Eigentlich einfach

Wenn ich mir wegen eines gemachten Fehlers oder was immer die Haare raufte, sagte mein kleiner weiser Sohn zuweilen, dass das hier doch eigentlich einfach so sein dürfe. Eigentlich und einfach – diese beiden Wörter hatten es ihm ganz besonders angetan. Na ja, Wörter überhaupt.

Kein Kind überlegt sich, ob es etwas darf oder nicht, wenn etwas Spaß macht und gut tut. Nicht jedenfalls, wenn es das erste Mal ist und nicht gegen bereits verinnerlichten Regeln verstöß oder etwas ist, das jemanden gefährdet. Ein Kind ermächtigt sich selbst, zu tun, was es will. Eigentlich. Einfach. Jedenfalls wenn wir es lassen.

Wann verlieren wir diese gesunde Fähigkeit, der Selbstermächtigung? Wann fangen wir an uns zu verbiegen, zu tun und zu sein, wie wir glauben handeln oder leben zu müssen? Wann hört das Dürfen auf und fängt das Müssen an? (Und ja, bestimmt gibt es sowas wie ein gesundes Sowohl-als auch. Dennoch klingt in meinen Ohren Dürfen seltsam suspekt und Müssen wichtig und richtig. Pflichtbewusst. Gesellschaftlich anerkannt.

Und genau da kommt die Kunst ins Spiel. Lebenskunst. Darstellende Kunst. Schreibkunst. Egal. Kunst als Medium des Ausdrucks.

Kunst ist Dürfen, ist Bedürfnisstillung, ist Wollen, ist inneres Müssen, ist  ununterdrückbares Drängen, ist dieses Innen-und-Außen-verbinden-wollen-Ding.

Kunst ist auch dieser Akt des gewollten, gesuchten, gefundenen, essentiellen Eigentlichen, Einfachen, Seienden.

Dieses Ich-kann-nicht-anders, das jedem wirklichen Kunstwerk anhaftet. Dieses nicht bloß Hobby Seiende, dieses zutiefst Lebendige, Sprudelnde.

(Lebens-)Kunst ist, dass etwas eigentlich einfach so sein darf.

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