Mein Finale in Schweden – Stockholm/Solna

Da bin ich nun also, in Solna, einem Vorort von Stockholm. Dem Köniz von Stockholm. 

Die Reise im Schnellzug Falun-Stockholm verlief, trotz der vielen Leute, angenehm. Joyce holte mich mittendrin an meinem Platz ab und lud mich im Speisewagen des Zuges zu einem Tee ein. Wir erzählten uns weitere Erlebnisse, Erfahrungen, Erkenntnisse aus unseren Leben. Diesmal war eher ich dran – sie wollte mehr über meine Arbeit als Schreiberling, als Künstlerin wissen. Dummerweise hatte ich im Zug nach Stockholm – nach dem vielen Tee – vergessen, nochmals aufs WC zu gehen. 

So irrte ich ein wenig über Druck durch den riesigen Stockholmer Bahnhof, den ich ja vor fast drei Wochen bereits, allerdings von einer anderen Seite her, erlebt hatte. Damals war ich einzig bestrebt gewesen, möglichst schnell nach Örebro, zu Jürgen, zu kommen. Gestern wollte ich erstens ein WC finden und zweitens die beste Verbindung nach Solna. 

Meine Recherchen hatten eigentlich die Haltestelle Ulriksdal als optimalen Zielpunkt ergeben, doch die junge Frau am Touristinfo sagte, der nächste Zug zu meiner Destination fahre nach Solna Centrum oder Solna Station. Und es gäbe dort Busse. 

Da ich kein Kleingeld mehr hatte, konnte ich nicht aufs 10 Kronen teure WC. Und beim ersten Infoschalter funktionierte meine Karte mal wieder nicht. Wie seltsam!

Am Bankomaten zog ich mein vermutliches letztes Feriengeld und konnte damit schließlich doch noch ein Ticket nach Solna kaufen. Die Frage, was ich tun würde, wenn meine beiden Bankkarten nicht funktionieren würden, blieb zum Glück nur ein Gedanke. Kein sehr schöner, ich gestehe es.

Das erhaltene Ticket wollte mich zuerst nicht auf den Bahnsteig lassen, doch bei der zweiten oder dritten Schleuse ging es endlich doch. Mein Zug war eben abgefahren, so wartete ich eben eine Viertelstunde auf den nächsten. Vorortzüge haben, so begriff ich bald, keine Toiletten. Nun denn …
Solna C. Was für ein seltsamer Bahnhof. Die erste der vielen Baustellen, die ich in Solna sehen würde. Eine Art Stadion wurde hier aufgebaut, mit Tribünen, und über eine Gittertreppe gelangte ich, leider auf der falschen Seite des Bahnhofes, aus dem Areal desselben. Mein GPS-Kit, in das ich zum Glück am Abend vorher die Lage des Hotels markiert hatte, lotste mich nordwestlich. Da ich blaue Wege hatte, Wander- und Radwege, schaute ich nicht wirklich genauer hin. Zumal ich einen See und einen Wald ausmachte. Ein Ort, wo ich pinkeln können würde.

Bald war ich mitten in der Natur. Und zugleich mitten in der Neubausiedlung Nummer eins. Hochhäuser, die für mich so gar nicht nach Schweden passen, werden hochgezogen. Eins neben dem andern. Keine hässlichen wenigsten, ziemlich schöne sogar. Sehr hohe und halbhohe – da soll eine neue Menschheit wohnen. Eine neue Stadt in der Stadt. Da. Dort. Überall. Außer am See. Da konnte ich aufatmen. Eine schöne Wanderung das! Und ich hatte wieder einmal begriffen, das zwei Kilometer Luftlinie am Schluss fast sieben Kilometer Gehweg sein können. Wenn nämlich, wenn ich auf einmal eine Autostraße überqueren muss, um endlich in dieses Quartier da drüben, wo das Hotel steht, erreichen will. Mein Wanderweg war nämlich durch eine zweispurige Autoschnellstraße vom Wohnquartier dort drüben abgeschnitten. Spiralförmig näherte ich mich meiner Unterkunft. Hotel und Wanderheim. Ausgeschildert war es erst unmittelbar vor der letzten Abzweigung. 

Was soll ich sagen? Ein bisschen erinnert mich das Gelände hier an die Flüchtlingsunterkunft, in der ich vor vielen Jahren gearbeitet hatte. Ein paar Baracken, falunrot gestrichen, mit je ca. 15 Zimmern verschiedener Größen, eine Küche in der Mitte und Dusche/WC mal im Zimmer, mal nicht. 
Meins mit. Zum Glück. Auch günstig hat eben seinen Preis. Das Zimmer ist okay, das Bett bequem, die Aussicht auch, ich sehe grün und Bäume, wenn ich rausgucke. Ganz und gar funktional. Praktisch. Ohne Schnickschnack. Außer dem einen Bild, einem nicht mal hässlichen Etwas, sehr untypisch für Schweden, wo jeder Raum dekoriert ist und mit Lampen an den Fenstern geschmückt.

Das Zimmer hat eine Türschließautomatik, was Menschen – auch mich – dazu verführt, die Türklinke gar nicht erst zu halten, sondern die Türe ins Schloss fallen zu lassen. Wie sich das morgens um 5:15 anfühlt? Nun ja, das weiß ich jetzt. Die Gebäude sind sehr hellhörig, Duschen, Schritte, Stimmen, Lüftungen und alles, was in so einem Haus eben an Geräuschen möglich ist, wird sozusagen live übertragen. Ohropax steht oben auf meiner Tagesliste.

Free-Wifi gibts nur drüben im Rezeptionshäuschen, wo es auch Frühstück und Kaffee gibt. Der Süßigkeitenautomat hatte gestern Abend noch ein Paket Chips und ein oder zwei Goodies vorrätig. Nein, ich leide hier nicht. Ich finde es spannend. Ich bin zwar fast die einzige Frau und das Gros der Gäste ist international und dunkelhäutig, aber ich fühle mich nicht unwohl und habe gut geschlafen. Ohropax aus Taschentuch (mit Spucke weichgeknetet) gehen zur Not auch. Heute will ich nach Stockholm, aber ich will auch herausfinden, wo morgen mein Bus nach Arlanda fährt, frühmorgens, denn um halb neun sollte ich dort sein. 

Über Düsseldorf werde ich zurück nach Zürich fliegen. Werde. Klingt irgendwie unwirklich. Unmöglich fast. 
Zumal es heute und hier schön ist, schön da draußen, schönes Wetter. 

Das Frühstücksbüffett überrascht mit Oppulenz. Hach …

Habt auch einen schönen Tag, ihr alle!

 

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