Vertrauen oder nicht vertrauen

Gut oder böse?, fragte ich neulich den Liebsten über eine Figur in einem Film aus. Sie will das Gute, wählt aber einen Weg, der nicht über alle Zweifel erhaben ist. Heiligt der Zweck die Mittel?

Nein. Nein? Nein!

Aber. Aber?

Schnitt.

Wie ich heute über die Autobahn von Süd nach Nord durchs Elsass, durch die Stadt Strasbourg, gefahren bin, holen mich auf einmal diffuse Ängste ein. Ich gestehe, dass mir auf einmal ein klein bisschen mulmig zu Mute war, als ich die „Europäische Hauptstadt“ querte. An Paris denkend. Was wenn?

Es braucht nur ein klein bisschen Gift, um einen Kuchen ungeniessbar oder gar tödlich zu machen.

Auch in mir steckt Gift. In mir steckt Gutes und Böses, um es mal ein bisschen salopp, naiv, kindlich, einfach zu sagen. Ich entscheide, ob das in mir, was mir oder anderen schadet, mehr Raum erhält oder das, was mir und anderen gut tut. Ich entscheide, wie ich auf Schicksalsschläge reagiere. Und ich entscheide, wie ich mit Ungerechtigkeiten umgehe. Wie ich mit Menschen, die mich unfair behandeln, spreche.

Nein, ich bin wirklich keine Heldin diesbezüglich. In der letzten Zeit habe ich im Büro oft emotionale Energie für Dinge verbraten, die es nicht wirklich wert waren. Energieverschwendung habe ich betrieben, zelebriert zuweilen, um meiner Empörung über Dinge, über Menschen, über Situationen Luft zu machen. Bis zu einem gewissen Punkt psychohygienisch, durchaus, und auch durchaus normal und gesund, aber … manchmal trete ich mitten in die Hundesch*** und schon stinkt es gewaltig. Und niemandem ist im Grunde gedient mit meiner Motzerei. Auch die Psyche wird davon nicht sauber.

Einen Samen hegen und giessen und stützen, damit er wachsen kann und Baum werden, braucht mehr Kraft als Unkraut beim Wachsen zuzusehen. Und auch mehr Kraft als Unkraut zu jäten.

Gut und böse, Himmel und Hölle, Schatten und Licht sind nur im Doppellpack zu haben. Leben und Tod auch.
Vertrauen und Misstrauen – nein, hier will ich das Doppelpack nicht. Ich will nicht aufhören, zu vertrauen, immer wieder neu. Auch wenn ich grad heute wieder ziemlich ent-täuscht, zu Ende getäuscht worden bin (auf Twitter, punktuell). Nein, ich will dem Misstrauen nie die Überhand geben. Ich will nicht aufhören, der Angst (der diffusen ebenso wie der vermeintlich konkreten) ins Gesicht zu schauen und ich will nicht aufhören, das Gift wahrzunehmen und zu meiden. Auszuspucken.

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8 Kommentare zu „Vertrauen oder nicht vertrauen“

  1. Nein, so weit bin ich nicht, was Vertrauen anbelangt. Ich möchte weiterhin darauf vertrauen, dass sich rechtzeitig Misstrauen einstellt, wenn mir und anderen Schaden zugefügt werden soll. Wenn Misstrauen allerdings von Angst genährt wird, ist nur noch wenig Verlass darauf. Vielleicht wolltest Du darauf hinaus?

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    1. Ja, das ist nun noch differenzierter gesagt, was ich meine. Gesundes Misstrauen muss wohl sein, obwohl ich von einer Welt träume, in der es kein Misstrauen braucht und gesund nicht im gleichen Zug wie Misstrauen genannt werden muss.
      Ich olle Träumerin ich.

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  2. Ist es nicht seltsam, wie sich kleine und grössere Ängste an uns heranschleichen. Was ist berechtigt, was nur den Nachrichten zu „verdanken“?
    Vertrauen … ist ja auch so ein grosses Wort, wie Frieden oder Freiheit auch, das alles können nur weiterhin Ziele sein, für uns selbst und für die Welt. Um aber ehrlich zu sein, ich vertraue der Politik zum Beispiel schon lange nicht mehr, wie auch? Aber ich vertraue der Kraft der vielen sogenannten kleinen Menschen …
    ich grüsse dich sehr herzlich
    Ulli

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  3. Ein Gedanke, nein DER Gedanke zum Gift: Bittermandel in kleinen Mengen macht Kuchen sehr lecker. Erst die Überdosierung lässt den Kuchen vergiften. Gleiches gilt für Arsen, das wesentlich häufiger als Beispiel herangezogen wird.
    Wann wird Misstrauen damit zu Misstrauen? Wir unterscheiden Vertrauen und bedingungsloses oder vollstes Vertrauen, also ist „normales“ Vertrauen doch irgendwie anders. Weil es eine Spur Misstrauen enthält, das wir vornehm als Vorsicht oder Privatsphäre bezeichnen? Ich denke, das ist eine gute Vorstellung, dass es Vertrauen gibt, dem Misstrauen beigemengt ist, ohne dass es Misstrauen ist. Eine Art Vertrauen höherer Ordnung: Vertrauen, dass der Gegenüber Verständnis für ein wenig Misstrauen hat.

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    1. Wann kippt die Waagschale? Dein Bild ist klasse und ja, diese Übergänge sind sehr fließend – wie ja auch bei Genussmitteln. fällt mir da ein. Wann Genuss zu Schaden wird, ist ja auch nicht so klar zu fassen.
      Danke für deine Anmerkung.

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