Stockholm erleben

Nachdem ich am Morgen die etwa drei Wanderkilometer entfernte Busstation Järva Krog ausfindig gemacht habe, inklusive einiger Umwege, habe ich in Ulriksdal kurz vor zwölf meinen Zug genommen. Nach Stockholm.

Wie ein Kind kam ich mir vor, das mit offenem Mund und weit aufgerissenen Augen durch die Stadt stromerte. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich eine kleine Stockholm-Bilder-Galerie nachliefern, versprochen!

Heute nur ein paar wenige Impressionen. Vom Bahnhof aus habe ich mich einfach treiben lassen. Richtung Süden, Richtung Gamla Stan, Richtung Altstadt, Richtung Schloss.

Immer wieder innehalten. Bilder einfangen – innere ebenso wie mit der Handykamera. Mich hinsetzen. Ein paar Tweets schreiben.

Eine Weile hatte ich, wie viele andere Menschen, an der Sonne, auf den Stufen vor der Concert Hall gehockt, das Markttreiben auf dem Platz beobachtet und dabei den Klängen aus dem Innerrn gelauscht, bevor ich mich durch die offenen Türen gewagt habe.




Beeindruckt und berührt hat mich die in der Concert Hall gezeigte Photoausstellung von Elisabeth Ohlson Wallin namens Ack Sverige, du sköna. Oh Schweden, du Schöne.



Wallins Blick auf ihr Land ist liebevoll, weit, ungeschönt, tolerant und lebensnah. Bettler, Demonstrierende, Konsumierende, Betrunkene, Tiere, Menschen … Es ist dieses Schweden, das ich auch sehe und wiedererkenne, wenn ich diese Bilder betrachte.

Wie würde ich meine schöne Schweiz wohl analog zu Wallin ausdrücken?

Mit verändertem Blick bin ich weitergezogen und stellte er einige Zeit später fest, dass ich einen anderen Blick drauf hatte: Ich sah mir die Menschen an. Sah ihre Schönheit, sah all das Unperfekte, das uns Menschen ausmacht. Sah traurige Augen. Lachende Gesichter, verbissene, resignierte. Und ich sah die vielen Kinder, Kinderwägen, Eltern. Zwei sich kreuzende Kinderwagen. Die zwei Minis darin hätten am liebsten gebremst und einander ein bisschen die Welt erklärt. Die Eltern gingen einfach weiter.

Kommunikation überall. Und auf einmal mag ich kaum mehr gehen. In der Nähe des Schlosses auf der Insel trinke ich einen Grüntee und genieße dazu ein Stück Blaubeerstreuselkuchen, lese ein bisschen in meinem Buch und erhole mich ein Stündchen.

Nachher endlich das Schloss. Nicht unnahbar.


  
Mitten drin in den Gassen. Unglaublich viele Touristen. Noch mehr Bettler als sonstwo in der Stadt. Ein Gitarre-Geige-Duo spielt Folk und ein Zwejähriger tanzt dazu mit Eis-am-Stiel um sein Leben.

Ich fühle mich wohl. Zurück auf dem Festland ein weiteres Päuschen. Sonne satt. Überall Parks und Menschen. Frohe und traurige.

Auf dem Rückweg zum Bahnhof spült es mich in einen Outdoorladen. Hach. Ich kaufe mir ein Doppelpack Socken. Kann ich immer brauchen und ist eine schöne Erinnerung.

Im Buchkiosk beim Bahnhof kaufe ich mir das letzte Mal eine schwedische Zimtschnecke. Mein Lieblingsgebäck.

Der Zug steht schon da, als ich den Bahnsteig betrete und fährt ab, kaum habe ich mich gesetzt. Im Hemsköp brim Bahnhof Ulriksdal kaufe ich Käse, Brot und Bier, und un ja, das letzte Mal ein paar Goodies – fürs Abendessen und als Reiseproviant für morgen. Ich muss früh los, um 8 Uhr fährt mein Flughafenbus.

Als ich aus dem Laden komme, wühlt der Bettler, der vorhin am Ladeneingang gehockt war, offenbar erfolglos in den nahen Müllcontainern. Ich hatte ihm eigentlich ein paar Münzen geben wollen, doch nun hatte ich nur noch knapp das für morgen nötige Busgeld im Beutel.

Ob ich ihm meine Einkäufe überlassen soll? Oder mein letztes Geld, hoffend, dass ich im Bus mit Karte zahlen kann. Er sieht nicht, wie ich grüble und unverrichteter Dinge an ihm vorbeigehe, denn er hat nun den nächsten Container geöffnet. Ich gehe immer weiter. Bleibe ein paar Mal stehen. Gehe schließlich ohnd ihn zu unterstützen zurück ins Hotel. Beschämt.

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