Leerstellen & Leerschläge

Apostroph Dass mich Deppenapostrophe nerven, die viele Menschen vor ein Genitiv-S setzen (Anna’s Garten), habe ich ja schon am einen oder andern Ort bekannt. Diesen Apostroph gibt es nämlich in der deutschen Sprache nicht. In unserer Sprache ist der Apostroph ein Stellvertreter für einen ausgelassenen Buchstaben (drum ist ja Hans‘ Garten möglich).

Sorry, aber manche Regeln müssen einfach sein. Punkt.

Dass nun aber zum Deppenapostroph auch immer öfter der Deppenleerschlag kommt, dieser Leerschlag da, wo eigentlich ein Bindestrich hinkommt (Motor Inspektion statt Motor-Inspektion oder Motorinspektion), finde ich bedenklich.

Und ja, zu viel Leerschläge werden auch im falschen Umgang mit Bindestrichen gemacht. Wenn nämlich der Bindestrich als Gedankenstrich (Halbgeviertstrich, der ein bitzeli länger ist als der Bindestrich) verwendet missbraucht wird, sieht das dann so aus: Motor – Inspektion.

Riesengroßes Autsch.

Die ersten beiden Unsitten sind der englischen Sprache abgekupfert. Haben sich wie Schlingpflanzen in unsere Sprache eingefressen. So willkommen mir multikulturelles Gut im zwischenmenschlichen Bereich ist, so intolerant bin ich bei der Sprache. Nennt mit spießig, aber für mich gebühren jeder Sprache ihre Regeln.

Konkret: Schreibe ich englisch, verwende ich ein Genitiv-S und es heißt somit Anna’s garden. Kein Thema. Und dann heißt es auch Motor inspection, mit Leerschlag dazwischen.

Warum mir das so wichtig ist? Weil die deutsche Sprache schön ist. Tippfehler sind lässlich und passieren allen. Davon spreche ich nicht. Ich spreche von Sorgfalt. Unsere Sprache ist Teil unserer Umwelt, darum sollten wir ihr Sorge tragen. Sprachschluder ist für mich wie Müll am Strand. Dosen oder Scherben, an denen man sich stößt oder sich gar verletzt. Abgesehen davon, dass sie da nichts verloren haben.

Ich habe nichts gegen Sprachneuschöpfungen und Wortspiele, und ich liebe den kreativen, gerne auch anarchistischen Gebrauch der deutschen Sprache; aber solange wir so tun als würden wir deutsch schreiben, dann sollten wir nicht nur so tun als ob. Das macht nicht Sinn, sondern ergibt Sinn und ist sinnvoll (Sinn machen ist, aber das wisst ihr bestimmt all, eine falsche Übersetzung von to make sense).

Ähm. Wo war ich gleich?

Ach ja, Leerschläge. Und Leerstellen. Am richtigen Ort sind sie absolut notwendig.
Musik ohne Pause? Vergiss es.
Texte ohne Abstände zwischen den Wörtern und auch zwischen den Buchstaben sind unlesbar. Unverständlich.

Tage ohne Pausen machen krank.
Arbeit ohne Ausgleich auch.

Alles ohne Nichts ist tödlich.

Und ich vermute, ganz still und leise, je länger ich als Leserin virtuell mit Irgendlink im kargen, schönen, stillen Lappland unterwegs bin, dass wir nur deshalb so viel Bespaßung und Ablenkung brauchen, weil wir vergessen haben, wo der Ausschaltknopf ist.

+++

(… jaja, ein bisschen ist das natürlich augenzwinkernd gemeint. Ich kann ja nicht verlangen, dass alle … ja, was überhaupt? … na, ihr wisst schon … aber weh tut’s mir halt schon … )

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Mehr über die Deppenleerschläge gefällig?

Mehr über die Deppenapostrophe gefällig?

EDIT (Nachtrag am Nachtag)

Es ist NICHT meine Absicht, Menschen, denen das Schreiben nicht so leicht fällt, zu nahe zu treten oder gar jemanden zu verletzen.

Ich nerve mich über fehlerhaftes Deutsch vor allem in publizierten Texten von sogenannten und selbsternannten Profis wie WerbetexterInnen, Journis, RedaktorInnen etc.

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25 Kommentare zu „Leerstellen & Leerschläge“

  1. Bei mir macht’s aua bei der aus dem Englischen übernommenen Praxis, bei Jahreszahlen ein „in“ voranzustellen. In 2014 hatten wir ein Plus an Einnahmen. Das tut mir weh. Und leider hat sich das im Wirtschaftskreisen unglaublích breit gemacht und keiner merkt’s mehr. Und es gibt sogar Texte aus Bundesministerien, die diese Praxis pflegen. Es wird nicht zu vermeiden sein, dass es dann auch irgendwann so im Duden steht und gängige Praxis ist. Ich finde immer noch: In einer Zahl kann man nix tun, in einem Jahr schon.
    Ich teile Deine Ansicht ob eines sorgsamen Umgangs mit Sprache.
    Trotzdem ist Sprache natürlich auch etwas Lebendiges, was sich durch die Sprecher (und Schreiber) über die Jahrzehnte auch verändert.
    Und natürlich hast Du recht: Wir sollten die Eigenheiten und damit die Vielfalt der Sprachen verteidigen (nicht zuletzt deshalb bin ich ja auch bekennender Dialektsprecher).
    Wir – und da habe ich nicht nur einen ehemaligen Berufsschullehrer immer noch im Ohr – dürfen aber nicht soweit kommen, dass wir dadurch, dass wir die Regeln zu sehr betonen, Menschen, die sich darin unsicher sind, daran hindern, sich zu äußern. Dass jemand kein richtiges Deutsch kann, heißt ja nicht, dass er nichts Wichtiges zu sagen hätte, und wenn ihn seine legathenische Unsicherheit an einer Meinungsäußerung hindert, dann ist das auch nicht im Sinne der Erfinderin (hoffe ich).
    Das Plural-s durch Apostroph abzutrennen ist schon cool, und ich erschrecke auch darüber, dass selbst Zeitungsredakteure im Zeitalter abgeschaffter Korrektoren viele Grundlagen nicht mehr zu haben scheinen.
    Liebe Grüße

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    1. Was du über die Sprachunsicherheiten schreibst: Richtig. Sehe ich genauso. Aber wenn es eben sogenannte Profis wie Journis und WerbetexterInnen falsch vormachen, dann gnade uns Wer-auch-immer.
      Das In vor Jahren stört mich auch sehr, sehe ich aber recht wenig als Zeitungsignorantin. Stimmtt, das müssten man auch erwähnen als Deppen-in-vor-Jahrzahlen.
      Danke dir!

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  2. Hallo SoSo,
    ich muss zugeben, dass ich durch die englische Sprache „versaut“ bin für die deutsche. Das hat schon während meiner Berufstätigkeit als Englischlehrer angefangen. Damals habe ich aber noch versucht, die deutschen Regeln einzuhalten – der Schüler wegen. Nach der Rechtschreibreform sind meine guten Vorsätze dann allerdings dahingeschmolzen wie der Schnee im südlichen Texas. 😉 Und für jetzt muss ich einfach eingestehen, dass ich mir manche Regel im Deutschen so gemacht habe, wie ich sie möchte.
    Der Einfluss des Englischen ist bei mir insbesondere in der Zeichensetzung [Kommaregeln] auffallend. Mittlerweile setze ich auch im Deutschen Kommata nicht nach grammatikalischen Gesichtspunkten, sondern nach dem Sinn/Kontext [ein Komma bedeutet (normalerweise) eine gedankliche Pause]. Und Deppenapostrophe verwende ich tatsächlich selber. Mea culpa. Dabei nervt mich die falsche Verwendung im Englischen, die leider immer mehr um sich greift, ebenso wie Dich die im Deutschen.
    Apropos eigene Regeln im Deutschen: „Du“, „Dich“ usw. verwende ich ganz bewusst, weil ich damit die Höflichkeit dem/der Angesprochenen gegenüber ausdrücken will. Wie Du siehst: meine ganz eigenen Regeln. Womit ich dann wohl der Sprachanarchie Vorschub leiste. 😉
    Danke für Deinen Artikel, und hab’s fein,
    Pit

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    1. Sprachanarchie ist okay. Und bei dir stört mich die Versauung nur minimst, echt wahr, weil ich ja nicht ohne Kontext zum Schreibenden lese: Ami-Deutsche können wohl nicht anders. 😉
      Du und Dich – das ist doch okay.
      Danke dir!

      (In meinen Blogkommentaren sei dir Absolution erteilt. *grins*)

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  3. Diese Automatik der Rechtschreibkorrektur auf dem Tablet macht mich kirre. Verändert und verschlimmbessert mich und macht aus ihm unbekannten zusammengesetzten Worten diese Leerschlägworte. Was bei meinem manchmal eh schon schlimmen Kastensätzen zu hinterher kaum noch verbessernden Sätzen wird, weil ich gar nicht mehr weiss, was ich schreiben wollte. Für Nichtwortakrobaten wie mich fatal. 😉 Dieses schöne lange Wort habe ich nun hinterher wieder zusammengesetzt! Ohne Leerschläge!

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    1. Super!

      Die Autokorrektur lässt sich ausschalten, bei meinem Tablet jedenfalls.

      Hm, vielleicht ist ja an all dem Unheil die Autokorrektur schuld, der immer mehr vertrauen? Die Kinder denken vielleicht in der Schule: Was soll ich das lernen? Gibt ja die Korrektur?!

      Danke fürs Bewusstmachen der wahren Hintergründe!!
      😄😉

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  4. Liebe Sofia, früher,vor der Rechtschreibreform, war ich so sicher in der deutschen Schreibweise, dass ich im Zweifel ein Wort nur aufschreiben musste. Dann sah ich, ob es sich falsch anguckt oder gut. Mein Gefühl hat mich nie getäuscht. Später war ich verunsichert. Erst habe ich einfach weiter geschrieben, wie gewohnt, doch durch ständiges und viel zu häufiges Lesen von Büchern, Zeitungen und ähnlichem, gewöhnte sich meinn Blick an neue Schreibweisen. Heute, wenn ich unsicher bin und so ein Wort aufschreibe, fehlt dieses Gefühl von falsch und gut. Ich bin unsicher.
    Was hat das mit dem Deppendingens zu tun? In den letzten 8 Jahren musste ich auf Arbeit viel englischen Text lesen. Genau genommen waren 90% aller wissenschaftlichen Abhandlungen in dieser Sprache verfasst. Und dann passierte es! Anna’s Garten? Sieht falsch aus. Annas Garten? Sieht auch nicht gut aus. Ich musste mich tatsächlich eingehend mit der Sachlage beschäftigen. Trotzdem, manchmal passiert mir das. Dann schlage ich mir hinterher vor den Kopf. Umso wichtiger erscheint es mir, dass, wie Du sagst, man achtsam mit der Schrift umgeht. Damit man sich aufs Gefühl verlassen kann.
    Das Komma hinter Sofia ist übrigens Absicht. Auch aus dem Englischen abgeguckt, aber in Kommentaren finde ich persönlich es schöner als ein Ausrufezeichen

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    1. Du sprichst die Einflüsse an. Wie auch Pit, der ja in Texas wohnt. Ihnen sind wir auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Das Sprachgefühl ist natürlich mehr als Rechtschreiberegeln. Und das ist ja bei dir hervorragend ausgebildet. Dass wir mit einzelnen Wörtern im Clinch liegen – ist das nicht irgendwie ein bisschen normal? Es gibt Wörter die muss ich mir jedes Mal buchstabieren, obwohl sie sich nie verändert haben.
      Aber das mit dem Aufschreiben und sehen, ob es richtig ist oder falsch, kenne ich auch. Bei zur Zeit, das sich ja heute zurzeit schreibt, brauchte ich eine Weile, bis ich das neue als richtig verinnerlich hatte.
      Nicht, dass ich alles von der neuen deutschen Rechtschreibung gut finde, aber da diese nun mal beschlossen ist, halte ich mich dran so gut es geht. Wo ich wählen kann, nehme ich das mir liebere Wort. Und ich bleibe bei Mayonnaise und Portemonnaie. 🙂

      Danke dir für deine Ergänzungen!

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    1. Dann sind wir ja froh, dass
      a.) du kein arrogantes A***loch mehr bist und
      b.) offenbar auch nicht-arrogante Nicht-A***löcher über Sprache und Fehler schreiben können.
      Ist doch irgendwie toll.
      Es lebe die Evolution … chrrrhihihi … 😉

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  5. In der Tat wird die deutsche Sprache immer mehr vernachlässigt. Man denke nur an das Werbe-Denglisch oder all die Kommentatoren in sozialen Netzwerken, die weder Interpunktion noch Groß- und Kleinschreibung noch Rechtschreibung beherrschen. Bedenklich.

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    1. Ich habe auch lange Jahre in Kleinschrift kommentiert, oft sogar in Klein getextet. Wenn das wenigstens konsequent gemacht wird, gehts. Aber heute gefällts mir bei mir nicht mehr.

      Ich unterscheide Texte und Kommentare:
      Bei Kommentaren, wenn sie inhaltlich stimmig sind, stören mich Fehler nicht. Da sind die AutorInnen ja meist keine Schreibprofis oder -geübte. Da zählt für mich der Ton, die Umgangsform. Ich bin vor allem bei öffentlichen Texten (Medien und Werbung) empfindlich. Da gehen solche Fehler natürlich gar nicht.

      Danke für deine Gedanken, willkommen hier und auf Wiederlesen!

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