Was ich brauche?

Eigentlich ist es ja ganz gut, dass nicht alle sind wie ich. Viele Berufe würden nämlich gänzlich aussterben, wären alle wie ich. Es gäbe zum Beispiel keine Fernseher und keine Radios, weil ich nie Radio höre und Fernsehen gucke (das Dauer-Gelabber macht mich viel zu hibbelig, Werbung vor allem, Stimmen, Reden). Es gäbe keinen herkömmlichen TV-Betrieb außer den werbefreien Mediatheken. Und es gäbe keine Metzgereien, keine Nur-Fleischgerichte-Restaurants, keine Einkaufmalls, keine Zeitungen, keine … ach, ich könnte bestimmt eine sehr lange Liste schreiben, wenn ich wollte, ich partielle Konsumverweigerin ich.

Wie gesagt: Es ist wirklich gut, dass es so verschiedene Menschen mit so verschiedenen Talenten, Interessen, Fähigkeiten gibt. Aber was wollen und was brauchen wir wirklich, wir KonsumentInnen wir?

Seit vier Jahren und einem Monat lebe ich nun in W. und kaufe seither meistens im kleinen Dorf-Laden ein. Zwar ist es eine Filiale eines der zwei größten Genossenschaftsgroßverteilers der Schweiz, aber der in W. ist eben recht klein, überschaubar und irgendwie persönlich. Dennoch mit einem ziemlich breiten Sortiment; von allem was, aber nicht von jedem Ding tausend verschiedene Produkte und Marken zur Auswahl. Meistens kaufe ich mit Rad, Rucksack und Korb ein, für eine Woche. Und meistens reichen Korb und Rucksack. Einen Einkaufswagen brauche ich nie.

Heute habe ich das erste Mal, seit ich hier lebe, bei der Einkaufsmall zwischen den Dörfern, die ich bisher immer links liegen gelassen habe, zwischengestoppt.

Ehrlich, eigentlich bin ich da ja nur hin, weil ich vermutete, dass sie das Bio-Spülmaschine-Mittel haben, das der kleine Laden nicht hat. Nun ja, das haben sie, aber sie haben eben, wie ich heute merkte, auch sonst noch ein paar Sachen. Was für eine Auswahl an Gemüsen, an Joghurts, an Käsesorten, an Vegi-Produkten! Und Bürokram auch gleich – Kopierpapier brauche ich eh bald wieder. Und diese Biersorten!

Mein Korb war längst voll, ich holte an der Kasse einen zweiten und auch den füllte ich locker. An der Kasse reichte das Förderband nicht für alles und ich fühlte mich ein bisschen wie eine Falschspielerin, wie eine mit riesiger Familie zuhause … Wobei … bald kommt ja der Liebste zurück von Spanien. Und ehrlich: der Kühlschrank ist auch fast leer …

Was ich sagen will: Es tut gut, ab und zu über seine eigenen Vorsätze, Prinzipien und so weiter zu stolpern und mal Dinge zu tun, die man sonst nicht tut, weil. Und echt jetzt: die Bio-Mandelmilch ist wirklich genial. Und ja, wirklich, mir gehts nun wieder ein bisschen besser als heute Morgen.

Auch dass ich mich mal richtig über Regen freuen würde, hätte ich auch nie gedacht. Heuschnupfen ist dann nämlich viel erträglicher.

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