Und noch eins

Noch ein Jubiläum? Nun ja, kein rundes. Aber ich mag eigentlich alle Jahrestage und Geburtstage. Sie sind viel persönlicher als andere religiöse Jahresfeste, mit denen ich ja kaum was am Hut habe.

Schon um Mitternacht fing es an. Kaum hatte die Anzeige auf 00:00 gewechselt, wurde ich schon reich beschenkt. Kurz vorher war der Liebste heimlich aus dem Wohnzimmer geschlichen und mit einer Ladung kleiner und größerer Päcklein zurückgekommen. Hach. Symbolisches und Handfestes, Süßes und Humorvolles … Ich komm‘ kaum nach mit Hachen.

Wie bestellt, blinzelt am Morgen die Sonne durchs Dachfenster und weckt uns grinsend. Mein Handy blinkt und piepst, kaum habe ich es eingeschaltet. Auf allen möglichen Kanälen trudeln Glückwünsche ein. Ich bin gerührt.
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Ein Engel am Himmel schaut uns beim Frühstück über die Schulter

Der Liebste deckt liebevoll den Tisch auf der Wiese und wir planen den Tag. Am Haspelshiedter Stausee baden ist das eine, eine kleine Wanderung ist das zweite, was ich mir wünsche. Warum eigentlich nicht Geocachen?

Später gucke ich nach Caches dort in der Nähe und ich lade drei auf mein Handy, damit wir – immerhin ist es ja Frankreich dort – auch ohne Netz unsere Ziele finden können.

Und dann geht’s los! Den ersten Cache finden wir schnell. Dazu sind wir erst die zweiten, die ihn loggen. So ein Glück aber auch und quell‘ honneur!

Später parken wir das Auto am See und wandern hügelan. Querwiesein schlüpfen wir unter Zäunen durch, finden einen tollen Hochsitz und schließlich die Höhlen von Polissoir d’Haspelshiedt.

Wow!

Die Cache-Koordinaten sind schnell gefunden, doch da der Cache sowohl am Fuß der Sandsteinfelswand als auch auf der Hochebene versteckt sein könnte und wir ihn unten nirgends finden, steigen wir, so wie es in der Cachebeschreibung auf einem Bild angezeigt wird, aufwärts. Der Trampelpfad steigt steil an und schließlich werden wir, wenn auch unser neuer Standort nur etwa zehn Meter höher als der Vorherige ist, mit einer wunderbaren Weitsicht belohnt. Hier irgendwo muss er sein, der Cache. Ich nähere mich behutsam dem äußeren Ende des gerade eben noch begehbaren Teils, zu meinen Füßen einzig ein wenig Gebüsch und ganz viel Abgrund. Ich halte mich an einem aus den Felsen ragenden Ast fest und taste mit der linken Hand die Wand nach möglicherweise unsichtbaren Nischen ab, in denen sich ein Cache verstecken halten könnte. Auf einmal gibt der Ast nach, an dem ich hänge, und ich trete erschrocken einen Schritt nach hinten, um das Gleichgewicht wieder zu erlangen. Doch da ist ja nicht wirklich was, worauf ich stehen könnte, außer einem bisschen Gebüsch und ganz viel Abgrund. Meine Reflexe funktionieren zum Glück einwandfrei. Ein kleiner Schrei und ein großer Griff nach den Büschen retten mir das Leben. Ich hänge mit beiden Händen und zappelnden Füßen im Fels, schmiege mich an die Wand und atme erschrocken aus. Sofort kommt Irgendlink angerannt und reicht mir die Hand. Puh. Glück gehabt. Den Cache lassen wir Cache sein und beschließen sogar, auf dieses Abenteuer hin, auch den dritten Cache sich selbst zu überlassen.

Noch eine ganze Weile rast mein Herz, Dankbarkeit, Staunen und die seltsam fatalistische Erkenntnis, dass ich noch lebe, erfüllen mich bis zum Rand. Am See, mit einem Leckeis in der Hand, durchdringt mich auf einmal eine tiefe Ruhe. Ein bisschen fühle ich mich schon fast wie neugeboren. Wir suchen uns einen schönen Badeplatz und nun hält mich nichts mehr zurück. Ich schwimme drauflos, lasse mich auf dem Rücken treiben, begreife, wie lebendig ich bin und da ist einfach nur Glück in jeder Zelle. Und ja, ich weiß mich jetzt doppelt neugeboren – aber sowas von!

Wir halten ein kleines Nickerchen, genießen den Frieden dieses Spätnachmittags und schließlich fahren wir durch die wunderbar märchenhafte Wald-Wiesen und Hügel-Landschaft zurück auf den Hof. Wir bauen ein schönes Feuer und grillen uns ein feines Abendessen. Kaum sind wir fertig, trudelt ein erster Überraschungsgast ein, bald darauf noch zwei andere.

Kurz und gut, ich mag Geburtstage.

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