Auswahl

Frau Rebis radelt zurzeit durch Tschechien. Sie bloggt und twittert von unterwegs. Gestern hatte sie ein Dilemma, das ich gut kenne. Auf der großen Zeltwiese galt es auszuwählen, wo sie ihr Zelt auf bauen soll.

»Ist nur ein wenig schwierig, auf der riesigen freien Wiese einen Platz für das Zelt auszusuchen. Wirklich jetzt: wenn so gar nichts dasteht, wenn ich riesige freie Wahl habe, woran orientiere ich mich dann?«

Quelle: fraurebis.wordpress.com

Könnte ich tun, was ich wollte, ohne Gedanken an den Verdienst, weil ich Bedingungsloses Grundeinkommen erhalte zum Beispiel, wie würde ich dann leben? Wo würde ich leben und wie würde ich meine Lebenszeit verbringen?

Wie viel Sinnhaftigkeit beziehen wir dadurch, dass da Vorgaben sind – ob nun andere Zelte oder Menschen, die etwas so und so tun.

Hängt das Recht auf ein gutes Leben davon ab, wie viel wert mein Leben hat? Wie viel wert ist und hat ein Leben? Deins, meins, irgendeins. Müssten sie nicht theoretisch alle gleich viel wert sein? Und wer misst das und woran? Und was ist die Währung?

Hängt mein, dein, unser Wert womöglich davon ab, welche Spuren wir hinterlassen, was wir tun, was wir unterlassen, wie sehr wir der Gesellschaft dienen und wenn ja, womit? Ist es dieser Wert der meinem Leben das Recht auf ein gutes Leben gibt? Ist es womöglich dieser Wert, der einem Leben seinen Sinn gibt?

Und wie steht es mit jenen Dingen, die ich tue, weil sie mir Freude machen und mir gut tun, aber letztlich niemandem dienen? Damit meine ich nicht erholungsbedingtes Abhängen, Lesen, Lachen, Einfachsein, sondern jene Dinge, die ich Kunstschaffen nenne. Die Arbeit an meinen Texten zum Beispiel oder das absichtslose Appen von Bildern, Bloggen auch; alles also, was mit dem Ausdruck meiner ganz persönlichen Perspektive zu tun hat?

Fazit? Ich tue etwas, weil ich etwas verändern will – innen und außen. Weil ich die Welt zu einem besseren, schöneren Ort machen will. Ob es mir gelingt, weiß ich nicht, aber ich will es. Und so ähnlich sehe ich es übrigens auch mit der Arbeit. Nur um des Geldverdienens willen zu arbeiten, liegt mir nämlich gar nicht.

Könnte ich auswählen, was würde ich tun?
Und du?

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