Baustellen

Eine Welt voller Baustellen. Auf der Straße helfen mir Wegweiser, Tafeln und Ampeln, sie zu umgehen oder unbeschadet zu überleben. Manchmal kommt es so zu Staus. Zu Staus, die sich aber, wenn wir den Engpass hinter uns haben, wieder auflösen. Stau und Auflösung, Problem und Lösung … wenn Leben doch überall so einfach wäre.

Ich sag nur: Technik! Und packe ein kleines Puh mit Ausrufzeichen obendrauf. Am Donnerstag wars. Im Büro tat mein Handy noch seinen Dienst. Kurz darauf, nach dem Tanken vor der Fahrt nach Deutschland, schrieb ich dem Liebsten munter und vorfreudig, dass ich gleich losfahren und in etwa dreieinhalb Stunden bei ihm sein würde.

So weit so gut. An der Grenze, die ich wie immer bei Basel querte, war mein Handy ein erstes Mal abgestürzt. Nun ja, kann ja vorkommen. Als ich zweieinhalb Stunden später, in einem elsässischen Wald, pinkle, ist das Handy tot. Lässt sich nicht mehr anschalten noch laden. Das Uralthandy mit der deutschen Karten geht zum Glück noch, denn ehrlich: so ohne funktionierendes Handy fühlt man sich ja schon irgendwie nackt und verletztlich. Ich Pechvogel aber auch.

Irgendlink hat mir schon vor einer Woche einen Ersatzakku bestellt, den er am Abend ins tote Handy einbaut, so dass es wieder läuft- Eine Reanimation, die nicht wirklich so viel bringt. Der nächste Absturz ist nah – das Handy stürzt ab, startet neu, stürzt ab … da capo al fine. Kurz und gut: Das Teil ist ohne Reparatur nicht mehr zu gebrauchen. Auch nach gründlichem Putzen aller Schnittstellen nicht. Vermutlich die Nachwirkungen des sommerlichen Reussbades, das ich glimpflich überlebt geglaubt hatte. Sagt auch der Apfeldoc, den wir aufsuchen und der uns für teuer Geld einen neuen Akku samt Ultraschallreinigung aufnötigen will. Ich sage nein, ist doch das Handy schon ein paar Jährchen alt. Und vielleicht können wir − heißt Irgendlink, der Problemlöser vom Dienst − es ja doch noch selbst sauber bekommen?

Am Freitagabend kommt Journalist F. zu Besuch. Zeigt sein neues Handy vor. Sein altes iPhone, ein neueres als meins, sei ihm runtergefallen, gehe zwar noch, bräuchte aber ein neues Display. Ich könne es bekommen, gratis, müsse mir aber ein neues Display drauftun lassen.

Juhu! Wir holen es am Samstag ab. Der Display-Reparaturservice-Mann bei Mister Minit kann aber samstags nicht und so fahren wir mit dem kaputten Teil zurück auf den Hof. Nun gut, so schlimm ist das nicht, konfigurieren kann ich es ja auch so. Und mit Tesafilm überklebt sind die Risse auch nicht mehr so gefährlich für die Fingerspitzen. Sieht eigentlich sogar ziemlich witzig aus. Wäre da nicht dies doofe NanoSIM-Karte gefragt, wäre alles ein Kinderspiel. Wir schnippeln meine Schweizer Microkarte zurecht, bis sie fast zu klein ist. Aber Handy2irgendwie habe ich irgendwannalle gebackupten Daten auf dem Handy und bin einfach nur froh, ich Glückspilz ich.

Nun ja, jene Phase, als es eine Weile lang so ausgesehen hatte, als hätte ich meine SIM-Karte unrettbar mit der Schere zerstört, war schrecklich. Wie sollte ich ein paar Tage ohne funktionierendes Handy leben? Undenkbar! Ich gestehe, dass dies doch eine ziemlich erschütternde Erkenntnis war. Diese Abhängigkeit von Dingen wie Erreichbarkeit, Kommunikation, allzeitbereitem Foto-, Twitter- und Blogapparat … Handy1

Wie gesagt: Baustellen überall. Wie schön es wäre, wenn ich mich endlich und überall endlich selbst wieder eingeholt hätte. Wenn ich mich selbst synchronisieren könnte − wie das Handy dank Backup auf dem Rechner. Und wenn ich nicht immer das Gefühl haben müsste, mir hinterher zu sein, ohne Hoffnung auf Einholen. Bei der Arbeit im Büro ebenso wie bei all den Projekten, an denen ich sonst noch so arbeite. Endlich ankommen. (Notiz an mich: Und dann? Und gleich noch eine Notiz: Wie viele Baustellen verträgt ein Mensch ohne krank zu werden? Oder zumindest, ohne die Übersicht zu verlieren?)

Bautellen. Eine gibt’s übrigens auf Pixartix, dem Bilderblog, wo ich heute meinen Drei Bilder-Zyklus gestartet habe.

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18 Kommentare zu „Baustellen“

  1. Liebe Soso,

    Wie aussen, so innen, wie innen, so aussen, war das nicht so? Ich musste sofort daran denken, als ich den Anfang deines Artikels las- wer kennt sie nicht, die eigenen Baustellen im innen und wer nicht all die Baustellen in der Welt? Und wieder einmal kam ich in den letzten Tagen drauf, dass es ohne Disziplin und Regelmässigkeit nicht zu den erhofften Erfogen kommen kann.
    Freudige Anstrengung heisst die Überschrift- sobald es ins Muss geht, wird es anstrengend, aber freudige Anstregung hat etwas mit Vertrauen und Hingabe, mit positiven Erfahrungen zu tun- dem Glauben und dem Vertrauen da hinein, dass wir weiterkommen, wenn wir nur dran bleiben- wie immer die Praxis auch heissen mag: Yoga, Meditation, tägliche Spaziergänge und Seelenpflege –
    Ja, das Ding mit der Zeit- aber seien wir mal ehrlich, wir nehmen uns viel Zeit für dies und das, aber oft nicht für das, was uns WIRKLICH weiterbringt-
    uijui, das ist jetzt aber lang geworden- bin gerade auf dem Weg aufwärts und merke, dass ich lange nicht mehr gesprochen habe …

    herzliche Grüsse vom sonnig warmen Berg
    Ulli

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    1. Die Sache mit der Disziplin hat den Hacken, dass das Wort bei mir negativ besetzt ist und so gehe ich leider auch damit um. Vielleicht müsste ich dafür ein neues Wort finden?
      Danke für deine Anregungen. Wir wüssten es, allein die Umsetzung ist nicht so einfach, wie es aussieht.
      Ja, für das Essentielle fehlt leider ganz oft die Zeit. Großes Leider. Oder wir nehmen sie uns nicht. Wie du schreibst.
      Danke dir!

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  2. Liebe SoSo,
    ja, Du hast schon Recht: auch wenn man es eigentlich gar nicht will, man wird von der technischen Kommunikation immer abhängiger. Nicht nur, dass man sich selber davon abhängig macht, man wird auch – zumindest zu einem gewissen Grade – dazu gezwungen. Ich für meinen Teil versuche, eine vernünftige Balance zu halten. Und absolut von Übel ist die (neue) Technik ja nun auch nicht. Sonst könnten wir z.B. ja nicht hier kommunizieren. 😉
    Herzliche Grüße aus einem herbstlichen Fredericksburg und einen schönen Restsonntag,
    Pit

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    1. Diese Abhängigkeiten machen mich manchmal froh und manchmal hibbelig. Und eben: Ich verdanke der Technik so manche tolle Begegnungen und „Kennenlernungen“ – von daher … mehr Segen als Fluch?
      Liebgrüß nach Texas 🙂

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    2. Hallo SoSo,
      ich denke auch: mehr Segen als Fluch. Denn obwohl Manches ohne diese Technik wohl gar nicht mehr geht, so ist es doch – zu einem großen Teil zumindest noch – meine Sache, inwieweit ich mich ihr ausliefere.
      Hab’s fein,
      Pit

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  3. Ich war heute bei güldensten Sonne am blauesten Himmel in der Irchel Region unterwegs und bewusst ohne Smarty, quasi ab der Welt und inexistent. Es war sehr gut, nur gewöhnungsbedürftig.

    Ich ertappte mich aber immer wieder dabei, etwas bildlich festhalten zu wollen, statt selber genau zu schauen und es danach vielleicht zu erzählen. Ohne Twitter und Facebook war auch komisch.

    Schliesslich habe ich mich daran gewöhnt und könnte es geniessen. Aber Mann, was war ich froh, wieder Zuhause und online zu sein… 😁

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    1. Aber ich erschrecke schon auch mal über mich, wenn ich schon zum Haus raus bin und auf dem Weg zur Tram bemerke, dass ich mein Handy nicht eingesteckt habe und umdrehe, um es zu holen. Wohlgemerkt, ich will dann nicht für 3 Wochen verreisen sondern z. B. für 4 Stunden ins Büro oder gar nur eben einkaufen gehen… Ich hab sie doch nicht mehr alle! 😆

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