Rote Fäden

Es gibt so Themen, sagte Irgendlink gestern vor dem Einschlafen, schon mit Schlaftrunkenheit in der Stimme, diese Themen kleben an uns. Andere kommen aus dem Nichts wollen gesehen werden und werden viel zu oft ignoriert. Weil wir zu faul sind, über sie nachzudenken oder gar über sie zu schreiben.

Ja, rote Fäden habe ich viele. Die Sache mit dem Flow ist so einer – ein Thema wie ein Refrain. Ich suche den Flow, ich lebe ein bisschen für ihn. Insbesondere für den Schreibflow.

Roter Faden? Nun ja, über das Schreiben kann ich schon nicht mehr als roten Faden schreiben, ein rotes Gewebe ist es längst. Auch die punktuellen Themen gibts bei mir zuhauf. Doch selbst sie sind Verwandte meiner roten Fäden, ahne ich.

Glimpflich nennt Irgendlink unsere heutigen und gestrigen Arbeitserfolge. Dinge, die wir zusammen tun wollten und sollten, solange es noch geht. Die linke Lampe meines Autos ist durchgebrannt. Ich kann zwar vieles, vieles selbst reparieren sogar, aber vieles kann Irgendlink besser. Noch besser geht es allerdings zusammen. Im Handbuch lese ich, während er rumwerkelt um an die Lampenapperatur zu kommen, dass man den Kühlergrill rausziehen soll. Klasse Tipp, danke Handbuch! Nun kommen wir wunderbar an die Lampensache heran und ich kann das Birnchen einsetzen. Teamwork. Ich mag es.

Auch für die Access-Sache für die Webseite an der Arbeitsstelle, für die ich zuständig bin – nämlich ein entsprechendes Plugin finden, installieren und verstehen –, hätte ich alleine doppelt oder dreimal so lange gebraucht. Zusammen finden wir einfache Wege: Ich probier mal so, was meinst du? Mach mal so, funktioniert das?

Glimpflich also. Gut. Dennoch ist da Angst. Wie wird es diesmal sein, drei Monate ohne den Liebsten meinen Alltag zu leben – während er mit dem Fahrrad ans Nordkap kurbelt und andere, eigene Ängste und Sorgen vor sich herschiebt. [Weniger diesmal um mich (kein depressiver Schub in Sicht) als um seine Eltern, denen der große Garten, den mein Liebster mehr und mehr übernommen hat, langsam aber sicher zu groß ist. Es muss!, sagen sie; und ich ahne, dass es auch gut so ist.]

Seine Sorgen gelten auch den Finanzen (ein bisschen) und der Sinnhaftigkeit einer Radtour von Süddeutschland ans Nordkap.

Stell dir vor, Liebster, wie du am Montag losradelst, nachdem du alles erledigt hast. Wie nach und nach alle Sorgen von dir abfallen und auf einmal ist er wieder da, der Flow! Selbst wenn dich niemand unterstützt, selbst wenn niemand die geplante Zeitungsartikelserie über deine Reise liest, selbst wenn niemanden deine Blogartikel oder Tweets interessieren: du tust das trotz und vor allem für dich. Du sammelst dabei neue Erfahrungen, erfährst neue Perspektiven, lernst neue Menschen kennen, denkst neue Gedanken und fühlst neue Gefühle. Es ist dein Leben. Und der Sinn ist das Reisen an sich, das Unterwegssein.

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Mehr Infos über #AnsKap finden sich hier:
Irgendlinks Blog
Irgendlinks Twitteraccount (mitlesen ohne eigenen Account jederzeit möglich)
Crowdfunding, u. a. mit iDogma-Kunst-Postkarten-Aktion 

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14 Kommentare zu „Rote Fäden“

  1. Es tun, für sich, was und warum auch immer noch, das ist das Leben, wenn wir es leben wollen, jede und jeder für sich und dann eben doch mit anderen, aber eben nicht für andere- dieses für andere hat so seine Tücken, finde ich, auch wenn ich gerne für andere da bin!

    euch beiden heute noch einen wunderbaren letzten Abend zusammen. Mail folgt, wenn du wieder daheim bist.
    Denke an euch …
    liebe Grüsse
    Ulli

    und pssst … schaut doch bitte morgen früh mal in meinen Blog, hab was vorbereitet …

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    1. Oh, da bin ich ja schon gespannt auf morgen.
      Mir ist das Herz leicht und schwer. Ich hasse Abschiede. Man weiß ja nie …

      Aber ich freue mich auch total auf die Reise – von daheim aus. Und auf meine Zeit in Schweden im Juli und dass du hinter uns stehst. Und über diesen schönen Abend jetzt, mit dem Liebsten. Dieses Miteinander.

      Danke!

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    1. Ja, du sagst es. Das war auch vor drei Jahren schon so. Ich bin froh über diese Reise, weil es uns beiden guttun wird: Das Herz und die Sicht weiten … Ich danke dir!

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  2. Ein schöner Artikel über rote Fäden, deren Sinn es wohl ist, einfach zu fließen, besonders beglückend ist es aber, wenn sie sich zu Geweben fügen. Und da hat die Seifenfrau schon Recht, das Gewebe löst sich ja nicht auf, nur weil die Fäden mal weiter voneinander entfernt ihre Wege ziehen.

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  3. Ihr seid ein gutes Team, auch wenn euch viele Kilometer trennen. Es ist gut, zu lesen und darüber nachzusinnen, warum das so ist. Ich wünsche euch eine spannende Zeit und freue mich auf die Blogbeiträge von euch beiden.
    Gruß aus Leipzig.

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    1. Willkommen hier, liebe Gudrun … ja, das gute Team sind wir wirklich, haben wir schon paar Mal gemerkt … warum es so ist? LIebe vermutlich … und auch eine ähnliche Art zu arbeiten, denke ich. Wie wir an die Dinge herangehen, meine ich.
      Danke fürs mitreisen!
      Herzliche Grüße aus der Schweiz

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  4. Abschiede fallen auch mir sehr schwer, aber Eurer ist einer auf Zeit, und wenn ich mich an Irgendlinks letzte „Tour“, die Du aus der Ferne intensiv begleitet hast, erinnere, dann bin ich sicher, dass Ihr auch diesmal wieder das meiste gemeinsam machen werdet, als Team eben.
    Euch einen schönen Abend und Euch beiden eine feine, spannende Zeit!

    Herzlich, mb

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    1. Liebe mb, ich danke dir für dein Mitfühlen und ich freue mich, dass du uns als Team den Rücken stärkst mit diesen deinen Zeilen. Und wenn du ab und zu ein bisschen mitradelen magst, freuen wir uns natürlich auch sehr.
      Herzliche Grüße euch beiden!

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