Mein achter Tag

Heute vor einer Woche saß ich im Zug nach Zürich Flughafen. Erst eine Woche? Ich liebe es, wie sich in den Ferien die Zeit ins beinahe Unfassbare ausdehnt. Tageszeiten naht- und übergangslos ineinander übergehen. Wochentage kaum eine Rolle spielen.

Nun ja, gestern war Sonntag, aber einer, der sich in ein Montagspelz gewickelt hat. Oder so. Ständig fiel Irgendlink oder mir was runter und mich nervte ständig etwas. So ein Tag halt.

Da saß ich friedlich nach Irgendlinks Seebad (ja, ich gestehe es, mir war es zu kalt) noch allein auf dem Badesteg an der Ab-und-zuen Sonne, die mit den Wolken schäkerte, während der Liebste sich im Zelt nach Kleidern umschaute, als auf einmal ein junger Typ kaum einen halben Meter neben mir auf dem riesigen, ansonsten leeren Steg Platz nahm.


Ich öffnete kurz die Augen, nickte ein wenig in seine Richtung, nahm meine Beine ein bisschen mehr zu mir und schloss die Augen wieder. 

Da. Auf einmal werde ich nassgespritzt. Ob es ein Kopfsprung war, dazu ein eleganter, bezweifle ich, ich tippe ja eher auf einen „Ränzler“, so wie das gespritzt hat. Als der Typ wieder auftaucht, knurre ich ein „Thank you“ in seine Richtung und rausche beleidigt ab. Nun hat er den Platz für sich. Was vielleicht sein Ziel gewesen ist. Sollte es aber das Ziel gewesen sein, mir zu imponieren, nun denn …

Später, auf unserm Platz, der zurzeit uns allein gehört, denn alle andern sind abgereist, wollen drei Erwachsene auf dem Zeltplatz Ball spielen. Irgendlink liegt noch im Zelt, ich bin eben, nach dem Nickerchen, rausgekrochen und sitze an der windigen Sonne. Ich verteidige den Platz, sage dass das hier ein Zelt- kein Spielplatz sei und fühle mich einerseits gut, weil ich unsere Ruhe verteidige, fühle mich aber andererseits auch ziemlich Schei***, denn ich bin am Zähnezeigen, am Knurren, und das ist ja so was von nicht nett.

Nochmals knurre ich, als ein Riesenwohnwagen, kurz darauf, auf dem riesigen Platz ausgerechnet sieben Meter neben uns parken will. Ich mache Handzeichen, die sowas wie „mehr Abstand bitte!“ signalisieren sollen. Zum Glück nimmt er mich ernst. Und stellt sich nun ungefähr zwanzig Meter von uns entfernt auf. Obwohl es da und da und dort noch soooo viel Platz hätte. Er baut eine Trotzburg vom feinsten auf, inklusive Zwerghundezwingerchen. Aber immerhin ist die Familie nett, leise, rücksichtsvoll.

Weniger leise ist die französische Teenie-Bande, die auf dem Platz einfällt, als wir von unserer späten Nachmittagswanderung auf dem Bergslagsleden zurückkommen. Etwa zwanzig Jungs und Mädels bauen an zentralster Lage ihre Zweierzelte auf. Die Fahrräder stehen am Zaun. Die Kids sind konzentriert am Zeltbau. Später erst geht der Radau los, der zum Glück kurz nach zehn abebbt.

Was mich – ichgestehe es – geärgert hat, ist, dass sie das gemütliche Wohnzimmer, auf das wir uns – zwecks Geräteaufladen – gefreut hatten, annektiert haben. Ich habe mir halt gedacht, dass sie unten am See an der Feuerstelle grillen würden. Wie frau sich täuschen kann …

Und ja, wir haben den gestrigen Abend doch geräteladend verbracht: In und vor der Rezeption oben. Ruhig zwar, aber kühl. 

Kurz und gut – gestern war Montag!

Darum kann heute nicht mehr Montag sein. Darum werden wir heute einen guten Reisetag haben. Irgendlink wird auf dem Sverigeleden nach Ludvika radeln, ich auf dem Bergslagsleden nach Fanthyttan wandern (etwa 4 km) und von dort mit zwei (oder sind es drei?) Bussen auf den Camping in Ludvika reisen. 

Über unsere Pläne für die nächsten zehn Tage habe ich gestern bei Irgendlink drüben als Homebase ein paar Zeilen geschrieben. 

Nun denn … wir werden demnächst packen, frühstücken und Uskavigarden verlassen. 

Wer weiß … vielleicht, falls wir ja mal den Bergslagsleden wandern werden, kommen wir wieder. 

Euch allen da draußen einen tollen Montag, einen tollen Wochenstart und Dankeschön fürs Mitwandern.

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6 Kommentare zu „Mein achter Tag“

  1. Hey schön von dir bzw. euch zu hören 😉 Auch wenn gestern dein Montag war hoffe ich der heutige Montag ist eher wie ein Freitag für dich! Man darf auch mal schlecht gelaunt sein im Urlaub, solang nix erzwungen ist, ist alles gut. Eine schöne Zeit noch!

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  2. es ist schon merkwürdig mit den Menschen und ihrem Zwang zu nahe zu kommen, was man ja auf Autobahnen und Bundesstrassen auch immer wieder beobachten kann- ich denke dabei emistens gar nicht mehr an Rücksichtslosigkeit, sondern daran, dass es Menschen gibt, die mehr Raum brauchen und andere eben weniger, die es gerne haben so Haut an Haur …
    solch Campingplätze sind in dieser Hinsicht eine Herausforderung, wie tolerant bin ich wirklich und wie kann ich mich freundlich abgrenzen?! Nun bist du, seid ihr wieder unterwegs mit einer Einladung im gepäck- möge der nächste Campingplatz noch schöner und auf alle Fälle ruhiger sein, und dann winkt ja auch schon das Häuschen für euch zwei allein …
    herzlichst Ulli

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    1. Der Platz hier hat uns im Grunde verwöhnt, denn wir hatten ja viiiel Platz. Es hat mir hier mal wieder gezeigt, wo ich echt hypersensibel bin. Tröstlich, dass Jürgen ähnlich tickt.
      Nur ist er definitiv freundlicher, ich belle schon mal los. 😉
      Nun wandere ich bald los, zum Bus. 4km durch den Wald. Sonne satt und windstill nach Platzregen vorhin.
      Danke dir!

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  3. Ich bin sehr beruhigt, dass andere ähnlich ticken was den Lärm und den persönlichen Abgrenzungsradius betrifft. In diese intime Schutzzone dürfen nur gebetene Gäste rücken und ich belle auch, wenn mir jemand zu nah auf die Pelle rückt. Ich wünsche euch eine wunderschöne Weiterreise, immer wieder gutes Ankommen und viel Raum und Ruhe 🙂

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    1. Du auch? Wundert mich eigentlich nicht. Ich staune, wie vielen es offenbar ähnlich damit geht.
      Nun haben wir viiiel Raum und Ruhe im Stugar (Häuschen) hier in Falun-Süd. Schön ist das.
      Jetzt schnurre ich, belle nicht mehr …
      😉

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