Zählen, was wirkt

Charlie Brown und Snoopy sitzen am See
Charlie Brown und Snoopy sitzen am See

Ist es womöglich die Illusion, die du liebst? Mitten in der Nacht weckt mich dieser Satz.
Meine Illusionen? Ja, die gibt es, Illusionen des Lebens, über meine Freundinnen und Freunde, über mein Land, meine Umwelt, meine Arbeit.

Lange liege ich da ich in einem äußerst seltsamen Zustand. Nicht schlafend, nicht wach. Und erst als der Wecker klingelt, stelle ich fest, dass ich wieder eingeschlafen bin.

Ist es womöglich wirklich die Illusion des Lebens, die ich liebe, statt der Wirklichkeit? Liebe ich eine Illusion meiner selbst? Ist die Liebe zu mir und zu meinen Lieben nur ein Trugbild oder womöglich das einzige, das trägt? Womöglich ist die Illusion das einzig Echte, wenn ich es mir so überlege? Oder anders gesagt: Ist nicht alles Illusion, was wir haben, was wir sehen, was wir anfassen? Die Materie tut ja eigentlich nur materiell und ist doch eigentlich nichts als Luft – mit ein paar Atomen drumrum. Oder so.

Was zählt wirklich?
Was wähle ich wirklich?Was wirkt wirklich?

Ja. Ich glaube, ich liebe die Illusion. Ich liebe Geschichten.

Eine falsche Wahrnehmung der Wirklichkeit sei sie, sagen die Suchmaschinen. Ich aber sage: Was ist denn die richtige Wahrnehmung der Wirklichkeit und wer sagt das? Ist die richtige Wirklichkeit die, dass sich die Menschheit selbst zerstört? Dass immer mehr Menschen aus der Zentrifuge geworfen werden, verschaukelt, verbrannt, verraten?

Kann ich denn anders lieben als die Illusion? Ist sie es nicht, die mich hoffen lässt? Wider alle Vernunft?

Advertisements

16 Kommentare zu „Zählen, was wirkt“

  1. Was wäre ein Leben ohne Träume, Illusionen, Gedankengespinste? Die Mischung machts! Solange man den Realitätssinn nicht verliert und im Alltag zurecht kommt, sind Illusionen doch eine willkommene Ergänzung. Manch eine löst sich ja auch von selbst auf – weil sie Wirklichkeit wurde. 🙂

    Gefällt 1 Person

    1. Die Art Illusion, die ich meine, ist nicht den Träumen gleichgestellt, sie ist eher ein Schönen der unschönen Realität. Und dass diese dann wirklich Wirklichkeit werden sollen, ist leider – trotz Hoffen – unwahrscheinlich. Dennoch brauche ich sie um (über)leben zu können. Klingt seltsam, ist aber so. Unbewusst meist. Und ich vermute sogar, dass es viele so halten. Diese Art Illusionen sind die Hintergrundfarbe des Lebens, unbewusst – im Gegensatz zu Tagträumereien und Gedankengespinsten.
      Dass sie schädlich sind, denke ich nicht. Sie sind eine Art Dauer-Airbag, denk ich mal? 😉
      Danke für deine Inputs.

      Gefällt 2 Personen

    2. Meine Illusion ist zum Beispiel eine Welt, in der alle friedlich miteinander leben. Unrealistisch, aber für mich lebensnotwendig. Wenn ich nicht mehr glauben kann, dass das möglich ist – wenigstens im Kleinen – dann sehe ich nur noch eine Welt, in der alle aufeinander herumhacken und die Schwachen ausmerzt. Ich würd ja Depressionen kriegen…

      Gefällt 1 Person

    1. Hm? Das versteh ich jetzt im
      Kontext nicht.
      Ist Vorfreude wirklich besser als die echte Augenblickfreude? Eigentlich nicht. Aber toll ist sie schon. Definitiv.
      Am meisten freue ich mich, wenn ich mich im Augenblick verlieren kann, mich dem Sein hingeben, dem Leben, dem Schreiben, der Schönheit, dem Jetzt. Vorfreude ist eigentlich auch illusorisch – weil sie das Glück auf später schiebt.

      Danke für die Anregung!

      Gefällt mir

  2. Alles ist eine Illusion heisst es, weil alles, was wir leben, bauen u.s.w. von der menschlichen Wahrnehmung mit den ihr eigenen Sinnen abhängig ist, wir wissen ja, dass die Biene eine andere Realität hat, als das Pferd, das Pferd eine andere als der Schmetterling, der Schmetterling wiederum eine andere als die Buche, etc.- soweit so gut- und dann kommen wieder wir ins Spiel, ich mag keine Sahne über Scheisshaufen sprühen (immer noch nicht), was für mich hiesse, das was ist zu beschönigen, ich mag in mich hinein horchen und spüren was dort resoniert, was ich fühle, was für Gedanken wann auftauchen und ich mag es zu „spinnen“, sprich mir eine Welt zu malen, wie ich sie gerne hätte. Hieraus erwächst dann eben auch mein Engament für dies und das und jenes. Was nun aber mit der Liebe ist und den FreundInnen, das steht noch einmal auf einem anderen Blatt- da frage ich mich auch immer mal wieder, was ich „ausschalte“, um mich in (scheinbarer) Sicherheit und Wohligkeit zu wiegen.

    Gefällt 1 Person

    1. Ich glaube, ohne das eine oder andere auszuschalten, können allenfalls Menschen ohne Gewissen leben (die haben ihr Gewissen ausgeschaltet). Ja, es ist nicht einfach, und doch muss ich manchmal eben meine Wahrnehmung „ändern“, um überhaupt leben zu können. Danke dir, dass du verstehst.
      Ich erinnere mich an ein Gespräch mit Luisa, wo es um die Göttin Maya ging, die Göttin der Illusion. Und dass wir der Illusion ziemlich unrecht tun. (Leider erinnere ich mich nicht mehr an die Details …).

      Gefällt 1 Person

  3. Die Frage, die für jeden Einzelnen entscheidend ist, ist ja, was wir glauben, das, was manche Illusion nennen, oder an die vermeintlich harten Fakten. Ich habe für mich den Unterschied zwischen Wahrheit und Wirklichkeit gemacht, die Wahrheit ist das, was in den Statistiken steht, das was auf dem Zeugnis steht z.B., und die Wirklichkeit ist das, von dem ich zulasse, dass es auf mich einwirkt…

    Gefällt 2 Personen

    1. Das ist so in etwa auch meine Haltung. Nur dass ich sogar Statistiken (außer den selbsterstellten) misstraue, da ich weiß, wie schnell sich Dinge so oder anders interpretieren lassen. Und eben auch die harten Fakten sind beugsam.
      Danke dir für deine Gedanken zu meinen.

      Gefällt mir

  4. Es ist interessant, wie viele Interpretationen sich alleine hier zum Begriff „Illusion“ finden. Ich könnte noch weitere Varianten hinzufügen, doch auch sie würden den Kern nicht treffen. Illusion ist … Illusion. Eine schräge Verwandte des Traumes, wobei mir Letzterer lieber ist, weil (be)greifbarer und auch positiver besetzt.
    Was beide gemeinsam haben. Jede Illusion, jeder Traum ist einmalig und sichtweisengeprägt (das Wort gibt es nicht, doch es ist meine Illusion einer Deutung hier *g*) und beide haben den gemeinsamen „Feind“: die Realität.

    Liebgruß – ohne Illusionen, aber mit vielen Träumen –
    Ele

    Gefällt 1 Person

    1. Hach, danke, das ist eine sehr weise Zusammenfassung auch meiner Eindrücke, die ich aus den Kommentaren gewonnen habe. Illusion hat einen negativen Beigeschmack, den ich nicht mag. Sie ist unfassbar, unfassbarer noch als der Traum, das macht uns Angst.

      Danke dir fürs Teilen deiner Gedanken.

      Gefällt mir

  5. Ja, ich liebe Illusionen. Und habe welche – darüber, wie die Menschen sind. Dieser innerste Kern in einem jeden, an den glaube ich. Es gibt das Gute in einem Jeden – ist für mich so eine Art Wissen. Weil Illusion nach Scheinbarkeit klingt und ich gern ein Wort finden würde, welches mehr wirklichen Bestand ausdrückt. Wissen ist auch nicht ganz richtig.
    Vielleicht – und das fällt mir JETZT gerade ein – wäre es ein Mischungswort aus dem, was ich mir vor Jahrzehnten (als ich noch die Institution Kirche aufsuchte) zu meinem Konfirmationsspruch wählte: Glaube, Liebe und Hoffnung. Vielleicht sind es genau diese drei.
    (Nun bin ich abgeschweift?)

    Heute war ich zu einem allerersten Planungstreffen der Menschen in unserem Dorf, die bald, wenn – morgen? nächste Woche? nächstes Jahr? niemand sagt es, niemand weiß es genau – viele viele Container auf der Wiese am Dorfrand aufgebaut werden und 100 oder mehr Menschen plötzlich als Neue bei uns leben werden, diesen ihre Hand reichen wollen. Wir, das waren sehr viele, gemessen an unserem kleinen Dorf. Mit vielen Ideen, viel Wärmelebenwollen. Und es wird nicht beim Wollen bleiben.

    Dieser Abend vorhin, der hat so deutlich geleuchtet. Hat Illusion zu Wirklichkeit werden lassen. Für einen kurzen Moment und in einem kleinen Raum. Aber ich mache mir diesen zu meinem Lebensmoment, und zu meinem kleinen Raum.

    Lass uns solche kleinen warmen Räume teilen …

    Gefällt 1 Person

  6. Ach, Frau Rebis, wozu du alles noch Energie hast! (Du beschämst mich.) Danke dir für deine Gedanken übef die Illusion. Ich finde auch, dass das Worg zu Unrecht negativ konnotiert ist. Wissen, tiefes Ahnen, Klarheit, oder ist es ein Lichtblick hinter den Vorgang der WIRKlichkeit?
    Danke für dein Teilen, Wirken, Teil-Sein!

    Gefällt mir

Kommentare sind geschlossen.