Von Fröschen und andere Zufällen

Man denkt ja immer: Ich will dann kein schlimmes Alter, bitte-bitte, liebes Leben, verschone mich. Und dann wird man allmählich älter und ist dabei wie der berühmte Frosch* im Wasserbad, das sehr langsam erhitzt wird. Man gewöhnt sich, wie der Frosch, an die steigende Hitze. Man − die älter werdende Frau, die ich bin − gewöhnt sich an die Gebrechen. An den Rücken, der zwickt, an den Tinnitus sogar, der lauter geworden ist. Man denkt, dass das irgendwann ist, später, in der Zukunft, das mit den sich mehrenden Gebrechen, später irgendwann, und man merkt gar nicht, dass es schon jetzt ist und dass man mittendrin ist in diesem Älterwerden mit seinen Gebrechen da und dort.

Ich glaube ja eigentlich an Gesamtzusammenhänge. Von daher muss das wohl auch etwas mit mir zu tun haben. Aber wenn ich an Gesamtzusammenhänge glaube, muss dann nicht alles, was je geschehen ist, etwas mit mir zu tun gehabt haben und war nicht einfach nur Zufall? Und wenn Gesamtzusammenhang, dann wie? Und muss ich es verstehen?

Anders gesagt: Versteht jemand die Zusammenhänge oder ist das eine Frage des Ausschnittes?

Hängt zwar alles naturgemäß zusammen, aber niemand sieht das ganze Bild. Vermutlich.

Weil das ganze Bild gar nicht auf eine Karte passen würde und wegen all der Kurven und Knicken und Ecken und Rundungen – wie bei der Weltkugel – die Proportionen eh nicht originalgetreu wiedergegeben werden können. Geschweige verstanden. Ein großer, in sich zusammenhängender Zufall also. Ja, vielleicht.

——-

* Mag ja sein, dass sich Menschen so verhalten, wie sie es Fröschen unterstellen, nämlich, dass sie sich an die Umgebungshitze gewöhnen, doch ganz offensichtlich ist es in Wirklichkeit bei den Fröschen ein bisschen anders.

Zeit.de

 

Advertisements