Kleine Helden braucht das Land. Heldinnen auch.

Was war ich stolz gestern Abend, als wir endlich wieder auf dem Einsamen Gehöft anlangten, Irgendlink und ich. Selbst er war ein bisschen k.o., doch nach mehreren Tagen mit Gegenwind radeln im Hohen Norden, war es für ihn nicht gar so anstrengend wie für mich.

Vierzehn Kilometer mit Gegenwind (Stärke 14) sind für eine wie mich (unsportlich) doch sehr herausfordernd. Und nein, ich bin nicht auf diese Leistung stolz. Stolz bin ich darauf, dass ich mich nicht habe hetzen lassen. Ich mag ja recht beweglich sein, Yogaseidank, aber in Sachen Kondition bin ich, nun ja, eher schwach. War ich schon als Kind. Immer die Letzte bei Klassenwanderungen. Die, auf die man warten musste. Kaum hatte ich aufgeschlossen, war die Pause der anderen vorbei. Und ich? Ich konnte mich natürlich nicht ausruhen, wenn ich nicht schon wieder die Letzte sein wollte.

Nervt es dich, frage ich den Liebsten zuweilen, dass ich so langsam bin?

, sagt dieser, wieso? Sollte es?

Typisch für ihn. Und er meint es sogar so. Weil er nicht vergleicht.

Später reden wir über dieses dauernde Werten und Vergleichen. Schnell ist gut, langsam ist schlecht. Gesellschaftlich verankerte Systeme, die wir uns schon von klein auf überziehen lassen. Oder: Was denken die andern, wenn ich …? Und das da: Ich falle den andern bestimmt auf den Geist, wenn ich so und so …? Alles Bullshit.

Ich kann Dinge, die nur ich so und so kann. Ja, ich weiß, ich wiederhole mich, das hatten wir hier schon. So und ähnlich. Es ist mein roter Faden. Jeder und jede so, wie es ihm und ihr entspricht. Roter Faden und Credo zugleich. Und nicht immer so einfach umsetzbar, wie es klingt.

Nach dem zweiten Besuch dieser Woche beim Radflüsterer D. in Homburg, der für Irgendlink und mich ein paar neue Teile für unsere Stahlrosse bestellt hatte, radelten wir gestern wieder südwärts, aber nicht nach Hause diesmal, sonderen nach Blieskastel, wo wir mit K. zum Kaffee verabredet waren. Rückenwind, ein angenehmer weiter Radweg über Land, durch Wiesen – Herz, was willst du mehr?

Nun ja, die Steigung von Blieskastel unten nach Blieskastel oben ist nicht ohne. Sowohl rauf als auch runter. Runter über Kopfsteinpflaster. Holperdipolter. Schön wars trotzdem. Sehr. Und eigentlich war auch der Rückweg toll. Nur eben … Gegenwind ist nicht mein Lieblingsfreund.  

Das einzige Bild der letzten Tage. Krea-Pause muss auch mal sein.

Windschattenfahren hat zwar Vorteile, aber den einen großen Nachteil, dass man dabei das Tempo des Vorradlers einhalten muss. Was ich irgendwann nicht mehr schaffte. Ich sag nur Kondition.

Über die Triesch dann zurück, bei Gegenwind bergauf. Nun ja, die Erkenntnis, dass ich keine Ferntourenradlerin bin, hatte ich ja schon länger. Ich bin eher die Wandertype. Und ja, ich habe ein bisschen gejammert gestern, nur ein bisschen. Ich darf das. Und ich habe auch ganz oft das Rad geschoben. Pausen gemacht. Meinen Rhythmus ernst genommen. Ich kleine Heldin ich.

Und auf einmal waren wir wieder da, auf dem Hof. Im Frieden mit mir.

Advertisements

15 Kommentare zu „Kleine Helden braucht das Land. Heldinnen auch.“

  1. Gegenwind ist auch nicht mein bester Freund, weder in echt, noch im übertragenen Sinne … und gut, dass du immer besser auf dich und deins hörst! Das freut mich und sage: bitte weiter so! Ich auch … 😉
    herzliche Grüße aus der Mittagspause- gerade noch Sonne und heiß, jetzt graue Wolken und frisch …

    Gefällt 2 Personen

  2. du heldin du! jawoll! ich durfte gestern und den tag zuvor den niegelnagelneuen radweg entlang der bundesstraße zum büro und zurück radeln. ich wollte ja unbedingt. und das geht 10 km nur geradeaus. nicht hoch und nicht runter. ich komme nicht so richtig damit klar. auf der gewohnten strecke plötzlich so langsam zu sein, völlig verschwitzt und k.o. anzukommen…
    da nimmst du mich mit deinem beitrag heute mal wieder mit dir mit. 🙂
    liebe grüße zu dir

    Gefällt 2 Personen

    1. Nun ja, völlig verschwitzt lässt auf eine hohe Geschwindigkeit schließen, die ich so nicht bringe. Du bist eben sportlicher als ich. 🙂
      Danke fürs Mitradeln. Gerne wieder. Liebgrüß auch zu dir von uns beiden.

      Gefällt 1 Person

Kommentare sind geschlossen.