woanders sicht- und nachvollziehbar zu machen, ist sicher nicht neu.

Neu ist aber, dass wir heute so viele technische Hilfsmittel zur Verfügung haben, dass wir jemandem andern an einem andern Ort in Echtzeit teilgeben können, was wir hier und jetzt erleben.

Mit seinem Livereiseblog hat J+++ R+++ als Blogger Irgendlink das vor drei Jahren bereits praktiziert. Kaum geschrieben konnten wir seine Texte auch schon im Blog lesen.

Was nun hier und heute mit seinem Drucker geschieht, ist eine folgerichtige Fortsetzung seiner Livereise-Vision.

Ich bin jetzt hier draußen, in den Straßen Dahns, unterwegs. Auf dem PC könnt ihr mir folgen, könnt schauen, wo ich lang spaziere. Unterwegs werde ich einige Bilder aufnehmen, vielleicht sogar einige kurze Texte schreiben und ihr könnt zeitgleich mitkommen.

Die Bilder und Texte, die ich an den Drucker maile, werden praktisch in Echtzeit ausgedruckt.

Viel Spaß beim Spaziergang mit mir zusammen durch Dahn.

Herzlich, Sofasophia

Collagen und Einzelbilder folgten, während ich durch den kirmesschwangeren Kurpark mit Bühne für die SchunkelliebhaberInnen schlenderte. Alles da. Spielplatz. Menschen. Heile Welt. Neooppulenz.

WeisseRosen

Auf dem Rückweg spülte es mich an eine Tankstelle. Vier Elemente – ja, warum eigentlich nicht. Ist doch so.

vierElemente

Und zum Abschluss ein Openair, das mir besser als die Weiße Rosen-Schlager im Kurpark gefiel.

_ zur Dahnschen Soundcloud: hier → klicken!

Laufend neue Bilder und gehend neue Mails an die Galerie. Schnell sind meine anderthalb Stunden rum. Als ich zurück komme, ist in der Galerieviel los. Zwei Künstler, die wir kennen und die ebenfalls ausgestellt haben, stehen im Entrée. Hallo und wie gehts. Dann rauf zu Irgendlink, der eben meine letzten Bilder an die Wand klebt.

rotesFenster

Hippoesk

Der Journalist stellt Fragen zu unserer Arbeitsweise, ein Besucher will alles ganz genau wissen und fragt, wie wir die Bilder in klein, auf dem Handy, so großartig hinbekommen und ist begeistert von den beiden Collagen – eine aus Kopenhagen und eine aus Göteborg – die Irgendlink mitgebracht hat. Einzige Panne, die nicht vorauszusehen war: Mein Handy, das nun der neue Router/Hotspot sein soll, wird vom Drucker nicht erkannt. Restarts bringen auch nichts. Doof.

Irgendlink muss (oder darf) also mit meinem Handy losziehen. Ich habe zwar die ähnlichen Foto-Apps, aber es ist eben nicht das Gleiche (und das Selbe auch nicht). Dennoch schickt er schon bald klasse Bilder in die Galerie.

Jungfernstieg | Pic: Copyright by Irgendlink
Jungfernstieg | Pic: Copyright by Irgendlink
Seine Route läuft kreuz und quer durch den Ort.

Inzwischen stehen immer mehr Menschen vor der Bilderwand, die sich kontinuierlich füllt. Gute Gespräche mit immer wieder neuen BesucherInnen über Kunst entstehen, über authentische Kunst, die im Moment, genau jetzt, genau hier geschaffen wird. Großes Staunen über die Werke, die auf dem kleinen Handy entstehen. Und wie viel Knowhow sich bei uns beiden in den letzten vier bis fünf Jahren mit dem iPhone sich angesammelt hat. Jedes einzelne Bild ist im Grunde die Folge dieses verinnerlichten Wissens. Handwerk zum einen, einen geschulten Blick zum anderen. Dazu Phantasie, eine Idee vom fertigen Bild. Und die Freude am Kreieren. Die ganz besonders.

Später, mit Freunden im nahen Kurpark, schunkelmusikberieselt, merke ich, wie intensiv dieser Nachmittag war. Aber auch wie klasse. Und wie sehr es Spaß gemacht hat!

Advertisements