Besondere Kinder in besonderen Büchern

Vielleicht wechsle ich mein Lieblingslesegenre. War ich früher eine Liebhaberin von Biografien, klassischen Entwicklungsromanen und Romanen mit philosophischem oder lebenshilfreichem Inhalt, bin und war ich nun schon seit einigen Jahren eine sehr leidenschaftliche Krimileserin und Krimiguckerin.

Weder Thrill noch Blut und Geballer aber sind es, die mich an Krimis faszinieren, eher faszinieren mich die psychologischen Komponenten. Wie Menschen ticken. Wie sie in Ausnahmesituationen reagieren, agieren, wie sie sich und andere Menschen behandeln. Dass es in den meisten Krimis eine Art Happyend gibt, mag ich ebenfalls. Doch das ist ja längst nicht mehr überall so. Und das muss es auch nicht. Weil die Welt … nun ja.

Doch jetzt wechsle ich vielleicht das Genre, denn in letzter Zeit stelle ich bei mir eine latente Krimiüberdrüssigkeit fest. Fast als hätte ich nun alles gesehen. Bin ich abgestumpft?

coverVor einigen Wochen hat mir eine Ello-Freundin die Bücher von Ransom Riggs empfohlen. Band 1 – Die Insel der besonderen Kinder – kommt im Herbst ins Kino und darauf freue ich mich schon sehr. Eben lese ich bereits Band 2: Die Stadt der besonderen Kinder.

Nicht erschrecken: Das hier ist Fantasy. Aber anders, als ich mir bisher Fantasy eben vorgestellt habe. Nun ja, ich kannte ja bisher nur Harry Potter und Narnia, falls man diese zwei Serien in ein Genre packen will und muss.

Aber eigentlich ist es mir egal, wie das Genre heißt. Ich mag die Geschichten, ich mag die Figuren, ich mag die Gedanken darin, die Dialoge, die Abenteuer und ich mag, was diese zwei Bücher mit mir machen. Ich werde wieder Kind, sogar wie ein eins dieser besonderen Kinder aus dem Buch.

Was sie so besonders macht, sind ihre Gaben. Emma kann mit ihren Händen Feuer schaffen, Millard ist unsichtbar, Jacob sieht die Hollows, die dunklen Mächte, Olive ist leichter als Luft … Gaben, die für die Welt da draußen nicht nachvollziehbar sind, magisch, unheimlich, unnütz, andererseits aber auch begehrenswert, besitzenswert, vermarktbar.

Verrückt und besonders_fW

Was ist dieses Anderssein, dieses Besonderssein? Keine Schwäche, wie es ihnen als kleine Kinder eingeredet wurde, bevor sie von ihrer Hüterin und Ziehmutter Miss Peregrine entdeckt und auf die Insel geholt wurden, wo sie – geschützt in einer Zeitschleife – ein wunderbares, glückliches Leben gelebt haben, bis …

Nein, ich will nicht über die Geschichten an sich schreiben, denn die lest ihr entweder selbst oder guckt euch auf den Links unten die Zusammenfassungen an. Schreiben will ich über das Faszinosum dieser Geschichten. Ich erkenne mich wieder in den Kindern, in ihren Sehnsüchten, in ihrem Kampf gegen die Welt da draußen, im erlebten Unverständnis, das ihnen und ihren Besonderheiten entgegengebracht wird. Ich erkenne mich wieder.

Die Sehnsucht, ein Problem lösen, ein Leben retten, ein Unheil abwenden zu können: es ist so unglaublich menschlich. So ganz anders menschlich als das, was um uns herum tagtäglich geschieht. All dieser Unmenschlichkeit und Tristesse trete ich mit diesen zwei Büchern, mit diesen Geschichten entgegen, die mich eine Zeitlang aus der Zeitschleife des Hier und Jetzt in eine andere Zeit, in eine andere Welt zaubern.

Und ja, darum liebe ich diese Bücher. Und ich freue mich schon auf Band 3. [Hoffentlich wird er bald auf Deutsch übersetzt, sonst muss ich ihn auf Englisch lesen.]

Ach, und nicht zu vergessen: Die beiden Bücher sind echte Augenweiden. Ob als eBook oder in Papier: Wunderbar gestaltet sind sie und mit antiken Fotos illustriert.

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