Bedingungslos?

Ich arbeite gerne. Und je mehr das, was ich arbeite, meinem Wesen und meinen Werten entspricht, desto lieber arbeite ich. Ja.

Aber.

Aber Arbeiten zu können, zu arbeiten, die Arbeit an sich – das alles ist nicht das, was mich ausmacht. Ist nicht das, was meinen Wert definiert. Ist nicht das, wofür ich primär geliebt und wertgeschätzt werden will. Ich bin nicht meine Arbeit. Das ist einer der Gründe, warum ich mir das Bedingungslose Grundeinkommen herbeiwünsche. Möglich, dass es in der Schweiz angenommen wird, nächstes Jahr, bei der Abstimmung. Es wäre zwar ein Wunder, doch unmöglich ist es nicht.

Die Vorstellung, dass alle Menschen – unabhängig von gesellschaftlichem Status, von gesundheitlichem Zustand, von sozialem Umfeld – Ende des Monats bedingungslos ein Grundeinkommen bekommt, beflügelt mich. Eine Utopie? Wer zahlt das und wird es nicht zwangsläufig zu einer Art Inflation kommen? Wer es bezahlen soll, haben klügere Köpfe als ich ausgetüftelt. Umverteilung ist das Zauberwort. Das mit der Inflation? Mag sein.

Doch wenn wir es nicht ausprobieren, wird es zu einer zunehmenden Inflation des Menschen und seines Wertes kommen. In diesem Prozess stecken wir ja bereits mittendrin (fest).

Es wollen gar nicht alle nicht arbeiten gehen müssen, sagen Gegnerinnen und Gegner. Stimmt. Und es muss ja auch niemand nicht arbeiten gehen (müssen), nur soll sich niemand mehr über die Arbeit, die er tut oder nicht tun kann/darf, definieren müssen, insbesondere wenn es eine Arbeit ist, die ein Mensch nur tut, weil er sonst nicht überleben kann.

Nein, ich will hier jetzt nicht weiter über das Bedingungslose Grundeinkommen, das BGE, sondern über meinen Wunsch, über meine Vision – nenn es Utopie! – vom selbstbestimmten Leben erzählen. Davon, dass es uns allen viel besser ginge, wenn wir mehr das tun würden, was wir tun wollen, als was wir tun müssen. Müssen hat ja meist – am Rand oder primär – mit Überleben zu tun. Mit Geld. Mit Verdienst. Mit Status und mit Image.

Eine Welt, die mir persönlich fremd ist. Obwohl ich ja nun schon fast 50 Jahre in ihr drin lebe.

Schnitt.

Was ist von einem Künstler zu halten, der so wenig wie möglich konsumiert, um so wenig wie möglich vom Geld abhängig zu sein, und der sich, seine Ideen und seine Fotoausrüstung mit eigener Kraft per Fahrrad ans nördlichste Ende der Welt schiebt, um von unterwegs über das gelebte Leben – unmittelbar im Moment des Erlebens – schreiben, erzählen und es mit Bildern illustrieren zu wollen? Was ist von einem Künstler zu halten, der – auch wenn er einfach und bescheiden lebt – seine Mitmenschen, oder zumindest jene unter seinen Mitmenschen, die seine Kunst lieben, um Unterstützung bittet?

Viel!, sage ich, weil er sich und seinem Weg treu ist und weil er an die Kraft der Crowd glaubt.

Mit Crowdfunding wurden schon viele großartige Projekte von der Idee in die Wirklichkeit geholt. Crowdfunding verstehe ich als Tausch: Du gibst von deinem Herzblut und ein bisschen von deinem Geld für ein wertvolles Projekt und erhältst später etwas konkretes dafür, dass du das Projekt unterstützt hast. Die Kraft, die Energie der Crowd, der Gruppe, des sozialen Netzes, darf nicht unterschätzt werden.

gemeinsamWir sind Teile eines Ganzes. Unterschiedlich. Ähnlich. Grundsätzlich verbunden.

Wenn alle einander helfen, ist allen geholfen.

Von wem auch immer dieser Satz ist: Er ist wahr. Wir alle sind mit Herzen, die brennen können, geboren worden. Wir alle haben schon gebrannt, für das eine oder andere. Die einen für das Leid von Tieren, andere kümmern sich um Kinder in Not, andere kämpfen gegen Frauenhandel, Internetpornografie oder für Menschenrechte und Gleichberechtigung von Menschen und von anderen Menschen, die anders sind, denken, fühlen …

Wir alle brennen für etwas, wenn wir lebendig sind. Und wenn alle das tun und unterstützen, wofür sie brennen (statt sich gegenseitig dabei zu behindern und zu konkurrieren), ist allen sogar noch mehr geholfen.

Die einen brennen für Kunst. Dafür, das Leben mit anderen Augen zu betrachten, mit bildnerischen oder mit literarischen Mitteln zum Beispiel. Kunst und Kreativität sind Kräfte, sind Türen, sind Wege, Werkzeuge und Möglichkeit, das Leben zu begreifen. Anders als nur mit den Alltagsaugen.

Kunst?
Nein, sie ist nicht lebenswichtig.
Ja, sie ist lebenswichtig.

Ein Volk, eine Gesellschaft ohne Kultur, ohne Kunst, ohne Ausdruck gibt es wohl nicht. Und gäbe es dieses Volk, würde es wohl über kurz oder lang zu Grunde gehen.

Irgendlink ist ein Chronist. Ein Chronist der Zeit. Von Anfang an hat er die digitale Entwicklung miterlebt, genau hingeschaut, experimentiert, sich selbst darauf eingelassen. Und nun will er hinschauen, während er ans Nordkap radelt. Hinschauen und berichten: Was hat sich in den letzten zwanzig Jahren verändert?

Willst du ihm über die Schulter schauen? Just do it! Am 15. Juni radelt er los. Und bloggt täglich frisch. Auf http://irgendlink.de und auf https://twitter.com/irgendlink

Ach, und ja, das Crowdfunding darfst du auch unterstützen. Musst du aber nicht. Obwohl es sich lohnt. Hauptsache du machst dein Ding → hier klicken zum Tausch-Tisch!

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Mehr über das Bedingungslose Grundeinkommen (in der Schweiz) gibt es hier:

– Zur Volksinitiative in der Schweiz: bedingungslos.ch
Grundsätzliches zum Thema: grundeinkommen.ch

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4 Kommentare zu „Bedingungslos?“

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