Das Fieberorakel zu Dada

Ich bin nicht der einzige Weg zu einem anderen Land. Und die Kinder sind wir. Uns. In den nächsten Wochen, in den nächsten Jahren. Nicht so viel – zu viel?– für mich. Nicht so viel Geld zu verlangen. Und der andere? Nicht aus den Federn? Zu den Favoriten hinzugefügt, in der Stadt und Land …

Mein Handy kann Dada. Dank des neuen Betriebssystems werden mir, wenn ich etwas schreiben will, immer jene Wörter angezeigt, die ich meinen/denken/schreiben wollen könnte. Es erinnert sich sogar an meine selbstkreierten Wörter und es zeigt sogar dann mögliche Wörter an, wenn ich noch keinen ersten Buchstaben getippt habe. Dann entsteht sowas wie der kurze Text oben. Nur die Satzzeichen habe ich nachträglich eingefügt.

Mein Handy ist ein Orakel? Vielleicht. Ich gestehe, dass zwischen uns eine Art Liebesbeziehung besteht. Eine einseitige allerdings, denn mein Handy hat mir noch nie gesagt, dass es mich liebt. Und weder Liebe noch lieben hat es mir je spontan zu schreiben vorgeschlagen. So weit geht seine Erinnerung noch nicht. Wenn es nur lang genug bei mir ist und meinen Wortschatz besser kennt, vielleicht dann? Ob es lieben kann, steht eh nicht zur Diskussion. Was immer Liebe ist.

Mein Handy braucht mich nicht. Doch das erste Wort, das es anzeigt ist immer Ich. Immer. Es braucht mich trotzdem nicht.

Mein Handy ist nicht Ich. Ich bin nicht mein Handy.

 

Es ist das Leben, das zählt. Und das Schreiben ist Teil des Lebens. Ohne Verdauung würde ich krepieren.

Das Leben. Mein Leben. Zählt. Ja. Aber nur für mich. Und immer nur jetzt. Nicht morgen. Nicht gestern. Illusionen nur. Nehmen wir uns nicht zu wichtig. Aber wichtig genug. Denn wir wissen es nicht. Wir wissen nichts. Ich bin nicht der einzige Weg zu einem anderen Land. Wäre ich Weg, wäre ich jenen zu mir. Durch die Fieberträume hindurch. Durch das Dunkel, das nie dunkel genug ist, um nicht irgendwo doch noch ein kleines Lichtlein unter der Tür zuzulassen. Keine Dunkelkammerschwärze. Die gibt es nur künstlich.

Der Schweiß auf der Haut stört mich erst, wenn er den Pyjama erreicht, dann kühlt er mich, und ich föhne mich morgens um fünf Uhr trocken. Kalter Schweiß. Das Fieber sinkt wie ein Mäusebussard und macht mutig, dem Leben zu erlauben, zu sein, wie es ist. Dem Körper auch. Der Liebe sowieso. Und mir. Und die Kinder sind wir. Immer. Auch wenn wir alt sind.

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6 Kommentare zu „Das Fieberorakel zu Dada“

  1. Wow, liebe Soso, was dein Handy und du und das Fieber hier kreiert haben! Das ist so ein wundervoller Sosotext, da dene ich: ich will mehr! Aber dann lieber nicht, weil ich ja gar nicht will, dass du Fieber hast, weil ich dir genesung wünsche und dann aber bitte auch immer wieder Dada! Dada and Rock^n Roll will never die!
    big hug und auch heute einen grossen Heilesegen für dich
    Ulli

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  2. Diese Handyschreibe und Deine Dadalese sind einfach wunderbar. Wenn man sich auf eigenartige, abseits der üblichen Pfade herumspringende Wörter (und Gedanken und Wege und Dinge) nur einlässt … Welche Tiefe Deine Fiebertage hervorgebracht haben!
    Danke, dass Du dies nicht in einem Genesungsschweigen hast verschwinden lassen, Liebstgruß, Uta

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