Umwege und die Bedingungslosigkeit

Wie wir – diesmal mit einem am Zeltplatz kostenlos ausgeliehenen rostigen, robusten, Dreigänger-Rad – Richtung Guldmedshyttan aufbrechen, nehmen wir diesmal den Svergieleden statt der Autostraße, die wir vorgestern getrampt sind.

Ein Umweg. Den Nerven zuliebe. Auch auf dem Rückweg, vollgepackt, schwer beladen, nehmen wir wieder den Umweg mit seinen Auf und Ab in Kauf. Das schont die Nerven, sagt Irgendlink. Ein weiser Entschluss. Eine traumhaft schöne Landschaft.

Anachronistisch ist es, so zu leben, wie wir leben, denke ich. Nicht die schnellsten, nicht die kürzesten Wege zu gehen, weil es effizienter ist; nicht nach dem Teuersten, Besten, Leistungsfähigsten zu streben, weil man das doch so macht, sondern einfach das Gute, das da ist wertschätzen.

Die Dreiganggurke zum Beispiel, die wir uns in der Rezeption ausgeliehen haben, fährt gut. Die heutige Aufgabe ist klar: Eins werden mit dem Rad – ich gestehe, dass ich es nicht auf Anhieb geschafft habe. Nur drei Gänge! Keine Vorderradbremse – hinten Rücktritt. Nun denn – wir sind dennoch Freunde geworden, das Rad und ich. Auf einmal war ich eins mit ihm.

Und die Hügel und ich auch. Eins werden mit dem Berg war vor einem Jahr das Thema Nummer eins bei mir, damals, als wir uns pilgernd an die Besteigung des Gotthardpasses gemacht hatten. Wind und Regen trotzend, waren wir bergan gestiegen. Schritt für Schritt.

Sich den Berg in Stücke zerdenken macht es einfacher. Ich habe es heute wieder geübt. Auf dem Rückweg musste ich das Rad nur einmal schieben, weil mir für jene eine Steigung die kleinen Gänge gefehlt haben. Bei den andern Steigungen habe ich mich gaaanz langsam hochgekurbelt. Tret für Tret. 

Dinge um ihrer Selbst willen tun oder lassen. Menschen um ihrer Selbst willen mögen, lieben, leben lassen. Wege um ihrer Selbst willen gehen. Wieso fällt mir diese Hingabe an das Eine, an den Moment eigentlich oft so schwer? Wieso packe ich in alles immer noch einen Zweit- oder gar Drittsinn mitrein?

Aufs Klo gehen und gleich noch die Wasserflaschen auffüllen oder Geschirr spülen – Effizienz sogar in den Ferien. Kollateralhandlungen. Nichts nur so. Fällt echt schwer, läuft meiner praktischen Ader zuwider. 

Kleine Pause im Freizeitmöbelshop in Fanthyttan

Tret für Tret nähern wir uns dem Campingplatz und entscheiden unterwegs, bis Montag hierzubleiben, weil es uns hier so wohl ist.

Das letzte steile Stück. Ich steige in die Pedalen. Was für ein Gegenwind aber auch! Da, auf einmal seine Hand im Kreuz, an der steilsten Stelle. Er schiebt mich an, einhändig auf dem schweren Rad fahrend. Was für ein Geschenk!

Eine Metapher auch: Geschoben werden. So erlebe ich grad die Blog- und Twitterwelt, obwohl ich zurzeit selbst kaum bei andern lesen kann (Ressourcenökonomie).

Danke!

[PS: Mit der neuen WordPress-App für iOS lässt sich übrigens doch offline entwerfen, es gibt einen Entwürfeordner. Die Anzeigen mit „Synchronisieren nicht möglich“ einfach ignorieren. Der Entwurf ist dann aber nur lokal (also auf dem Handy) gespeichert!]

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