Leise Schlagzeilen

Was nicht in den Schlagzeilen steht, müsste
uns interessieren. Und
was geheimgehalten wird und
was verschwiegen und von wem und wozu;
was langweilt.
Daran wäre zu erkennen,
wohin wir nicht unterwegs sind.

Wir?
Teil des Wir bin ich,
obwohl ich mich
oft
(oft genug?)
dafür schäme.

Wohin wir nicht unterwegs sind, wäre,
so ahne ich, dieser Ort,
der uns ein wenig heilen könnte.
Und besser für uns wäre, als
jener, wo wir uns aufhalten,
zu oft,
im Lärm,
ohne den wir
an der Stille,
die sein könnte,
zu ersticken meinen.

Heiliger Konjunktiv, verlass mich nicht,
denn diesem lauten Wir würde ich lieber nicht angehören.

Ich will ein anderes Wir. Das Wir jener Menschen, die
in Respekt miteinander leben. Vor Tieren.
Vor Kindern. Vor Alten.
Vor Frauen. Vor Männern.
Weil nicht zählt,
was wir glauben,
noch was wir essen,
sondern dass wir hier sind. Lebendig.

Ein Wir brauchen wir (sage ich), das die ungedruckten Schlagzeilen liest.

Mich interessiert,
wer du bist, wenn ich
weder Geschlecht noch Hautfarbe,
noch Geburtsort, noch Alter,
noch Sprache, noch Krankheiten,
noch Elternhaus, noch das Land deiner Ahnen
weiß.

Illusion!

Denn du bist nie netto.
Du bist brutto. Immer.
Und ich bin auch nie nur netto.
Ich bin brutto. Immer.

Und das ist
für mich
für uns
manchmal
gar nicht so einfach.

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4 Kommentare zu „Leise Schlagzeilen“

  1. Liebe Soso,

    nein, ich schäme mich nicht Mensch zu sein, nicht mehr! Weil ich in meinem Leben und gerade auch wieder in den letzten Wochen so unglaublich viele Menschen getroffen, gesprochen, gelesen und gehört habe. Ich schäme mich auch nicht mehr Deutsche zu sein, ich glaub man muss mit all dem auch einmal Frieden schliessen. Und wenn ich mich für all das nicht mehr schäme, was dann? Dann übernehme ich die Verantwortung, die mir in die Wiege gelegt wurde, als ich als Mensch in Deutschland auf diese Welt kam, menschlich zu werden und zu sein und dafür Sorge zu tragen, dass Deutschland nie wieder faschistisch wird und mich immer und immer wieder für die Menschenrechte einzusetzen. Steter Tropfen höhlt den Stein!

    Diese Schlagzeilen von denen du sprichst, die gab es während der Siebziger Jahre als eine Art Wochenheft, da standen alle Nachrichten drin, die nicht gesendet wurden, das hat meine Sicht auf Nachrichten und Zeitungen nachhaltig verändert.

    Es gibt sie, die leisen Schlagzeilen, besonders hier in Bloghausen, hier menschelt es so schön 😉

    schön hast du geschrieben!
    Liebe Grüsse
    Ulli

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    1. Ja, hier menschelt es schön. Ich neige zu elitärem exklusivem Menschsein, zuweilen, nicht rassistisch gemeint, aber es zieht mich einfach zu jenen Menschen, die das Herz noch warm und blutig erleben, statt kalt und fascho. Du weißt schon. Und natürlich weiß ich darum, mit dem Wir, das ich nicht mag, Frieden zu schließen. Dennoch ist da Trotz. Rebellion. Du hast mich übrigens mit deinen Schlagzeilen zu meinem Ding da inspiriert. Danke schön.

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