Das Ding mit dem Glück

Was mich glücklich macht? Wenn ich mich einlassen kann, mit Haut und Haar, wenn ich das Grübeln lassen und wenn ich das, was ich tue, mit voller Hingabe tun kann – ohne Hin- und Herzuspringen, ohne Unterbrechungen, ohne Ablenkungen; wenn ich mich ins Tun vertiefen kann und nicht schon mit den Gedanken beim Nächsten To do, das auf meiner unendlich langen Liste steht, bin; wenn ich Ja sagen kann zum Moment und nicht nach hinten und nach vorn schauen muss …

Wenn – dann … so einfach ist es manchmal, das Ding mit der Hingabe. Wenn Hingabe, dann Glück. Nun ja, natürlich geht die Gleichung nicht immer auf, das Leben ist ja weißGöttin nicht ideal, und oft bin ich es mir nicht bewusst, dass ich nur ein bisschen an der inneren Haltung schrauben müsste, um dem Glück Zugang verschaffen zu können.

Manchmal wiederum ist es einfach einfach, das Ding mit der Hingabe und die Gleichung – wenn Hingabe, dann Glück – geht *schwupps* einfach auf.

Zwei Zauberwörter sind es nur, die es manchmal braucht:
Jetzt
und
Ganz.

Gestern dieser Spaziergang durch den dämmernden Wald mit dem Liebsten. Diese Schale Carameleis mit Waldbeeren auf dem Sofa. Dieses Sein. Den Worten lauschen. Sprechen. Schweigen.

Manchmal kommt das Glück auch ganz unvermutet. Beim Zähneputzen zum Beispiel oder beim Geschirrspülen gar. Beim Schreiben sehr oft. Und manchmal sogar bei der Büroarbeit.

Hauptsache ich lasse mich ein. Und ich lasse mich nicht ablenken – weder von außen noch von mir selbst. Denn Ablenkung ist es vor allem, die mich krank macht.

Und, so denke ich gestern Nacht vor dem Einschlafen, das ist es wohl, was sich die Werbung, was sich die Wirtschaft zunutze macht und in bare Münze umwandelt: Unsere Bereitschaft zur Ablenkung ist das Glutamat des Kapitalismus, der Kommerz- und Konsumgesellschaft (zu meinem Glutamat-Artikel bitte → hier klicken).

Süchtiggewordene sind wir, Getriebene, lechzend nach Impulsen, nach Ablenkungen, nach Konsumzöix, bereit, uns manipulieren und formen zu lassen. Diese neue Unzufriedenheit lässt uns Dinge tun, die wir, wären wir Glückliche, nicht täten, nicht bräuchten.

Ich nenne sie neu, diese Unzufriedenheit, die mit der alten, von Mangel und politischen sowie gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten genährten, nur noch wenig gemeinsam hat. Die Melodie der Unzufriedenheit vielleicht, den unablässigen Wunsch nach Veränderung und den Ruf nach mehr und noch mehr.

Wären wir Glückliche, wir wären anders. Und wir würden anders handeln. Vielleicht würden wir weniger tun, mehr lassen, und vielleicht würden wir mehr dort handeln, wo es nicht nur uns etwas bringt. Und wir würden, das ist meine Hauptthese, weniger konsumieren, weil wir weniger hungrig nach jenen Dingen wären, die zwar dem Gaumen schmeicheln, das Herz aber nicht satt machen.

(Als Kind stellte ich mir vor, wie es wäre, wenn sich jeder Zustand wie Masern anstecken ließe. Dass sich Glücklichsein zum Beispiel oder Zufriedenheit wie eine Krankheit verbreiten könnten. Wer weiß das schon so genau?)

Wären wir Glückliche, würden wir nie oder wohl nur selten darüber nachdenken, dass wir es sind. Wir wären es einfach.

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Ein Gedanke zu „Das Ding mit dem Glück“

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