Die Weltverbesserung wäre ein großes Tuch.

Die Weltverbesserung wäre ein großes Tuch. Eins, das gewoben wurde, um alle zu wärmen, alle einzuhüllen, alle zuzudecken und allen Geborgenheit und Heimat zu geben. Ein riesengroßes Tuch also und ganz viele Menschen haben es zusammen gewoben, gestrickt, gehäkelt, gesponnen, es zusammengenäht und ja, das sieht man auch. Homogen ist es nicht wirklich, eher ziemlich derb, und rau und die einen Zipfel sind ein bisschen ausgeleiert, während andere im Laufe der Zeit steif geworden sind, andere verfilzt und an einige Ecken haben sogar Motten ihre Spuren hinterlassen. Kurz und gut, unser großes Tuch ist ein bisschen wie wir Menschen, die wir ja nur ihr Bestes wollen, der Welt Bestes, das Beste für alle.

Und natürlich wissen wir alle – genau oder ungenau, was das ist. Nun ja, ich und du, wir wissen es natürlich ein bisschen besser als die da drüben, die unter dem steif gewordenen Stück der Decke stehen. Und die da drüben, wo es schön farbig ist, wissen es vielleicht genauso gut wie wir. Vielleicht. Oder sogar ein bisschen besser?

Und wie geht es wohl bei jenen vis-à-vis, die mit ihrer Wut auf alles? Eigentlich müsste deren Wut ja die Decke ausdehnen, weiten und noch reicher machen – zumindest wenn man all ihre Wut in Energie umrechnen könnte.

So stehen wir alles da, halten einen Zipfel der Decke, des riesigen Tuches, und wollen jenen Teil der Welt, der uns ganz besonders am Herzen liegt, ein bisschen fester zudecken. Wollen heilen. Wollen das Beste für.

Wir ziehen ein bisschen, damit auch wirklich alles gut zugedeckt ist. Aber halt, was ist das? Die da drüben ziehen ja auch an der Decke. In ihre Richtung. Dahin, wo sie es notwendig finden, dass.

Und da, da drüben, ruckeln die Wütenden. Auch sie finden, dass.

Wie jetzt? Ist unsere Decke doch nicht groß genug für alle?

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