Uskavigården – Camperinnenträume werden wahr

Uskavigården – ein Ort am Ende der Welt. Kein Ort eigentlich, nur ein paar Häuser in der Pampa. Seeanstoß. Rasen. Ein paar Wege. Vielleicht 40 Caravan-Stellplätze und ein großer Platz für die Zelte. Leer bis auf einen Wohnwagen, der sich hierher verirrt hat. 

See- oder Meeranstoß: Das ist das Bild, aus dem meine Skandinavienträume schon immer waren. 

Es ist kurz vor halb vier als ich ankomme. Die zwei Busse, einer bis Nora, ein zweiter ab dort, haben mich durch eine stetig wilder und ländlich werdende, unbewohnte Landschaft hierher gebracht. Eine Minute, bevor ich aussteigen darf, setzt ein Platzregen ein. Die Sonne versteckt sich nicht, lacht über den Regen und verzaubert die Szene mit einem surrealistischen Glitzern in etwas Hollywoodeskes und so verlässt die Heldin mit geschultertem Rucksack den Bus, steht vor dem glitzerden Märchenschloss und bittet um Einlass. 

Für lumpige 120 Kronen gehört das alles ihr. Ähm, mir. Ich meine: Uns. Für eine Nacht. Doch wir dürfen gerne länger bleiben, sagt die Rezeptionistin.

Ich ziehe mir die schweren Schuhe aus, zippe die Hosenbeine auf Halbmast und wate durch den See. Kühl. 19 Grad schätz ich mal. Nicht so warm wie die Dschungelwelt „Lost City“, das Erlebnisbad mit den sechs gefährlichen Kreisch-Rutschen, das wir heute Morgen heimgesucht haben, weil es zum Eintritt des Örebroer Campings gehört.

Krasser Kontrast das! Örebro: Mondän, modern, animiert. 

Uskavigården: Natürlich, ruhig, überschaubar.

Beide haben Spielplatz und Minigolf, okay, sonst aber kaum Ähnlichkeiten. Den hier ich mag ich irgendwie lieber. Der Stille wegen. Kein Auto-Dauerrauschen. Wenn mal jemand vorbeifährt, hörst du es.

Ich mag beide Plätze (so ähnlich wie ich beide Lebensmöglichkeiten mag), aber der hier ist – nun ja – eher mein Ding. 

Gleich kommt Irgendlink. Er ist die 60 km hierher geradelt, während ich gemütlich im Bus und am See saß, später ein wenig gelesen und nun ein diese Zeilen hier getippselt habe.

Die Sonne hat die Gewitterwolken durchbrochen. Wunderbar das!

Später. Halb neun. Irgendlink ist um halb sieben rum hier gelandet. Frisch eingekauft hat er auch gleich noch: Gemüse, Goodies, Früchte, Joghurtdrink und Co.

Wir erzählen, packen aus, bauen das Zelt auf und kochen. Herrlich, diese Ferienroutine, dieses Vertraute, wo und wann immer wir zusammen unterwegs sind.

Nun sind wir vom Regenschauer ins Zelt geflüchtet. Platzregen aus blau-grauem Himmel. Gemütlichkeit ist in der kleinsten Hütte, heißt’s doch so schön.

  

Toller Tag das!

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6 Kommentare zu „Uskavigården – Camperinnenträume werden wahr“

  1. das klingt so romantisch! genauso, wie ich mir eure schwedentage vorgestellt habe! und die dramatische regensonne, die vermutlich ein fantastisches licht gemalt hat, stelle ich mir besonders wohlriechend vor! ❤
    dieser platz wäre wohl mein ding auch.
    schlaft gut da!
    🙂

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  2. das klingt einfach wunderbar, liebste Soso! Und kaum bist du unterwegs ändert sich auch ein kleines bisschen deine Schreibe, auch das finde ich wunderbar- geniesst das Leben, wie es euch zeigt …

    herzliebe Grüsse
    Ulli

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  3. Liebe SoSo,
    es ist so schön, dich auf Reisen zu begleiten. Hier wie dort. Flapsig und tief. Mitfreuend und -tiefdurchatmend auf jeden Fall.
    Die Paradiese nicht nur betreten, sondern auch erkennen.
    Die Stille mit jeder Pore mitatmen.
    Erleichtert sein, dass Träume auch wahr werden können.
    Regensonne als Allegorie für eigentlich alles lesen.
    Begeistert sein, dass auf der Senf(?)flasche irgendwie „Kap“ steht, was wieder einmal bestätigt, dass alles mit allem zusammenhängt.
    Mich freuen an dem „Seeanstoß“, dessen deutsches Wort ich nun schon ne Weile vergeblich suche. Euer „Anstößer“ ist unser „Anlieger“, aber „Seeanliegen“? Natürlich haben wir alle irgendwie Badeanliegen an die Seen … verflixt, wie heißt das? Seezugang?
    Und nicht zuletzt grinsen, weil: Die Überschrift (Camperinnenträume) und das Bild (Tischbank) im ersten Augenblick kombinieren als „Ja, altersangepasste Sitzmöbel haben was für sich …“ (Yep, das war MEINE Lesart. Ich komm ja jetzt in das hockungeeignete Alter.)
    Ich grüße dich von Herzen und freue mich für jeden Traumreiseschritt, den du gehen darfst,
    Uta

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    1. Du machst mich Grinsen. Da dachte ich mal wieder nicht dran, dass ihr lieben deutschen NachbarInnen gewisse Wörter nicht kennt und umgekehrt. Seeanstoss meint eine Liegenschaft, die direkt an den See anstößt, angrenzt. Meistens halt private Grundstücke. Das Wort steht zum Beispiel in Wohnungsinseraten.

      Seezugang ist was ähnliches, Anstoss klingt mehr nach Besitz als Zugang – in meinen Ohren jedenfalls.

      Über den Tisch freuen wir uns diebisch, obwohl ich noch immer gut und gerne am Boden sitzen kann. Aber jetzt genießen wir das Sitzen und das nebeneinander in die Tastaturhacken am Tisch.

      Witzig, was du über die Träume schreibst. Grad habe ich was Nachtgeträumtes gebloggt. 🙂

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